Pressemitteilung · 07.05.1998 Barschel: Die Nebelkerze leuchtet weiter

Anläßlich der Einstellung des Ermittlungsverfahrens im Todesfall Barschel brachte die Vorsitzende des SSW im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Anke Spoorendonk, ihren Respekt für die beharrliche und ausdauernde Arbeit des leitenden Oberstaatsanwaltes Wille und der Ermittlungsgruppe Genf zum Ausdruck: "Es war richtig, daß die roten Fäden des vorläufigen Berichts aus dem letzten Jahr weiter verfolgt worden sind. Der von der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Lübeck abgegebene Gesamtbericht macht deutlich, daß diejenigen, die hier ermittelnd tätig geworden sind, wohl am stärksten unter der Ohnmacht leiden, die nach erfolgten Verschleierungen und direktem Boykott ihrer Arbeit das Ende der Wegstrecke für sie kennzeichnet. Diese Frustration hängt maßgeblich damit zusammen, daß Ermittlungstätigkeiten im eigentlichen Sinne erst Ende 1994 aufgenommen werden konnten, als ein entsprechender Beschluß des Bundesgerichtshofs erging."

Gerade weil die Ermittlungen in Sachen Waffenhandel, Embargo und Verstrickung von Nachrichtendiensten wie Teilchen eines Puzzles den Mordverdacht erhärten, fällt es schwer, das Ergebnis zu akzeptieren, daß keine eindeutige Antwort möglich ist. Die feststehenden "heimlichen" Aufenthalte Dr. Barschels in der ehemaligen DDR und sein Kuraufenthalt in Piestany werfen viele Fragen auf, die möglicherweise unbeantwortet bleiben werden. Daß man in dieser Sache jedoch nach so langer Zeit nicht weiter kommt - auch das belegt der Bericht. Einen jedenfalls vorläufigen Verzicht auf endgültige Aufklärung wird die Öffentlichkeit zu akzeptieren haben.

"Für mich macht der Bericht jedenfalls deutlich, daß mein Vorgänger, Karl Otto Meyer, offensichtlich auf der richtigen Fährte war, als er vermutete, daß die ganze Pfeiffer-Affäre vielleicht nur als eine Nebelkerze benutzt wurde, um etwas anderes zu vertuschen," so Spoorendonk.

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