Rääde · Jette Waldinger-Thiering · 25.11.2021 Die berufliche Bildung ist das Mittel gegen den Fachkräftemangel

„Was wir brauchen, ist daher eine Unterrichtsversorgung auf dem Level der anderen Schularten, eine Offensive zur Weiterbildung von Lehrkräften und konkrete Fortschritte in der Digitalisierung in der beruflichen Ausbildung.“

Jette Waldinger-Thiering  zu TOP 28 -b Fachkräfte sichern – Moratorium für die Berufliche Bildung (Drs. 19/3412)

Die berufliche Bildung in Schleswig-Holstein ist vielseitig. Wir haben hier eine Bildungslandschaft, die aus Kombinationen zwischen Praxis und Schule besteht und direkt berufsbezogene Inhalte vermittelt. 
Für mich stechen da vier Säulen immer besonders heraus. Allem voran natürlich erst einmal die Schulen. 

Wir haben die dualen Berufsausbildungssysteme mit berufsbildenden Schulen, die sich weiter in Berufsschulen, Berufsfachschulen, berufliche Gymnasien, Fachoberschulen, Berufsoberschulen oder Fachschulen untergliedern lassen und wiederum verschiedene Fachrichtungen und Abschlüsse umfassen. 

Dann als eine Einrichtung, die noch einen frischen Anstrich hat, die Jugendberufsagenturen. 
Sinn und Zweck der Jugendsberufsagenturen als Schnittstelle zwischen Arbeitsagenturen, Jobcentern, Jugendämtern und Schulen ist es, junge Menschen zu beraten und sie darin zu unterstützen, vor Ort einen Weg für sich zu wählen, der zu ihnen passt und sie in ihrer Entwicklung unterstützt. 

Nicht viel älter ist das Landesseminar für berufliche Bildung, das als Abteilung am IQSH eingerichtet wurde, damit auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen die Besonderheiten der beruflichen Bildung berücksichtigt werden. 

Und schließlich das Schleswig-Holsteinische Institut für Berufliche Bildung, SHIBB, das laut Jamaika in mehreren Ministerien verankert sein soll und doch eher wie ein Schiff ohne Steuer hin und her getrieben wird. Und das, obwohl doch gerade die Steuerung der Beruflichen Bildung ureigene Aufgabe des SHIBB sein sollte. Aber nun möchte ich natürlich gerne beim Thema des Tagesordnungspunktes bleiben. 

All diese Säulen sollen unseren jungen Menschen eigentlich eine Struktur bieten, die ihnen in Schleswig-Holstein eine geregelte Ausbildung und berufliche Perspektiven sichern. Und damit bereiten sie nicht weniger als den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. 

Und doch gebe ich der SPD recht, wenn sie sich um die Zukunft unserer beruflichen Bildung sorgt. Wie wir beispielsweise dem Bericht zur Unterrichtsversorgung entnehmen konnten, den wir im Laufe dieser Plenartagung noch diskutieren werden, sinken die Schülerzahlen an den beruflichen Schulen. Und das kann natürlich Auswirkungen auf die Schulentwicklungsplanung und Personalzuweisungsverfahren haben. 
Nach den zurückliegenden Jahren im Bildungssystem unter Einfluss der Pandemie bitte auch ich darum, in zukünftigen Verfahren keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und keinen Stellenabbau an den beruflichen Schulen in Erwägung zu ziehen. Die Absicherung der Grundversorgung der Beruflichen Schulen wird die Aufgabe der nächsten Landesregierung sein. Aber bis da hin sollten keine bestehenden Strukturen geschwächt werden. 

Im Gegenteil. Uns muss es darum gehen, die berufliche Bildung wirklich nach vorne zu bringen. Aus Sicht des SSW ist die berufliche Bildung der Schlüssel, den wir in der Hand haben, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Denn, das muss man auch immer im Kopf behalten, es geht hier zum einen um den Lebensweg von jungen Menschen, zum Anderen aber auch um den Fortbestand der Betriebe in unserem Land. 
Was wir brauchen, ist daher eine Unterrichtsversorgung auf dem Level der anderen Schularten, eine Offensive zur Weiterbildung von Lehrkräften und konkrete Fortschritte in der Digitalisierung in der beruflichen Ausbildung. 
Ich spreche also von einer breit aufgestellten und wertschätzenden Agenda für die berufliche Bildung. Dieses Potential im Land kann aus Sicht des SSW noch deutlich besser genutzt werden, auch mit Blick auf Verbindungen zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Aber das wird eine Aufgabe für die nächste Landesregierung sein. 

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