Rede · Flemming Meyer · 20.06.2003 Agrarreport und Verbraucherverhalten

Nachdem die CDU mit ihrer Pressemitteilung zum Agrarreport eindrucksvoll bewiesen hat, wie man wirtschaftlich und sparsam arbeitet, indem man die Pressemitteilung vom Vorjahr wiederverwertet, war ich eingangs verleitet, heute auch meinen Redebeitrag vom letzten Jahr zu halten - mit kleinen Anpassungen natürlich. Aber so leicht wollte ich es mir nun doch nicht machen, denn der Agrarreport von diesem Jahr unterscheidet sich ja doch vom letztjährigen.
Der Agrarreport des letzten Jahres zeichnete sich durch Spitzenerträge und Rekordgewinne aus. Die Daten und Fakten des Wirtschaftsjahres 2001 / 2002 spiegeln diesmal aber andere Zahlen wider. Der Agrarreport lässt uns erkennen, dass Landwirtschaft auch heute nicht nur am Computer und im Büro stattfindet, sondern draußen auf den Feldern und Äckern. Und wer sich an die Witterungsbedingungen des letzten Jahres erinnert, kann sich sicherlich vorstellen, dass vielen Landwirten regelrecht die Ernte davon geschwommen ist.
Der Agrarbericht macht deutlich, dass es in fast allen landwirtschaftlichen Bereichen erhebliche Gewinnrückgänge - von 13,9 % bei Milchviehbetrieben bis hin zu 34,5% bei Veredlungsbetrieben - gegeben hat. Und dies ist vor allem in den gesunkenen Erlösen für Milch, Schweine- und Rindfleisch begründet. Insgesamt ist das Einkommen in der Landwirtschaft um 16 % gegenüber dem vorherigen Spitzenjahr gesunken.
Natürlich ist uns klar, selbst wenn unsere Landwirtschaft im Verhältnis zu anderen Bundesländern gut da steht, dass diese Gewinnrückgänge ein erheblicher Schlag für ein Agrarland wie Schleswig-Holstein sind. Gerade wenn man bedenkt, welche wirtschaftliche Rolle die Land- und Ernährungswirtschaft in unserem Land spielt.

Doch nichts desto trotz, müssen wir sehen, dass unsere Landwirtschaft für die Zukunft durchaus gerüstet ist. Unsere Landwirte produzieren auf qualitativ hohem Niveau, und deshalb brauchen wir den Vergleich mit anderen Ländern - dies gilt insbesondere für die EU-Beitrittsländer, mit denen wir uns künftig messen müssen - nicht zu scheuen.
Diese Herausforderung - auch resultierend aus den BSE- und MKS-Skandalen der vorherigen Jahre - haben die Landesregierung und die Landwirtschaftskammer erkannt und Maßnahmen ergriffen. Mit seinen Qualitätstoren hat Schleswig-Holstein bereits einen Weg zu mehr Qualität und Sicherheit in der Land- und Ernährungswirtschaft eingeschlagen, der sich auch künftig auszahlen wird, auch wenn der SSW hier ein bundesweites Prüf- und Gütezeichen für vorteilhafter erachtet.

Die Irrungen und Wirrungen der europäischen Agrarpolitik stellen aber nach wie vor die größte Herausforderung für unsere Landwirtschaft dar. Wir wissen, dass zur Zeit die EU-Agrarreformpläne heftig debattiert werden. Nicht zu unrecht, denn die Weichen die gestellt werden, lassen auch unsere Landwirtschaft in eine neue Richtung laufen, die nach Auffassung des SSW nicht falsch sind. So haben wir seinerzeit die Fischler-Vorschläge begrüßt, denn eine produktionsunabhängige und betriebsbezogene Einheitszahlung – Stichwort Entkoppelung – gibt unseren Landwirten die Chance sich am Markt zu orientieren und positionieren. Hier können sie dann mit Qualität zu überzeugen. Aber auch die Verpflichtung der Landwirtschaft hin zu mehr Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen, sowie die Stärkung des ländlichen Raumes sind weitere grundlegende Ziele der Agrarreform, denen wir positiv entgegensehen.
Doch wie viel letztendlich noch von den Fischler-Vorschlägen übrig bleibt, ist noch dahingestellt, nachdem die Minister sich am 12. Juni nicht über eine Agrarreform einigen konnten.

Abschließend möchte ich noch auf den ökologischen Landbau eingehen, der hier bei uns in Schleswig-Holstein immer noch eine verhältnismäßige kleine Rolle spielt. Doch der Agrarbericht macht deutlich, dass der ökologische Landbau im Vergleich zum Vorjahr mit 14,7 % angewachsen ist. Damit liegen wir zwar immer noch unter dem Bundesdurchschnitt, aber gerade das rechtfertigt, dass wir derart wachsende Betriebsformen fördern. Denn wer in diesem Land, kann sonst eine derartige Anwachsrate verzeichnen?
Wichtig ist und bleibt für uns aber, dass hier kein Keil zwischen konventioneller Landwirtschaft und dem ökologischen Landbau getrieben wird. Wir können in Deutschland nur Qualität produzieren. Wenn wir uns darauf einlassen, auf Niedrigkosten- und Niedriglohnniveau zu konkurrieren, haben wir schon verloren. Deswegen ist der Weg des Landes Schleswig-Holstein der richtige.

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