Rede · 13.06.1996 Bejagung von Rabenvögeln

Viele von uns haben in den letztem Jahren den Eindruck gewonnen, daß die Anzahl der Rabenvögel zugenommen hat. Jedenfalls fallen Elstern und Krähen uns häufiger auf, als bisher. Ich halte es aber für etwas übereilt, davon jetzt darauf zu schließen, daß wir eine schädliche Überpopulation haben, die mit Gewalt reduziert werden muß.
Es gibt keine eindeutige wissenschaftliche Erkenntnis darüber, daß wir diesen Punkt erreicht haben. Deshalb finde ich das Ansinnen der CDU lobenswert, die Bestandsentwicklung der Rabenvögel gründlich zu durchleuchten und die von ihnen verursachten Schäden zu erfassen. Allerdings scheint mir, daß der CDU im Antrag die zeitliche Abfolge der Maßnahmen ein bißchen durcheinander geraten ist. Meinen Sie wirklich, daß Sie erst Elstern und Rabenkrähen zum Abschuß freigeben wollen, um danach oder währenddessen zu untersuchen, wie viele es davon eigentlich gibt, und welche Schäden sie anrichten?

Wir wollen uns einer Bejagung der Vögel nicht verschließen, wenn diese sich als erforderlich erweisen sollten. Ich bin aber entschieden dagegen, diese Vögel für vogelfrei zu erklären, bevor wir die Gewißheit haben, daß sie wirklich die Schäden anrichten, für die sie haftbar gemacht werden sollen. Außerdem wäre noch der Beweis anzutreten, daß die bisherigen Kompentenzen der unteren Naturschutzbehörden nicht ausreichen. Im übrigen kann die Bejagung der Saatkrähe hier überhaupt nicht zur Debatte stehen, weil der Artenschutz-Status dieses Rabenvogels dem Land lediglich die Erteilung von Einzelgenehmigungen für den Abschuß gestattet.

Bisherige Studien ergaben meines Wissens, daß die Rabenvögel halb so schlimm sind, wie es ihr schlechtes Image im Volksmund vorgibt. Diese Untersuchungen besagen, daß Elstern ihren Konsum an anderen Vögeln in Maßen halten. Jedenfalls stellen sie demzufolge keine existentielle Bedrohung für andere Vogelpopulationen dar. Überhaupt sollten wir uns erst über die Ernährungsgewohnheiten schleswig-holstenischer Rabenvögel kundig machen. Offensichtlich besteht hier eine Wissenslücke, die Sie ja auch im Antrag ansprechen.

Ich rekapituliere:
Die SSW-Abgeordneten möchten sich grundsätzlich keiner Bestandsregulierung von Rabenvögeln entgegenstellen, falls diese sich als notwendig erweisen sollte. Allerdings können wir keinen Ansatz unterstützen, der auf Hörensagen und dem schlechten Image der Raben beruht. Eine solche Entscheidung erfordert unseres Erachtens eine wissenschaftlich fundierte Begründung. Bis uns eine solche vorliegt, werden wir dem Antrag der CDU nicht zustimmen können.

Weitere Artikel

Pressemitteilung · Sybilla Nitsch · 19.08.2026 Madsens Fährenplan ist politisches Blendwerk

Zur heutigen Beratung über die Fährverbindung Missunde im Wirtschaftsausschuss erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Rede · Jette Waldinger-Thiering · 26.08.2026 Sprachenarbeit endlich zukunftsfähig machen!

„Das A und O der Sprachenarbeit ist die Hauptamtlichkeit. Wenn die Landesregierung den Verfassungsauftrag ernst nimmt, muss sie selbstverständlich die institutionelle Förderung absichern. Das niederdeutsche Zentrum in Leck leistet Überragendes, muss aber personell weiter verstärkt werden, damit die Ehrenamtliche verlässliche Ansprechpartner bekommen.“

Weiterlesen

Rede · Christian Dirschauer · 26.08.2026 Prioritäten setzen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!

„Für uns als SSW ist die entscheidende Frage in diesem Haushalt nicht nur, wie viel Geld fehlt. Die entscheidenden Fragen lauten: Was machen wir mit dem Geld, das da ist? Welche Prioritäten setzen wir? Und werden wir diese Prioritäten auch dauerhaft finanziell absichern? Denn Prioritäten setzen heißt Verantwortung übernehmen – und zwar nicht nur bei den Ausgaben, sondern auch bei den Einnahmen. Gerade in einer so angespannten Haushaltslage dürfen wir nicht die Zukunft gegen die Gegenwart ausspielen. Wir brauchen einen ehrlichen Haushalt, der notwendige Konsolidierung mit Investitionen in Bildung, die Kommunen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Zukunft verbindet und der bei der Einnahmeseite genauso mutig ist wie bei den Einsparungen.“

Weiterlesen