Rede · Flemming Meyer · 08.03.2019 Anerkennung für Erzieherberuf

„Die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher sollte uns deutlich mehr wert sein“

Rede zu Protokoll gegeben

Flemming Meyer zu TOP 22 - Anerkennung des Erzieherberufs als Mangelberuf (Drs. 19/1307 (neu))

(Nr. 082-2019) Ich kann Jamaika nur Recht geben: Wir haben längst einen gravierenden Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Zwar entscheiden sich immer mehr junge Menschen für diese Ausbildung. Aber gemessen am Bedarf werden bundesweit bis 2025 trotzdem zwischen 190.000 und 310.000 Erzieher fehlen. Wenn wir noch dazu die Qualität in der frühkindlichen Bildung annähernd halten oder weiter steigern wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen für diese Berufsgruppe deutlich aufwerten. Ohne zusätzliches und gut qualifiziertes Personal können wir diesen wichtigen Bereich der Bildung kaum weiterentwickeln. Aber genau das ist aus Sicht des SSW dringend nötig. 

Vor diesem Hintergrund ist es tatsächlich ziemlich absurd, wenn wir den Menschen, die grundsätzlich am Erzieherberuf interessiert sind, Steine in den Weg legen. Aber genau das ist bisher in vielen Fällen Realität. Auf der einen Seite suchen wir seit Jahren händeringend nach Fachkräften. Auf der anderen Seite verlangen wir aber, dass sie für ihre Ausbildung noch Geld mitbringen oder sich zumindest selbst finanzieren, weil sie erstmal keinen Cent verdienen. Auch die Förderung von Umschulungen durch den Bund ist bisher alles andere als ausreichend. Wenn es also um den grundsätzlichen Reformbedarf geht, sind wir uns sicher einig. 

Wenn ich mir den Antrag der Koalition anschaue, dann hätte man sogar gut mit einer noch schlankeren Überschrift auskommen können: „Anerkennung des Erzieherberufs“. Punkt. Das allein wäre aus meiner Sicht ausreichend. Denn genau an dieser Anerkennung mangelt es. Ähnlich wie bei anderen sozialen Berufen wird der tagtägliche Einsatz für andere Menschen oft zu gering geschätzt. Auch Ausbildungsleistung und Qualität der Arbeit werden gerade bei Erzieherinnen und Erziehern sehr oft unterschätzt. Und die Bezahlung ist längst nicht nur während der Ausbildung, sondern auch im Beruf selbst, häufig unattraktiv gering. 

Ich will hier nicht missverstanden werden: Die im Antrag gestellten Forderungen nach einer 100-prozentigen Ausbildungsfinanzierung und einer Einstufung als Mangelberuf sind richtig. Aber diese Maßnahmen allein sind doch nur ein kleiner Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel in diesem Bereich. Von der Anerkennung als Mangelberuf und der entsprechenden Aufnahme in die Positivliste der Bundesagentur dürfen wir uns jedenfalls nicht zu viel erhoffen. Zumindest im Bereich der Pflege zeigt sich doch, dass dieser Schritt nicht wirklich viele internationale Fachkräfte zu uns bringt. 

Wenn wir ehrlich sind und den zukünftigen Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern auch nur annähernd decken wollen, sollten wir mehr tun. Hier geht es dann auch darum, dass Bund und Länder mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Uns ist wichtig, dass diese Arbeit endlich besser bezahlt wird. Und wenn es nach dem SSW geht, dann müssen auch ausnahmslos alle angehenden Erzieherinnen und Erzieher eine Ausbildungsvergütung bekommen. Denn nach heutigem Stand entscheiden sich viele lieber für eine Ausbildung, von der sie zumindest halbwegs leben können. Das ist nachvollziehbar und gleichzeitig ein klarer Wettbewerbsnachteil für diesen Beruf. Hier müssen auch die Träger ihren Beitrag leisten.
Wie gesagt: Der Antrag ist mehr als weiße Salbe. Aber er fordert eben auch nur Maßnahmen, die ein kleiner Teil der Lösung sein können. Es ist gut und wichtig, dass wir alle das Ziel haben, den Erzieherberuf in irgendeiner Form aufzuwerten. Denn Erzieherinnen und Erzieher leisten unheimlich wichtige Basisarbeit und einen wertvollen Beitrag für unsere Zukunft. Und wir alle wissen, dass das, was wir im frühkindlichen Bereich versäumen, später um ein vielfaches teurer wird. Deshalb, aber vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, sollte uns diese Arbeit noch deutlich mehr wert sein. 

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