Rede · Lars Harms · 25.03.2021 Rassismus geht uns alle an

„Wir sollten keinen Generalverdacht gegenüber einzelnen Berufsgruppen äußern, sondern vielmehr Rassismus als gesellschaftliches Problem erkennen, das uns alle etwas angeht.“

Lars Harms zu TOP 20+45 - Umsetzung des Aktionsplans gegen Rassismus (Drs. 19/2851 & 19/2666)

Wir als SSW teilen die Ansicht, dass Rassismus vielfältige Facetten hat, denen man auf unterschiedliche Arten und Weisen begegnen muss. Deswegen stimmen wir dem Ansatz zu, sowohl alten als auch neuen Rassismen den Nährboden zu entziehen. Ob auf der Straße oder im Internet, mit neuen oder alten Worten, Rassismus als Unterdrückungsmechanismus und diskriminierendes System wandelt sich zwar manchmal im Aussehen, aber nicht in der Funktion. 

Ich finde, dabei sollten wir keinen Generalverdacht gegenüber einzelnen Berufsgruppen äußern, sondern vielmehr Rassismus als gesellschaftliches Problem erkennen, das uns alle etwas angeht.
Aus diesem Auftrag an die gesamte Gesellschaft ergibt sich, wenn man es denn ernst meint, gewissermaßen eine Verpflichtung an das Land, seine Regierung und Verwaltung. Und deswegen ist es auch richtig, dass sich jedes Ressort mit dem Phänomenbereich auseinandersetzen musste. Solche Reflektionsprozesse mögen anstrengend sein und langwierig, besonders natürlich, wenn sie durch so etwas wie eine Pandemie unterbrochen werden, aber noch anstrengender ist es für Menschen, die von Rassismus betroffen sind, wenn wir hier nicht weiter vorankommen. 
Deswegen ist es auch wichtig, dass wir nicht nur fraktionsübergreifend, sondern auch legislaturüberspannend kontinuierlich gemeinsam an Aufarbeitung, Prävention und Stärkung des gesellschaftliches Engagements arbeiten. 

Was mir gut an der Debatte gefällt ist, dass sich an ihr gewissermaßen eine Entwicklung der letzten zwei Jahre ablesen lässt. Als wir 2019 hier zum ersten Mal den Landesaktionsplan gegen Rassismus diskutiert haben, haben viele von uns ja die Situation genutzt, um erst einmal zu sagen, was wir uns überhaupt von einem solchen Plan erhoffen und welche Erwartungen wir mit ihm verbinden würden. 
Ich habe damals für den SSW festgehalten, dass es uns ein besonders wichtiges Anliegen ist, den Blick darauf zu lenken, wie und warum rassistische Denkmuster, Stereotype und Strukturen entstehen, wem sie in der Vergangenheit etwas genutzt haben und wer auch heute noch davon profitiert. 
Ich habe darüber geredet, dass rassistisches Denken und Handeln entstanden ist, um ganzen Menschengruppen ihre Rechte, ihre Würde, ihr Land und ihre Ressourcen zu nehmen. 
Wir als SSW haben daraufhin unsere Große Anfrage zur Aufarbeitung der Europäischen und Deutschen Kolonialgeschichte in Schleswig-Holstein gestellt und nach einer wirklich lehrreichen und zum Nach- und Umdenken anregenden Anhörung einen Folgeantrag eingebracht, den wir hoffentlich dann in der nächsten Sitzung des Landtags diskutieren können. 

Den Nachrichten aus Atlanta, wo ein 21-jähriger weißer Amerikaner acht Menschen erschossen hat, wurde auch in Deutschland viel Aufmerksamkeit entgegengebracht.
Das mag daran liegen, dass auch hier als asiatisch wahrgenommene Menschen seit Beginn der Corona-Pandemie global davon berichten, dass sie vermehrt rassistisch beleidigt und angegriffen werden. Auch hier wirken immer wieder alte koloniale europäische Erzählungen über asiatische Menschen in unsere heutige Lebensrealität hinein. 
Vielleicht kennen Sie das Projekt „Ich bin kein Virus“, 

Wohin das in letzter Konsequenz führen kann, haben wir am Attentat in Atlanta sehen können. Sechs der Opfer sind Frauen und haben einen asiatisch-amerikanischen Hintergrund. 
Von der amerikanisch-asiatischen Bevölkerung wird der Anschlag eindeutig als Mordserie auf asiatisch aussehende Menschen gewertet. Der Täter selbst sagt, er habe die Massagesalons, in denen er mordete, als „Versuchung“ empfunden, von der er sich befreien wollte. In einem Radiointerview mit der Journalistin Nhi Le habe ich folgende Erklärung gehört: „Das ist ein Stereotyp, mit dem sich viele ost- und südostasiatische Frauen konfrontiert sehen, sie werden objektifiziert, hypersexualisiert und als sexuell verfügbar gesehen.“
Wir sehen hieran eine Verbindung zwischen Rassismus und Sexismus. 

Wir vom SSW unterstützen daher den Aktionsplan gegen Rassismus. Denn dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe keine Wohnung bekommen, darf nicht mehr sein. Dass sie aufgrund ihres Nachnamens nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden, darf nicht mehr sein. Und dass Menschen in Deutschland sich aufgrund ihres Aussehens, ihrer vermeintlichen Herkunft oder Religion nicht sicher fühlen, darf nicht mehr sein. 

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