Speech · 28.05.2008 Flexible Eingangsphase der Grundschule


Das neue Schulgesetz sieht vor, dass die Schüler der ersten und zweiten Klassen künftig zusammen unterrichtet werden – komplett oder für einen Teil der Wochenstunden. Mit diesem jahrgangsübergreifenden Unterricht soll eine bessere individuelle Förderung ermöglicht werden. Hochbegabte Kinder können mit anderen Worten die Eingangsphase in einem Jahr durchlaufen und dann gleich in die dritte Klasse übergehen, während schwächer Begabte sich für die Eingangsphase drei Jahre Zeit lassen können. Je nach individuellen Fähigkeiten werden Kinder die Grundschule künftig ohne Sitzenbleiben und Überspringen in drei, vier oder fünf Jahren durchlaufen. Die Grundschulen haben jetzt drei Jahre Zeit, eigene Konzepte für diesen jahrgangsübergreifenden Unterricht zu erarbeiten. So sieht meines Wissens die Sachlage aus, die auf einem gemeinsamen Beschluss von CDU und SPD beruht, füge ich hinzu. Wer nämlich die aktuellen Diskussionen innerhalb der Großen Koalition verfolgt, sollte meinen, dass die Kollegin Herold zum Beispiel bei der Erarbeitung dieses Beschlusses nicht dabei war.

Dennoch steht fest, dass wir es mit einer schwierigen Situation zu tun haben, denn einige Schulträger zeigen sich nur unzureichend auf die neuen Anforderungen vorbereitet. Letzten Monat haben somit über 250 Lehrerinnen und Lehrer in Neumünster Alarm geschlagen, weil an einigen Schulen die einfachsten Voraussetzungen für die Einführung eines jahrgangsübergreifenden Unterrichts fehlten: die Klassenräume seien zu klein für Kleingruppenunterricht, die Schülerzahl zu hoch und die Fortbildung der Lehrkräfte stünde noch aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist weiterhin besorgt darüber, dass vor allem bei der Qualifizierung noch Vieles im Argen läge.

Auch aus Sicht des SSW gilt, dass die neuen Unterrichtsformen nur funktionieren können, wenn die fachliche Fortbildung gewährleistet ist und die personelle Ausstattung ausreicht, um zumindest stundenweise einen Doppelunterricht zu gewährleisten. Wenn entsprechende Mittel fehlen, verkommen die hehren Ziele zur Phrase.

Hinzu kommt, dass es offensichtlich Missverständnisse zwischen dem Ministerium und den Schulen gibt, die nur durch eine bessere Kommunikation zu lösen sind.
Unklar scheint auch zu sein, wie in den einzelnen Kreisen mit der Einführung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts verfahren wird. Im Kreis Schleswig-Flensburg wurden laut Presseberichten die Mittel für die Weiterentwicklung der flexiblen Eingangsphase gestrichen. Die Begründung scheint zu sein, dass Geld für die neuen Gemeinschafts- und Regionalschulen fehle, so dass andere schulpolitische Maßnahmen zur Deckung herangezogen werden müssen. Dazu gehören unter anderem die Mehraufwendungen im Rahmen der flexiblen Eingangsphase.

So könnte diesem ambitionierten Schulprojekt also hinterrücks der Garaus gemacht wird. Denn die Einführung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts in der Grundschule ist, wenn man es denn ernst meint, mehr als nur das Austauschen von Schildern an den Klassen, sondern eine neue Form des Unterrichts. Die neue flexible Eingangsphase soll geöffneten Unterricht anbieten, altersübergreifend arbeiten und zusätzlich zu den Lerninhalten die Sozialerziehung vermitteln. Das erkennt jeder Laie, dass das aus Bordmitteln nicht zu schaffen ist.

Weitere Artikel

Press release · Sybilla Nitsch · 05.11.2026 Bahnverbindung nach Dänemark: Madsen ohne Züge und ohne Plan

Die Landesregierung hat keine geeigneten Ersatzzüge für die Verbindung zwischen Flensburg und Dänemark und rechnet mit einer weiteren Verlängerung des Busverkehrs. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SSW-Landtagsfraktion hervor. Hierzu erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Press release · Sybilla Nitsch · 02.11.2026 LNG-Terminal Brunsbüttel droht zum nächsten Millionengrab zu werden

Eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) kommt zu dem Ergebnis, dass synthetisches Methan als Ersatz für fossiles Flüssigerdgas zu ineffizient und zu teuer ist. Damit wachsen auch die Zweifel an der Zukunftsperspektive des LNG-Terminals in Brunsbüttel. Dazu erklärt die wirtschafts- und energiepolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Press release · Christian Dirschauer · 02.11.2026 Gesunde Ernährung darf keine Frage des Geldbeutels sein

Vor den Tafeln stehen die Menschen Schlange. Doch wie viele Menschen in Schleswig-Holstein tatsächlich von Ernährungsarmut betroffen sind, weiß niemand genau. Dabei reicht das Problem weit über diejenigen hinaus, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Der SSW fordert deshalb mit einem Landtagsantrag ein landesweites Handlungskonzept gegen Ernährungsarmut. Dazu erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen