Rede · 17.11.2011 Demenzplan für Schleswig-Holstein erstellen, Bessere Anerkennung und Rahmenbedingungen in der Pflege

Demenz ist ein Problem, das unsere gesamte Gesellschaft angeht. Sie ist eine große Herausforderung für die Betroffenen und ihre Familien. Denn wir wissen, dass mehr als zwei Drittel der bundesweit rund 1,3 Millionen Demenzkranken von ihren Angehörigen versorgt werden. Doch Schätzungen zufolge wird diese Zahl ohne einen medizinischen Durchbruch bis zum Jahr 2050 auf bis zu 4,8 Millionen steigen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der katastrophalen Personalsituation im Pflegebereich ist diese Zahl schockierend. Nach meiner Meinung sind wir an einem Punkt, an dem es nicht mehr reicht, auf die Einzelprobleme der Demenzbetreuung zu schauen. Was wir brauchen um dieser wachsenden Herausforderung zu begegnen, ist ein Gesamtkonzept. Dabei muss es das übergeordnete Ziel sein, die Lebensqualität von Demenzkranken und ihren Angehörigen zu verbessern.

Damit hier kein Missverständnis entsteht: Ich will ganz sicher nicht unterstellen, dass die Landesregierung in dieser Angelegenheit die Hände in den Schoß legt: Wichtige und sinnvolle Maßnahmen, wie etwa die Schaffung des Kompetenzzentrums Demenz mit Sitz in Norderstedt, sind auf den Weg gebracht. Hier sollen die Versorgungsstrukturen des Landes für Menschen mit Demenz ausgeweitet, verbessert und in ihrer Qualität erhalten werden. Auch die Entwicklung von neuen und besseren Entlastungsangeboten für Angehörige und landesweite Informationskampagnen werden damit in Angriff genommen. Dies erkennt der SSW ausdrücklich an. Doch die Frage ist, ob diese sinnvollen Maßnahmen allein ausreichen.

Ein wesentlicher Vorteil des aktuellen Demenzreports, der Grundlage für den vorliegenden Antrag zum Demenzplan ist, sind die regional differenzierten Daten. Sie zeigen klar und deutlich, dass wir hier in Schleswig-Holstein schon bis zum Jahr 2025 mit einem Anstieg der Demenzkrankheiten von 50 bis 70 Prozent rechnen müssen. Wenn es also darum geht, die zukünftige Versorgung dieser Menschen sicherzustellen, dann ist es aus Sicht des SSW dringend notwendig, schon heute mehr zu tun: Neben einer umfassenden Bestandsaufnahme und Analyse der Situation von Demenzkranken und ihren Angehörigen müssen zum Beispiel auch die verschiedenen Krankheitsformen intensiver erforscht werden.

Doch auch dabei kann es nicht bleiben, wenn wir die Lebensqualität von immer mehr Betroffenen und ihren Angehörigen wirklich verbessern wollen. Hierfür brauchen wir ein koordiniertes Vorgehen aller Akteure, die in diesem Bereich tätig sind. Die Landesregierung muss zusammen mit den Krankenkassen, der kassenärztlichen Vereinigung und anderen beteiligten Organisationen konkrete Maßnahmen und verbindliche Ziele formulieren. So können schon bald Qualitätsstandards in der ambulanten und stationären Versorgung und Pflege von Demenzkranken eingeführt werden. Und auch die notwendige einheitliche Hilfestruktur und eine kreisübergreifende Vernetzung der regionalen Angebote können wir so schnell und effektiv auf den Weg bringen. Wichtig ist, dass in dieser Sache alle an einem Strang ziehen.

Entscheidend für die zukünftige Versorgungsqualität wird aus Sicht des SSW sein, ob es uns gelingt, zu einer besseren Vorbeugung und zu verbesserten Vorsorgeangeboten für potentielle Demenzkranke zu kommen. Investitionen in diesem präventiven Bereich sind zentral, denn damit sorgen wir dafür, dass die Zahl der Erkrankten und ihr Leiden verringert wird. Und sie sind auch rein ökonomisch sinnvoll: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können Vorsorgemaßnahmen den Ausbruch von Demenz um 10-15 Jahre verschieben. Das bedeutet, dass wir den Lebensstil der heute noch Berufstätigen stärker in den Blick nehmen müssen. Hier ist eine verstärkte Aufklärungsarbeit gefragt und es sind Anreize nötig, damit diese Gruppe präventive Maßnahmen - wie etwa ein regelmäßiges Gedächtnistraining - ergreift.

Uns allen ist bekannt, dass die Qualität der Versorgung und Pflege von Demenzkranken schon heute leidet. Nicht nur die Angehörigen sondern auch die professionell Pflegenden sind nicht selten überfordert und greifen in manchen Fällen zu schockierenden Mitteln, um diese Situation zu meistern. Das darf nicht zum Regelfall werden. Pflege muss menschenwürdig bleiben. Damit wir diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden können brauchen wir ein koordiniertes Vorgehen und ein Gesamtkonzept, in dem die Maßnahmen und Ziele festgehalten werden.

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