Pressemeddelelse · 01.10.2007 Sozialfonds, damit kein Kind ohne Mahlzeit bleibt

Die Fraktionen von FDP, Bündnis 90/Die Grünen und SSW haben einen gemeinsamen Landtagsantrag ,,Kein Kind ohne Mahlzeit" eingebracht. Dazu erklären Dr. Ekkehard Klug (FDP), Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) und Lars Harms (SSW):

Immer mehr Kinder leben in Armut, allein in Schleswig-Holstein sind es rund 80.000 Kinder und Jugendliche. Für Familien, die von Hartz IV leben heißt das konkret: Ihnen stehen pro Kind und Tag 2,57 Euro für Essen und Trinken zur Verfügung. Ein aktuelles Forschungsergebnis des Institutes für Kinderernährung belegt: Dieser Tagessatz reicht nicht aus, ein Kind ausreichend und gesund zu ernähren. Von einem Tagessatz in Höhe von 2,57 Euro kann auch kein Mittagessen in der Kindertagesstätte oder in der Schule bezahlt werden.

Auch Familien mit einem geringen Einkommen aus einem Beschäftigungsverhältnis können sich oftmals die Mittagsmahlzeit in Kindertagesstätten und Schulen nicht leisten. Das führt dazu, dass Kinder aus Kostengründen von der Mittagsmahlzeit abgemeldet werden, obwohl gerade sie diese warme Mahlzeit dringend bräuchten. Träger von Kindertageseinrichtungen machen die Erfahrung, dass diese Gruppe immer größer wird und sie nicht in der Lage sind, eine kostenfreie Mahlzeit für diese Kinder aus der
,,Portokasse" zu bezahlen."

Das Bündnis ,,Gemeinsam gegen Kinderarmut" , bestehend aus Kinderschutzbund, Landesjugendring, AWO und der Sozialverband, hat am Weltkindertag 2007 erneut angemahnt, wirksame Initiativen zur Bekämpfung von Kinderarmut zu ergreifen, um Ausgrenzung und soziale Ungleichheit zu überwinden. Angesichts der Probleme hat auch Sozialministerin Trauernicht zum Weltkindertag eine Offensive gegen Kinderarmut unter der Überschrift ,,Kein Kind ohne Mahlzeit" angekündigt, dass unter anderem die Träger von Kindertagesstätten bei der Versorgung armer Kinder unterstützt werden sollen. Ankündigungen allein helfen uns aber nicht weiter.

Mit unserem Antrag fordern wir, dass schnell gehandelt wird und dass zukünftig mit Hilfe eines Sozialfonds sichergestellt wird, dass kein Kind aus Kostengründen vom Angebot der Mittagsmahlzeit ausgeschlossen wird. Unser Vorschlag ist, dass sich alle an einem solchen Fonds beteiligen: Land, Kommunen, Wirtschaft und wenn möglich auch die freien Träger der Einrichtungen.

Für die FDP erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer Dr. Ekkehard Klug:
,,Nicht ausreichende oder falsche Ernährung sind viel zu oft die Ursache dafür, dass von Armut betroffenen Kindern von vornherein die Chancen für eine gesunde Entwicklung genommen werden. Die kürzlich vom Robert-Koch-Institut erstellte Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit in Schleswig-Holstein hat ihren Zweck erst dann erfüllt, wenn aus den Erkenntnissen auch Konsequenzen gezogen werden. Unsere Initiative ist deshalb ein erster Schritt dahin."

Für Bündnis 90/Die Grünen erklärt die Parlamentarische Geschäftsführerin
Monika Heinold: ,,Spaß und Spiel, Bildung und Förderung funktionieren nicht mit hungrigem Bauch. Von Armut betroffene Familien brauchen zügig Hilfe, um den Teufelskreis aus Armut, sozialer Ausgrenzung, Bildungsarmut und einem erhöhten Krankheitsrisiko zu durchbrechen."

Für den SSW erklärt Lars Harms, jugendpolitischer Sprecher: "Bevor man sich Gedanken über ein höheres Kindergeld oder Erziehungsprämien für daheim gebliebene Mütter macht, sollte man lieber in die Kinder direkt investieren. Und das heißt eben auch, dass alle eine vernünftige Mahlzeit im Kindergarten erhalten. Hierfür sollte sich die Landesregierung einsetzen."

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