Speech · 01.11.1996 Dienstleistungsagenturen

Ich finde es ist gut, daß wir heute die Möglichkeit bekommen, konstruktiv über die verflixten 590-DM-Jobs zu sprechen. Der Landtag hat sich ja schon häufiger mit dem Thema auseinandergesetzt, aber meistens endete es dann je nach Partei wahlweise bei Beschimpfungen oder Schulterzucken in Richtung Bonn. Lippenbekenntnisse zur Abschaf-fung der sozialversicherungsfreien Beschäftigungen sind wirklich genug gemacht worden. Sie haben nichts in der Sache gebracht, und bei den Betroffenen nur zu Frustration geführt, weil in ihren Augen eine Kluft zwischen politischen Reden und politischem Handeln bestand. Daher begrüßen wir die Initiative der CDU ausdrücklich.
Der SSW kann selbstverständlich die Idee der Dienstleistungsagenturen mittragen. Geringfügige Beschäftigungen mögen Arbeitgebern und auch Jobsuchenden kurzfristig attraktiv erscheinen. Aber mittel- und langfristig schaffen sie leider nur neue Probleme. Da gerade auch im Bereich der Haushaltshilfen solche Jobs entstehen, ist es gut, direkt in diesen bisher ungeregelten Teil des Arbeitsmarktes einzugreifen. Es kann ja wohl keinen Zweifel daran geben, daß die Marktkräfte in diesem Fall nicht wissen, wo es lang geht.

Es ist immer leichter, ein Feld zu beackern, auf dem jemand die Vorarbeit geleistet hat, und deshalb ist das Ergebnis von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ausgegorener und fundierter als die Ursprungsinitiative. Der Antrag Drs. 13/317 enthält einige Punkte, die wir für wichtig halten. Er verdeutlicht die Zielrichtung in Bezug auf die sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigungen, und er bringt weitere wichtige Aspekte ein. Begrüßenswert ist zum Beispiel die angestrebte Verpflichtung der Dienstleistungsagenturen zur Berücksich-tigung der besonderen Interessen von Frauen. Ich verstehe es so, daß sie unter anderem Arbeitszeitregelungen wünschen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Das ist unterstützenswert. Allerdings ist das nichts Frauenspezifisches, und ich sehe noch nicht ganz, wie die praktische Umsetzung funktionieren soll. Sie werden kaum potentiellen Nutzerinnen und Nutzern der Dienstleistungen bestimmte Zeiten aufdrängen können.
Nichtsdestotrotz können wir dem Kern des Antrages von SPD und Bündnis 90/Die Grünen beipflichten. Ich werde die getrennte Abstimmung der Punkte beantragen, da wir dem zentralen Punkt 2 des Antrages 14/317 zustimmen wollen. Die Punkte 1 und 3 bein-halten Aussagen, denen wir uns zwar inhaltlich anschließen können, die uns aber zu ober-flächlich und konsequenzenlos erscheinen. Sie müssen so nicht vom Landtag beschlossen werden.
Den Antrag der CDU können wir in der vorliegenden Form nicht unterstützen. Die Forderung nach einer Ausschußanhörung sollte im Sozialausschuß gestellt werden, und die Träger werden auch ohne Auftrag des Landtages gefunden werden müssen.

Weitere Artikel

Press release · Christian Dirschauer · 30.10.2026 Finanznot der Kommunen: Landesregierung darf sich nicht hinter Gerichtsurteil verstecken

Das Landesverfassungsgericht hat heute die Verfassungsbeschwerden von 137 Gemeinden gegen den kommunalen Finanzausgleich für unzulässig erklärt. Zu der Entscheidung erklärt der Vorsitzende und finanzpolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen

Press release · Sybilla Nitsch · 30.10.2026 Steigende Verkehrsemissionen: Schwarz-Grün verspielt jede Glaubwürdigkeit

CDU und Grüne haben den Menschen sinkende CO₂-Emissionen im Verkehr versprochen. Und liefern das Gegenteil: Nach aktueller Prognose wird Schwarz-Grün sein für 2030 gesetztes Klimaziel im Verkehrssektor um rund eine Million Tonnen verfehlen. Hierzu erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Press release · Christian Dirschauer · 30.10.2026 Dirschauer fordert höhere Entlastung für Menschen mit Behinderungen

Menschen mit Behinderungen müssen häufig zusätzliche Kosten im Alltag tragen. Doch die steuerlichen Pauschbeträge, die sie entlasten sollen, wurden seit 2021 nicht mehr erhöht. Der SSW fordert deshalb eine Anhebung um 50 Prozent und eine künftige Anpassung an die Preisentwicklung. Einen entsprechenden Antrag hat die SSW-Landtagsfraktion jetzt eingebracht. Hierzu erklärt der Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer:

Weiterlesen