Press release · 29.04.2010 Bürgerbeauftragte: Reparaturbetrieb für den Hartz IV-Pfusch

Zur heute vorgestellten Jahresbilanz der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten, Birgit Wille-Handels, erklärt der sozialpolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Flemming Meyer:

"3.487 neue Eingaben, die zweithöchste Gesamtzahl seit der Einrichtung des Amts im Jahr 1988, machen wieder einmal deutlich, wie wichtig die Bürgerbeauftragte für die Menschen in Schleswig-Holstein ist.

Die erschreckendste Erkenntnis ist abermals, dass die Behörden auch nach über sieben Jahren die rot-grüne Hartz-Reform nicht im Griff haben. Die unverändert hohe Zahl von Eingaben vor allem im Bereich der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) zeigt, dass es den betroffenen Menschen oftmals völlig an Orientierung fehlt und dass die Verwaltungen immer noch keine Instrumente für die Bewältigung der viel zu komplexen Regeln haben. Die bisherigen Reformen der Reform haben dies nicht in den Griff bekommen, sondern verunsichern die Hilfesuchenden zunehmend und machen ihnen und den Mitarbeitern der Verwaltung das Leben schwer. Die Zahl derer, die unter der oft mangelhaften Beratung und den undurchschaubaren Bescheiden leiden, wäre ohne die Arbeit der Bürgerbeauftragten ganz sicher viel höher.

Als ob dies nicht schlimm genug wäre, kommt die übergeordnete Zielsetzung der Hartz-Reformen auch immer noch zu kurz. Die Bürgerbeauftragte bestätigt in ihrem Bericht abermals, dass das Verhältnis der Komponenten „Fordern“ und „Fördern“ weiterhin unausgeglichen ist. Der hohe Anteil der Beschwerden in diesem Bereich zeigt, dass der Bundesgesetzgeber nicht nur für Fehlentwicklungen verantwortlich ist, sondern auch nichts unternimmt, um hier effektiv gegenzusteuern.

Wichtige Teile der Hartz-Gesetze sind gesetzgeberischer Murks. Das lässt sich auch nicht dadurch lösen, dass man immer wieder an kleinen Stellschrauben dreht. Dadurch läuft das Sozialwesen nur noch unrunder. Solange die Bundespolitik nicht den Mut findet, diese Gesetze einer grundlegenden Revision zu unterziehen, wird unsere Bürgerbeauftragte Reparaturbetrieb für den sozialpolitischen Pfusch bleiben.“

Weitere Artikel

Speech · Sybilla Nitsch · 07.05.2026 Krieg in Nahost trifft auch Schleswig-Holstein

Zum mündlichen Bericht der Landesregierung über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten erklärt die wirtschafts- und energiepolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Speech · Jette Waldinger-Thiering · 07.05.2026 Neue Lehrkräfte motivieren und nicht allein lassen!

„Warum soll sich jemand für den Schuldienst interessieren, wenn er oder sie nur von frustrierenden und negativen Erfahrungen hört? Ohne ein vernünftiges Mentoren-System gräbt sich das Ministerium das Wasser für die eigene Kampagne ab: nämlich die Schulen für motivierte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger attraktiv zu machen.“

Weiterlesen

Speech · Christian Dirschauer · 07.05.2026 Faire Wettbewerbsbedingungen für gute Arbeit in Schleswig-Holstein

„Ein Tariftreuegesetz sorgt dafür, dass nicht derjenige den Zuschlag bekommt, der am billigsten kalkuliert - sondern derjenige, der gute Arbeit leistet und faire Bedingungen bietet. Das ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Das ist auch eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. Denn gute Arbeit entsteht dort, wo Menschen ordentlich bezahlt werden, wo sie Perspektiven haben und wo Unternehmen langfristig denken können.“

Weiterlesen