Speech · 14.09.2011 Gender Budgeting

Mag sein, dass es sich ein wenig kleinlich anhört, es hätte aber dem Antrag der Kolleginnen und Kollegen der Linken gut zu Gesicht gestanden, wenn er ansatzweise deutlich machen würde, dass wir bei dem Thema Gender Budgeting in Schleswig-Holstein nicht bei null anfangen. Fakt ist, dass sich der Landesfrauenrat, die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, Arbeitsgruppen von Parteien – zumindest nehme ich dies für die drei Fraktionen in Anspruch, die hierzu einen gemeinsamen Antrag vorlegen – ernsthaft damit befassen. Hinzu kommt, dass sich die Mitgliedstaaten der EU bis 2015 die Einführung von Gender Budgeting zum Ziel gesetzt haben. Gender Budgeting – und Gender Mainstreaming, füge ich hinzu – bedeuten eine Professionalisierung der Gelichstellungspolitik und der Gelichstellungsarbeit auf allen Ebenen der Gesellschaft. Auf kommunaler Ebene bedeutet somit die Umstellung der kommunalen Haushalte von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung, dass ein Schnitt gemacht werden muss, der dafür genutzt werden sollte, geschlechterspezifische Gesichtspunkte zu verdeutlichen.

Der Grund für die Unterstützung des Gender Budgeting liegt – wie das übrigens häufig der Fall ist bei Fragen der Gleichstellung – darin, dass die Offenlegung von Zielen und Wirkungen der Haushaltsführung der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt. Sind nämlich Ziele und Wirkungen der Haushaltstitel transparent und nachvollziehbar, können auch deren Evaluation und eine eventuell nötige Korrektur unproblematisch erfolgen. Nach Ende des Haushaltsjahres kann auf einfache Weise der Wirkungsgrad jeder Maßnahme beurteilt werden kann; der Maßstab liegt ja bereits vor.
Also, eben keine Wirtschaftsförderung nach dem Gießkannenprinzip oder nach dem Prinzip Blindflug, sondern nach Wirkungen ausgerichtete Maßnahmen. Das ist es doch, wohin wir auch den Haushalt des Landes Schleswig-Holstein entwickeln wollen. Wir wollen mehr wissen und beurteilen können als Finanzströme, Überschüsse und Verbrauch. Es geht um Aufwand und auch um Verluste, die aus öffentlichen Maßnahmen erwachsenen können. Nehmen wir ein nahe liegendes Beispiel: Werden die Öffnungszeiten der Kitas gekürzt, wissen wir, wie hoch die Kostenersparnis für Land und Kommune sind – die Kosten, die wir damit in den privaten Bereich übertragen, weil die Betreuung privatisiert wird, lassen wir aber außer acht. Das soll das Gender Budgeting in Zukunft ändern.
Ich sage auch noch einmal ausdrücklich, dass ernst gemeintes Gender Budgeting mehr ist als die geschlechtsspezifische Aufgliederung der Nutzer-Statistiken. In Berlin ist der Prozess des Gender Budgeting, der vor einigen Jahren mit großer Euphorie gestartet ist, meines Wissens nach stecken geblieben, weil die Bezirke einfach ihre Statistiken aufgepeppt und es ansonsten bei der gewohnten Haushaltsführung belassen haben. In Österreich dagegen werden wahrscheinlich bereits ab 2012 alle Ministerien mit diesem Instrument arbeiten, weil 2009 die Verfassung geändert wurde, wonach die Haushaltsführung die tatsächliche Gleichstellung von Männern und Frauen anzustreben hat.
Gender Budgeting ist kein exotisches Vorhaben mit Nischencharakter, sondern hat das Zeug– auch im Zuge der Modernisierung der öffentlichen Haushalte – ein alltägliches Instrument für alle zu werden, wenn es denn solide und nachhaltig zur Anwendung kommt.


Weitere Artikel

Press release · Christian Dirschauer · 18.03.2026 Preiswucher an der Zapfsäule stoppen – Mobilität darf kein Luxus werden

Anlässlich der durch den Krieg in Nahost stark gestiegenen Energiepreise in Deutschland fand heute im schleswig-holsteinischen Landtag eine Debatte über Möglichkeiten zur Entlastung der Menschen statt. Der Fraktionsvorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer, spricht sich für eine befristete Senkung der Energiesteuer sowie zeitlich begrenzte Preiserhöhungen an Tankstellen aus.

Weiterlesen

Speech · Dr. Michael Schunck · 18.03.2026 Der Ausbau der erneuerbaren Energien funktioniert nur mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung

Alle Beteiligten sollten versuchen, die strittigen Gemeindeöffnungsklausel-Projekte im Land mit der nun vorgelegten Landesentwicklungsplanung in Einklang zu bringen. Im Sinne des Natur- und Artenschutzes, aber auch für die Menschen im Land, die den erneuerbaren Energien bisher sehr positiv gegenüberstanden und auf deren Wohlwollen wir auch künftig angewiesen sind.

Weiterlesen

Speech · Dr. Michael Schunck · 18.03.2026 Rote Gebiete: Der Gewässerschutz muss klar im Vordergrund stehen!

Mit Abschaffung der Roten Gebiete wären nitratbelastete Flächen nicht weg. Die Forderung der FDP gibt ein falsches Signal. Denn die EU fordert die Ausweisung nitratbelasteter Gebiete, davor können wir nicht die Augen verschließen.

Weiterlesen