Tale · Flemming Meyer · 21.02.2003 Schleswig-Holsteinisches Literaturfestival

Es passiert nicht alle Tage, dass uns ein Antrag auf den Schreibtisch flattert, der so viel literarische Qualitäten, eine derartige epische Breite und Tiefe hat, wie der vorliegende Antrag.

Der hohe Anspruch des Autors wird dem Leser schon in den ersten Zeilen offenbar: Die Landesregierung soll prüfen, wie die personellen und finanziellen Voraussetzungen dafür geschaf­fen werden können, dass ein Literaturfestival in Schleswig-Holstein stattfinden kann „das in Schritten zu einem bedeutenden Literatur- und Buchereignis entwickelt werden könnte“. Nicht nur ein Literaturfestival soll es sein – und ein unbedeutendes schon gar nicht.

In den folgenden Kapiteln verdichtet sich die Erzählung zusehends. Die Hauptfiguren werden ein­geführt und entfalten sich in einer Szenerie, die den Leser bedingungslos in ihren Bann zieht. Es ist förmlich zu greifen, von welch überwältigender Lust am Aufbau dieser virtuellen Festivalwelt der Verfasser ergriffen worden ist. Alle wesentlichen Gattungen der Weltliteratur werden wie Schachfiguren auf das imaginäre Brett gestellt – „Roman, Novelle, Erzählung, Lyrik, Sachbuch, Biographie und Autobiographie, Reisen, Abenteuer, Verkehrs-, Schifffahrts- und Marineliteratur, Frauenliteratur, Kriminalroman, Sciencefiction, Sport- und Kinderliteratur“.

Der Leser wird mit dem Verfasser ergriffen von der Idee, das Spiel zu beginnen, das Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2010 zum Großmeister machen soll. Und wieder überlässt der Autor nichts dem Zufall: Selbst das Spielbrett hat er schon mit ungeheurer Kreativität und großer Suggestionskraft ausgemalt: „breit gestreut in vielen Groß-, Mittel- und Kleinstädten aber auch auf geeigneten Herrensitzen unter Einbeziehung insbesondere von Hotel- und geeignet Gaststättenunternehmen“ soll das Spektakel stattfinden. An dieser Stelle entfalten sich die außerordentlichen erzählerischen Qualitäten des Autors in ihrer vollen Ausdruckskraft; denn wie lapidar und unbedeutend wäre es doch gewesen, einfach „in ganz Schleswig-Holstein“ zu schreiben, wie manch anderer Autorenkollege es in seiner Unbedarftheit getan hätte.

Zu den größten Qualitäten dieses Werks gehört aber, dass der Autor sich bei der Ent­faltung seiner Vorstellungskraft nicht von irritierenden Details beirren lässt. Die Tatsache, dass es schon erfolgreiche Literaturveranstaltungen in Schleswig-Holstein gibt, wird virtuos in die eigene Kon­zeption aufgenommen: „Die bisherigen und vielfältigen Literaturaktivitäten in Schles­wig-Holstein bleiben davon unberührt oder können sich freiwillig in das Literaturfestival eingliedern“, schreibt der Verfasser und greift so jeder aufkeimenden Flucht des Lesers in die trostlose Wirklichkeit voraus.

Ein phantasieloser Scharlatan, wer da noch anmerkt, dass es nicht ausreicht, einen Heinz G. Konsalik in eine holsteinische Scheune zu bitten - oder gar dass dieses nicht auch noch Aufgabe des Landes sein soll. Eine schnöde Erbsenzählerin, wer auf die ohnehin schon großen finanziellen Lasten hinweist, die das Musikfestival dem Land beschert. Von solchen un­be­deu­tenden Details lässt sich der Autor zum Glück nicht aus der Ruhe bringen. Und so kulminiert die Erzählung in einer ebenso kühnen wie grandiosen Vision: Die Menschen werden zu Hunderttausenden in die Großstädte, Mittelstädte, Kleinstädte und Herrenhäuser strömen, um den Dichtern von nah und fern zu lauschen.

Dem Verfasser ist mit diesem Erstlingswerk ein Meilenstein in der Gattung der schleswig-holsteinischen Parlamentsbelletristik gelungen. Deshalb freuen wir uns auf die Besprechung im nächsten literarischen Gesprächskreis unter Leitung des nordfriesischen Kulturpapstes.

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