Rede · Flemming Meyer · 11.10.2007 10 Jahre Krebsregister Schleswig-Holstein


Vor zehn Jahren, als das Krebsregister seine Arbeit aufnahm, sollten das Auftreten der unterschiedlichen Krebsarten erfasst und dokumentiert werden. Das ist nach einer erstaunlich kurzen Eingangsphase gut gelungen. Die Arbeit des Krebsregisters in Schleswig-Holstein erfährt eine hohe Akzeptanz bei Patienten, Behörden und auch den Ärzten. Alle verlassen sich darauf, dass mit den sensiblen Daten sorgfältig umgegangen wird, was durch den Landesdatenschutzbeauftragten auch bestätigt wurde. Die Organisatoren des Registers gehen mit Bedacht vor, so dass bisher alles reibungslos vonstatten ging.

Dabei hat sicherlich die Trennung von Register und Vertrauensstelle in erheblichem Maße dazu beigetragen, dass die Ärzte die Registerarbeit unterstützen. Ich war persönlich über die hohe Kooperationsbereitschaft der Patienten überrascht, die sich freiwillig für Studien zur Verfügung stellen. Schließlich denkt man bei einer Krebserkrankung nicht als allererstes daran, seine Daten zur Verfügung zu stellen. Aber genau das passiert bei uns im Land. Ganz offensichtlich ist Krebs in vielen Bereichen eine unheimliche Krankheit, dessen Schicksal die Krebspatienten Anderen ersparen wollen. Sie versuchen mit ihren begrenzten Mitteln, und wenn es die eigene Krankengeschichte ist,  den Ursachen dieser tückischen Krankheit in ihren zahlreichen Erscheinungsformen auf den Grund zu gehen.

Sprichwörtlich ist die Kette aber immer so stark wie ihr schwächstes Glied. Das gilt auch und gerade für Statistiken, deren Aussagewert mit ihrer Reichweite zunimmt. Jahrzehntelang haben medizinische Statistiken beispielsweise Frauen kaum oder gar nicht erfasst. Seitdem das nachgeholt wird, ergeben sich teilweise völlig überraschende Befunde. Das gleiche gilt für die regionale Vergleichbarkeit. Wer belastbare Zahlen nur aus einem oder zwei Bundesländern zur Verfügung hat, kann keine Bundesdurchschnitte errechnen. Ob Schleswig-Holstein ein Ausnahme- oder doch der Regelfall ist, kann das Krebsregister nicht beantworten, so lange vergleichbare Daten aus anderen Ländern fehlen.

Darum ruft der SSW die Landesregierung auf, für eine bundesweite Meldepflicht zu werben. Der Bericht sollte den anderen Landtagen zugeleitet werden, damit dort entsprechende Initiativen entsprechenden Rückenwind erfahren. Wenn in allen Bundesländern die Krebserkrankungen genau so erfasst werden, wie das bei uns der Fall ist, können wir damit eine wichtige Datenlücke schließen. Vorbehalte, vor allem der Ärzte, konnten in Schleswig-Holstein ausgeräumt werden. Das ist ein Beispiel für andere Bundesländer.

Ich fordere eine bundesweite Meldepflicht bei Krebserkrankungen ausdrücklich auch als energiepolitischer Sprecher, der flächendeckende Statistiken zum Auftreten von Krebserkrankungen aus der Umgebung deutscher Kernkraftwerke in seiner täglichen Arbeit schmerzlich vermisst.

Wenn nicht nur Schleswig-Holstein, sondern auch dessen unmittelbare Nachbarn Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gleiche Datengrundlagen haben, nimmt die Güte der Zahlen zu. Man muss dann nicht mehr im Nebel stochern. Ich weiß nicht, was bei diesem Vergleich herauskommen wird, aber ich denke, dass Sie alle so gespannt sind wie ich und wir alle froh wären, wenn wir auch die Leukämiefälle in der Elbmarsch auf einer noch besseren Grundlage beraten könnten. Das Schleswig-Holsteinische Beispiel zeigt, dass das Krebsregister ein Erfolg ist.

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