Tale · Jette Waldinger-Thiering · 21.09.2023 Eltern nicht für die Lehrkräfte zur Kasse bitten

„Jetzt soll auch noch der Kostenaufwand des Lehrers von den Eltern übernommen werden, damit ihre Kinder in den Genuss des „Lernen an einem anderen Ort“ kommen. Diese Zustände lassen selbst die engagierteste Lehrkraft resignieren und ausbrennen. Denn sie wissen, dass viele Eltern durch die Bildungskosten ihrer Kinder an ihre finanziellen Grenzen stoßen.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 21 - Eltern nicht für die Lehrkräfte zur Kasse bitten (Drs. 20/1326)

Das wir jetzt die Frage diskutieren müssen, ob Eltern Unkosten für Lehrkräfte tragen sollen, ist doch nur ein weiteres Zeichen dafür, dass es wirklich Zeit wird die Rahmenbedingungen an unseren Bildungseinrichtungen in Schleswig-Holstein zu verändern und vor allem sie zu verbessern.
Auch wenn engagierte Schulen und Lehrkräfte gibt, die sich am Erlass des Bildungsministeriums orientieren und versuchen den Schüler und Schülerinnen „Lernen an einem anderen Ort“ zu ermöglichen und Klassenfahrten und Ausflüge organisieren möchten, scheitert es an den zu Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. 
Was ist jetzt die Lösung? Klassenfahrten und Ausflüge abschaffen?
Ich bin mir sicher, dass viele von uns hier im Raum mindesten eine gute Erinnerung an eine Klassenfahrt oder Schulausflug haben. Es sind oftmals prägende Erinnerungen- die sich auch nachhaltig auf Unterrichtsinhalte auswirken. Gute Lehrkräfte wissen das Alles. Deshalb versucht man Reisen und Ausflüge irgendwie möglich zu machen. Hierbei landet der Druck früher oder später - mal wieder bei den Eltern - die häufig bereits die Kosten für ihre Kinder selbst tragen müssen. Wie wir der Presse und etwaigen Erhebungen entnehmen konnten, belaufen sich diese Kosten auch mal auf mehrere hundert Euro pro Kind für eine Klassenfahrt.
Jetzt soll auch noch der Kostenaufwand des Lehrers von den Eltern übernommen werden, damit ihre Kinder in den Genuss des „Lernen an einem anderen Ort“ kommen.
Diese Zustände lassen selbst die engagierteste Lehrkraft resignieren und ausbrennen. Denn sie wissen, dass viele Eltern durch die Bildungskosten ihrer Kinder an ihre finanziellen Grenzen stoßen.
Stellen sie sich doch mal vor, dass ein engagierter Angestellter eines Unternehmens Kunden oder Externe um die Übernahme seiner Unkosten bitten muss. Obwohl diese Unkosten entstehen, um für das Unternehmen erfolgreich arbeiten zu können.
 So etwas werden sie als Angestellter in der freien Wirtschaft hoffentlich nicht erleben. Als Lehrkraft in Schleswig-Holstein ist das aber gut möglich.
Wir benötigen klare und flächendeckende Regeln, Vorgaben und die dazugehörigen ausreichenden Budgetierungen, die nach Schulform differenziert gelten müssen.
Jedes Kind sollte mindestens einmal, besser aber mehrmals in seiner Schullaufbahn die Möglichkeit einer Klassenfahrt bzw. die Möglichkeit des „Lernens an einem anderen Ort“ bekommen.
Hierbei geht es nicht um teure Flugreisen in die spanischen Partyhochburgen mit Hotelübernachtungen, sondern um Fahrten mit Zug und Bus innerhalb Schleswig- Holstein oder Deutschland die zur Vertiefung und Anschaulichkeit der einzelnen Unterrichtsinhalte dienen. Es soll sogar lobenswerte Lehrkräfte geben, die sich mit ihren Schüler und Schülerinnen per Fahrrad und mit dem Zelt auf den Weg machen. Hierfür sollten auch die Unkosten, die für eine Lehrkraft anfallen überschaubar sein und vom Dienstherrn übernommen werden.
Hier im Plenum ist schon häufig darauf hingewiesen worden, dass der Lehrberuf an unseren öffentlichen Schulen nicht sehr attraktiv zu sein scheint!
Genau diese vielen einzelnen Punkte der Arbeitsbedingungen führen dazu, dass keiner mehr Lust hat den Lehrberuf zu ergreifen bzw. seine Ausbildung abbricht oder sich früher zu Ruhe setzt. 
Auch wenn das Thema Lehrkräftemangel jetzt gerade nicht auf der Tagesordnung steht - es hängt alles zusammen. Es fehlt an allen Ecken und Enden.
Es nützt nichts, wir müssen klotzen und nicht kleckern!

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