Rede · Flemming Meyer · 27.09.2019 Nährwertqualität von Lebensmitteln: Verpflichtendes, verbraucherfreundliches System einführen

Dass es möglich ist, machen Frankreich, Belgien und Spanien deutlich, die mittlerweile eine einfache Kennzeichnung eingeführt haben mit dem Nutri-Score.

Flemming Meyer zu TOP 20 - Einfaches System zur Darstellung der Nährwertqualität auf Lebensmitteln einführen (Drs. 19/1614)

Wer sich heute bewusst ernähren möchte oder sich aus gesundheitlichen Gründen entsprechend ernähren muss oder auf bestimmte Nährstoffzusammensetzungen achten muss, dem wird es schwer gemacht, sich einen einfachen Überblick über den Nährwert der jeweiligen Lebensmittel zu verschaffen. Ende 2016 wurde in Deutschland und EU-weit die Nährwertkennzeichnung verpflichtend für alle vorverpackten Lebensmittel eingeführt. Danach muss für bestimmte Nährwerte – jeweils auf 100 Gramm oder 100 Milliliter – der Nährwertgehalt in Tabellenform angegeben werden. Die Kennzeichnungspflicht gilt für sieben Nährwerte, die sogenannten „Big Seven“. Das sind: Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Darüber hinaus dürfen weitere Inhaltsstoffe in gleicher Form deklariert werden. Vitamine und Mineralstoffe dürfen nur angegeben werden, wenn diese in signifikanter Menge enthalten sind, aber mindestens 15% der empfohlenen Tagesdosis. Freiwillig zur Deklaration der Nährwerte kann der Hersteller diese Angaben auch pro Portion angeben, die Größe der Portion legt jedoch der Hersteller selbst fest. Dann muss er aber auch die Anzahl der Portionen pro Verpackung angeben. Außerdem dürfen auch bei den „Big Seven“ die prozentualen Anteile von Energie und Nährstoffe an Referenzmengen gekennzeichnet werden. Dann muss zusätzlich folgende Erklärung hinzugefügt werden „Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen (8.400 kJ/2.000kcal)“.
Nach dem Motto: Wer Informationen haben will, der bekommt sie auch! 
Aber ganz ehrlich, wer soll da noch durchsteigen? Man muss quasi Ernährungsexperte sein, um das verstehen zu können. Und da setzt unsere Kritik an. 

Informationen zu den Lebensmitteln sind gut und wichtig. Aber sie nutzen keinem, wenn sie unverständlich rübergebracht werden und das werden sie derzeit. Wir haben es hierbei mit einer reinen ernährungsfachlichen Deklaration zu tun und man muss Experte sein um Rückschlüsse auf die Nährwertqualität ziehen zu können. Der Ottonormal-Verbraucher versteht von dem Kennzeichnungslatein kein Wort. Und er kann für sich keine Rückschlüsse auf die Nährwertqualität ziehen. Dieses Zahlen-Wirrwarr wird auch von Seiten der Verbraucherverbände seit längerem kritisiert. Daher fordern sie auch in Deutschland eine einfache verbindliche Kennzeichnung. Dass es möglich ist, machen Frankreich, Belgien und Spanien deutlich, die mittlerweile eine einfache Kennzeichnung eingeführt haben mit dem Nutri-Score. 
Mittlerweile wurde vom Bundesministerium für Ernährung eine Verbraucherbefragung zum vereinfachten Nährwertkennzeichen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis soll Ende dieses Monats bekannt gegeben werden. Gemeinsam mit den Koalitionsfraktionen, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft und der Bundesverbraucherzentrale wurde von Bundesministerin Julia Klöckner entschieden, vier Modelle für ein einfaches Nährwertkennzeichen in die Umfrage zu schicken. Es handelt sich hierbei um das Keyhole-System, Nutri-Score, das System der Lebensmittelwirtschaft sowie das System des Max-Rubner-Institutes. Welche Kennzeichnung sich in der Befragung durchsetzen wird ist noch offen. Dem Ergebnis wollten wir mit unserem Antrag auch nicht vorgreifen. Wir fordern aber ganz klar ein verpflichtendes einfaches System zur Darstellung der Nährwertqualität von Lebensmitteln. 
Die SPD ist schon einen Schritt weiter und spricht sich für die Einführung von Nutri-Score aus, ohne jedoch das Ergebnis der Verbraucherbefragung abzuwarten. Obwohl wir durchaus Sympathien für Nutri-Score haben, halten wir es für falsch, dem Ergebnis der Befragung vorzugreifen. Zum Antrag der Koalition möchte ich sagen, dass die dort beschriebene Vorgehensweise zwar richtig ist, jedoch fehlt die Forderung, dass ein verständliches und einheitliches Nährwertkennzeichnungsmodell verpflichtend einzuführen ist. 
Unterm Strich ist und bleibt es für uns wichtig, dass wir in Deutschland spätestens nächstes Jahr ein verpflichtendes System bekommen das verbraucherfreundlich Auskunft über die Nährwertqualität der Lebensmittel gibt.

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