Speech · 25.01.2012 Anträge zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Es ist nachgewiesen, dass die Antibiotika-Resistenz beim Menschen unterschiedliche Ursachen haben kann - sei es eine natürliche Resistenz oder eine erworbene Resistenz. Ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion und der Antibiotika-Resistenz bei Menschen lässt sich aber nicht leugnen. Seit Jahren ist hinlänglich bekannt, dass der verantwortungslose Antibiotikaeinsatz in der Tiermast verheerende Folgen für uns Menschen haben kann. Resistenzen führen dazu, dass Patienten auf die Vergabe von Antibiotika nicht mehr ansprechen und der Genesungsprozess gefährdet wird.
Wie bereits gesagt, das Problem ist seit Jahren bekannt. Zuletzt wurde die Diskussion neu entfacht, nachdem eine Studie zum Medikamenteneinsatz in der Hähnchenmast in Nordrhein-Westfalen ergeben hat, dass über 96 % der Tiere mit Antibiotika behandelt wurden. Antibiotika als Mastbeschleuniger bei Hähnchen ist leider die traurige Realität - auch wenn der Einsatz als Leistungsförderer EU-weit verboten ist. Zuletzt kritisierte EU-Verbraucherkommissar Dalli auf der Grünen Woche in Berlin diese Praxis. Er stellte klar, dass neue Wege gefunden werden müssen.
Die Frage aber bleibt, wenn es Regelungen hinsichtlich Futtermittelzusatzstoffen gibt, warum hält sich keiner dran, beziehungsweise warum wird nicht schärfer kontrolliert?
Es geht nicht darum, den Einsatz von Antibiotika gänzlich zu verbieten. Erkrankte Tiere sollen weiterhin behandelt werden. Aber eine präventive Verabreichung von Antibiotika darf nicht sein. Daher müssen die Betreibe stärker als bisher kontrolliert werden.
Die Aussage von Herrn Sonnleitner, dass Eingriffe am Tier nach Möglichkeiten ganz unterbleiben sollen, wird von uns voll unterstützt. Seine Einschränkung, dass dies nicht von heute auf morgen gehe, teilen wir jedoch nicht.
Wir brauchen endlich restriktive Regelungen, die keinen Spielraum mehr zulassen. Und wir brauchen Kontroll- und Überwachungssysteme die mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet sind. Es geht jetzt darum, die von Frau Aigner eingeleiteten Schritte in die Tat umzusetzen. Es darf jedoch keine Schlupflöcher geben, die den Einsatz von Antibiotika durch die kalte Küche zulassen. Darüber hinaus geht es auch um den Einsatz von Medikamenten, Hormonen oder Psychopharmaka bei Tieren. Auch hier muss es klare Regelungen geben. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Es geht in dieser Diskussion vor allem um Verbraucherschutz und es geht darum, dass der Verbraucher Anspruch auf sichere Lebensmittel hat. Daher muss der Verbraucherschutz in dieser Diskussion stärker in den Vordergrund gerückt werden.
Ich möchte klar stellen, dass es uns nicht darum geht, die Landwirtschaft in Misskredit zu bringen. Es geht um Aufklärung in der Sache und es geht darum Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen, dass solche Verstöße nicht mehr vorkommen. Und es geht darum, die schwarzen Schafe auszusortieren. Dies muss auch im ureigenen Interesse der Landwirtschaft sein. Nur so kommen sie endlich aus den negativen Schlagzeilen heraus. Das müssen die Landwirte stärker als bisher verinnerlichen. Nicht Masse sondern Klasse, muss die Devise sein.

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