Rede · Flemming Meyer · 30.11.2006 Gemeinsam die Neuausrichtung des Tourismus voranbringen


Erst einmal möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen von CDU und SPD dafür bedanken, dass sie das für Schleswig-Holstein wichtige Thema Tourismus heute mit ihrem Antrag auf die Tagesordnung gesetzt haben. Der Antrag ist so abgefasst, dass eigentlich jeder diesem zustimmen kann, weil er für jeden noch auslegbar ist und er auch die handelnden Personen und Institutionen nicht zu sehr einengt. Ich möchte daher gerne auch die einzelnen Thematiken des Antrages ansprechen und verstehe unsere Anregungen als Beitrag zu einer Diskussion, die aber letztendlich die Touristiker im Land und ihre Verbände führen und zum Abschluss bringen müssen.

Mit dem Roland Berger Gutachten haben wir in Schleswig-Holstein eine unabhängige Studie bekommen, die als Handlungsfaden dienen sollte. Hier werden im wesentlichen zwei Themenbereiche besonders angesprochen. Zum einen die derzeitigen Strukturen und Vermarktungswege, die möglich sind. Und zum anderen die Zielgruppen, derer man sich insbesondere annehmen sollte.

Was die Strukturen angeht, ist die Schlussfolgerung richtig, dass wir hier viel zu kleinteilig organisiert sind. Jeder Ort und jede Teilregion hat seinen Verein oder Verband, der für den Tourismus zuständig ist. Das ist natürlich so nicht aufrecht zu erhalten, weil dies Ressourcen verschlingt, die man besser gemeinsam nutzen könnte. Diese Struktur liegt aber nicht darin begründet, dass die Touristiker so kleinteilig denken, sondern vor allem darin, dass die kommunalen Strukturen so sind, wie sie bei uns sind.
Jeder kleine Ort von ein paar hundert Einwohnern hat eigene Interessen und muss diese auch vertreten. Dabei können schon einmal die übergeordneten Strukturen unter die Räder geraten. Daher haben dann nicht nur die größeren Orte eigene touristische Strukturen, die sie auch nötig haben, sondern eben auch viele kleine Dörfer und Mini-Regionen. Dabei wird unheimlich viel Energie und Geld freigesetzt, aber eben nicht zielgerichtet für eine größere Region genutzt.

Deshalb wäre auch hier eine Gemeindereform hilfreich und das Ziel einer Reform der kommunalen touristischen Strukturen sollte sein, dass man örtliche Tourismusstrukturen grundsätzlich nur noch für Einheiten mit einer Einwohnerzahl von 30.000 und mehr Einwohner vorhält, also man die touristischen Strukturen um Kreisstädte und größere Orte und Touristikzentren gruppiert. Wir hätten dann nur noch 90 oder sogar weniger kommunale Tourismusverbünde und nicht 225, wie heute. Danach könnte man auch überlegen, welche Aufgaben in Zukunft die Regionalverbände in Abgrenzung zur TASH haben sollten und welche Organisationsform wir gemeinsam für diese Aufgaben anstreben.

Kommen wir nun zu den Zielgruppen. Es ist klar, dass wir uns um jeden Gast zu kümmern haben. Es ist ebenso klar, dass wir auf örtlicher Ebene in Teilen andere Zielgruppen bedienen, als zum Beispiel in einer landesweiten strategischen Ausrichtung. Eine örtliche Ausrichtung ist auf beispielsweise den Jugendtourismus, auf Geschäftsreisen oder auf die „Schönen und die Reichen“ immer noch möglich. Es ist aber vor allem auf Landes- und Regionalebene notwendig, dass wir unsere Mittel zielgerichteter einsetzen als bisher. Deshalb ist es richtig, dass wir uns landesweit auf die Zielgruppen einstellen, die auch das Preisniveau, das wir haben, mit tragen können. Im Segment des reinen Billigurlaubs werden wir nicht bestehen können. Auch hier gilt, dass unsere Chance nur der Qualitätstourismus ist. Deswegen sind die Schwerpunkte „Ältere Generation“, „Familien“ und „junge Alleinreisende“ auch die richtigen Schwerpunkte. Nur in diesen Bereichen lässt sich flächendeckend Geld verdienen.

Ein richtig wichtiger Punkt im Antrag ist auch der vorletzte Punkt. Hier geht es um Tourismusprojekte und die dazugehörige Förderpolitik. Es ist einerseits notwendig, dass erkannt wird, dass auch touristische Großprojekte sinnvoll sein können, um ein marktgerechtes Angebot zu haben. Und andererseits ist es ebenso notwendig, zu erkennen, dass auch die touristische Infrastruktur nicht in den siebziger Jahren verharren darf. Investitionen in diese Bereiche sind Investitionen in einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes, der vergleichsweise viele Arbeitsplätze bereitstellt. Deshalb ist es wichtig, dass man nicht nur technisch anspruchsvolle Projekte in anderen Wirtschaftszweigen fördert, sondern eben auch in Golfplätze, Freizeitanlagen oder in Feriensiedlungen investiert. Diese Projekte schaffen mindestens genauso viel Wertschöpfung wie andere Projekte. Gleiches gilt auch für Kurpromenaden oder Museen, die natürlich erst einmal nicht so „modern“ wirken, aber eben doch die Basis für etwas ganz profanes sind – für´s Geldverdienen. Ohne eine ordentliche Infrastruktur kommen keine Gäste nach Schleswig-Holstein und deshalb muss sich die Förderstruktur des Landes eben gerade auch auf die Bedürfnisse des Tourismus im Land ausrichten.

Beim angedachten Bericht im Februar im Wirtschaftsausschuss würde ich anregen, neben dem Wirtschaftsminister auch Vertreter der TASH und der Regionalverbände einzuladen und dann gemeinsam über die Neuorganisation des Tourismus zu sprechen.