Rede · 29.01.2009 Förderung von Ganztagsangeboten an Gymnasien


Dies ist nicht die erste Debatte, die wir zu dem Thema Ganztagsangebote führen. Heute führen wir aber eine Pseudodebatte. Vor einem Jahr hat die FDP einen Antrag zur Förderung von Ganztagsangeboten an Gymnasien gestellt. Dieser Antrag ist inhaltlich durchaus berechtigt, da Ganztagsangebote nicht mehr nur den Schulen in sozialen Brennpunkten vorbehalten sind, sondern allen Schülerinnen und Schülern dieses Landes zugute kommen sollen - auch an den Gymnasien. Der Antrag hätte im Rahmen der Haushaltsberatungen aufgenommen werden müssen. Stattdessen entwirft die große Koalition eine Beschlussempfehlung, in der wir aufgefordert sind, Beschlüsse zu begrüßen, die schon längst gefällt wurden.

Ganztagsangebote an den Schulen Schleswig-Holsteins sind aus unserer Sicht die richtige Antwort nicht nur auf soziale Probleme, sondern auch auf die Entwicklung einer neuen pädagogischen Schulkultur, in der es nicht nur um Büffeln und Pauken geht. Stattdessen geht es darum gemeinsam und länger zu lernen, für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen und individuelle Unterstützung zu leisten. Diese Schulkultur wird vor allem in den Gemeinschaftsschulen entwickelt, für deren konsequente Einführung der SSW seit Jahren plädiert.
So lange die große Koalition weiterhin einen Flickenteppich der Schultypen in diesem Land unterhält und keinerlei pädagogische Einsicht zu erwarten ist, dass Gemeinschaftsschulen das Schulmodell der Zukunft sind, ist zumindest die flächendeckende Einführung von Ganztagsangeboten ein Schritt in die richtige Richtung.

Von den 105 Gymnasien des Landes sind bereits 50 offene oder gebundene Ganztagsschulen. Obwohl diese Schulart also bisher nicht in die Richtlinien über die Förderung von Ganztagsangeboten an offenen Ganztagsschulen aufgenommen ist, haben die Schulen erkannt, welche Chancen sich mit Ganztagsangeboten für eine neue Lehr-/Lernkultur und Schulkultur ergeben. Hierzu gehören nicht nur die Hausaufgabenbetreuung an den Nachmittagen, sondern auch musisch-künstlerische Angebote, Sport und Bewegung, Angebote zur Berufsorientierung und ein Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler. Dass die Hälfte der Gymnasien trotz der fehlenden Förderung aus den Richtlinien Engagement und Zielstrebigkeit bewiesen hat, ist eine tolle Leistung, die von uns allen mit Respekt gezollt werden muss.

Ziel der weiteren Einführung und Förderung von Ganztagsangeboten muss ein flächendeckendes Angebot an allen Schulen in Schleswig-Holstein sein, auch den Gymnasien. Es kann nicht sein, dass eine Schulart von der Betriebskostenförderung ausgeschlossen wird, ohne dass es irgendeine pädagogisch sinnvolle Begründung dafür gibt. Dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann, ist uns natürlich klar. Trotzdem muss das Ziel die gleichberechtigte Unterstützung aller Schularten sein. Oder, wenn dies der großen Koalition nicht klar zu machen ist, eben gleich die konsequente Einführung eines Schulmodells – und zwar der Gemeinschaftsschulen - im ganzen Land. Dann brauchen wir uns über unterschiedliche Förderungen und Ungleichbehandlung gar nicht mehr zu streiten.

Der SSW kann der Beschlussempfehlung des Ausschusses nicht zustimmen, da hier nur eine bereits beschlossene Tatsache begrüßt werden soll und wir keine Pseudodebatten unterstützen. Der Antrag der FDP ist dagegen inhaltlich richtig, da die Gymnasien ebenso wie alle anderen Schularten Recht auf eine Förderung von Ganztagsangeboten haben.

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