Rede · Christian Dirschauer · 27.09.2024 Schnelle, unbürokratische Hilfe für die Tierhalter

„Gewundert hat mich jedoch die Tatsache, dass Tiere, die an der Blauzungenkrankheit verenden, die Voraussetzungen für die Gewährung einer Entschädigungsleistung durch den Tierseuchenfonds nicht erfüllen… Die Entschädigung scheitert demnach allein am Übertragungsweg. Und weil die Blauzungenkrankheit nicht ansteckend ist, wird auch nichts gezahlt. Das kanns doch nicht sein.“

Christian Dirschauer zu TOP 23 - Bericht zum Tierseuchengeschehen in Schleswig-Holstein (Drs. 20/2469)

Bereits Ende Mai wurden die Tierhalterinnen und Tierhalter durch das Landwirtschaftsministerium auf die Eintragsgefahr der Blauzungenkrankheit Serotyp 3 hingewiesen. Das Übertragungsrisiko auf Schafe, Rinder, Ziegen sowie Neuweltkamelieden wurde zu der Zeit vom Friedrich-Löffler-Institut als hoch eingestuft. Die rasante Ausbreitung der Blauzungenkrankheit und die hohen Todesfallraten in den Niederlanden im letzten Jahr, haben auch bei uns den Ernst der Lage deutlich gemacht. So, dass die Notwendigkeit von Impfstoffen dringend geboten war. Dementsprechend wurden per Eilverordnung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium drei geeignete Impfstoffe genehmigt. Die Impfungen seien laut FLI die einzige und sicherste Möglichkeit, die Tiere gegen eine Infektion zu schützen, und um schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verhindern. 
Das Land hat eine entsprechende Zuwendung in Aussicht gestellt, in Höhe von 1 Euro für geimpfte Schafe und Ziegen und 2 Euro für geimpfte Rinder. Angesicht der mittlerweile rasanten Entwicklung bei uns und dem Druck, dem die betroffenen Betriebe ausgesetzt sind, halte ich das beschriebene unbürokratische Verfahren von Seiten des Ministeriums für begrüßenswert. Die Bäuerinnen und Bauern haben jetzt andere Sorgen, als sich mit bürokratischen Anträgen bei den Impfungen rumzuschlagen. 
Gewundert hat mich jedoch die Tatsache, dass Tiere, die an der Blauzungenkrankheit verenden, die Voraussetzungen für die Gewährung einer Entschädigungsleistung durch den Tierseuchenfonds nicht erfüllen. Hier bedarf es vielleicht nochmal der Klarstellung, denn verständlich ist es für mich nicht. Die Entschädigung scheitert demnach allein am Übertragungsweg. Und weil die Blauzungenkrankheit nicht ansteckend ist, wird auch nichts gezahlt. Das kanns doch nicht sein. 
Daher kann ich die Forderungen der Schaf- und Ziegenzüchter nach einem Hilfsfonds für Betriebe in Existenznot sehr gut nachvollziehen. In diese Kerbe schlägt auch der Präsident des Bauernverbandes, der prüfen lassen will, einen Hilfsfonds für betroffene Schafhalter auf den Weg zu bringen. Hier sollten wir von Seiten der Politik einmal mit draufschauen, wie wir in Sachen Hilfsfonds helfen können. Auch der Wunsch nach Bezuschussung der Impfungen in 2025 sollten wir ernsthaft in Erwägung ziehen. 
Es ist nicht allein die jetzige Situation der Schafbetriebe, die den Halterinnen und Haltern zu schaffen macht. Mit Bangen blicken sie auf die anstehende Deckzeit bei den Schafen, denn die Zeugungsfähigkeit erkrankter Böcke ist stark eingeschränkt, so dass ein größerer Geburtenausfall im kommenden Frühjahr befürchtet wird. Das wäre der finanzielle Ruin vieler Betriebe. 
Die wirtschaftliche Situation der schafhaltenden Betriebe – gerade an der Westküste – wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Der Absatz der Wolle ist mittlerweile ein Minusgeschäft. Gänsefraß und eine entsprechend starke Verkotung auf den Weiden, machen diese für die Schafhaltung mittlerweile in weiten Teilen unbrauchbar. Auch hier muss endlich etwas geschehen. Ansonsten verlieren wir unsere Schafbetriebe an der Westküste.
Im Großen und Ganzen bleibt für uns festzuhalten, dass die Strukturen sowie die Informationspolitik seit dem ersten gemeldeten Befund, mit Impfung aber auch rund um die Tierkörperbeseitigung gut funktioniert haben. Hier hat das Ministerium meines Erachtens gute Arbeit geleistet. Zwischenzeitich sind in Absprache zwischen Schäfern und LKN kilometerlang Deiche für Spaziergänger und Radfahrer gesperrt, um den Stress für die ermatteten und kranken Tiere zusätzlich zu reduzieren. Jetzt müssen wir also nach vorne schauen und politisch an die benannten Sachen ran. 

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