Rede · Jette Waldinger-Thiering · 27.04.2018 Anhebung auf A 13 so schnell wie möglich ohne Ausnahmen

Jette Waldinger-Thiering TOP 34 - Mehr Wertschätzung für unsere Grundschulen

„Mehr Wertschätzung für Grundschullehrkräfte (mit Jamaika aber erst in 8 Jahren)“

Die Besoldung von Grundschullehrkräften hat uns hier schon oft beschäftigt. Genau wie die insgesamt zu geringe Wertschätzung für diese wichtige Berufsgruppe. Doch dafür, dass diese Themen immer wieder aufkommen, gibt es gute Gründe: Bekanntlich ist es der Landespolitik bis heute nicht gelungen, die über 7000 Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen in Besoldungsfragen mit den übrigen Lehrkräften gleichzustellen. Auch der Küstenkoalition nicht. Und unterm Strich ist damit eine zentrale Gerechtigkeitsfrage noch immer ungeklärt.

Diese Tatsache ist aus Sicht des SSW wirklich bedauerlich. Denn nach unserer Einschätzung hat das Land in den vergangenen Jahren durchaus die nötigen finanziellen Spielräume gewonnen. Natürlich sehen auch wir das Problem, dass dieser Schritt in Zeiten von Schuldenbremse und Konsolidierungshilfe schwierig ist. Längst haben sich aber auch andere, ärmere Bundesländer auf den Weg gemacht, diese Gerechtigkeitslücke zu schließen. Und Steuereinnahmen und Steuerschätzungen weisen immer wieder auf eine unverändert positive Finanzlage hin. Für mich ist die Frage, ob man Grundschullehrkräfte besser stellen will oder nicht, damit schon länger zu einer Frage der Prioritätensetzung geworden. 

Ich möchte hier nicht missverstanden werden. Natürlich ist es gut, wenn Jamaika nach fast einem Jahr Regierungszeit einen Plan hat, wie die Besoldungsfrage gelöst werden soll. Der SSW begrüßt es grundsätzlich sehr, wenn es hier Bewegung gibt. Vor allem die Tatsache, dass die Arbeit im Grundschulbereich damit endlich als gleichwertig anerkannt wird, ist uns wichtig. Aber ob man sich nun noch für dieses Vorhaben feiern lassen muss, bezweifle ich. Denn das, was Jamaika plant, ist dafür dann doch etwas zu unambitioniert. Natürlich wird diese Reform am Ende einige Millionen Euro kosten. Aber es ist wirklich schwer zu vermitteln, dass sich manche Lehrkraft noch 8 Jahre lang gedulden soll, bis sie dann auch tatsächlich den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit bekommt. 

Viele Experten weisen in diesem Zusammenhang aber noch auf einen ganz anderen Punkt hin: Die viel zu lange Übergangsphase bis zur vollständigen Umstellung auf A 13 ist nämlich auch strategisch äußerst unklug. Hier wird eine große Chance vertan, den Beruf der Grundschulehrkraft schnellstmöglich attraktiver zu gestalten. Dabei müssen wir dringend junge Leute für genau diesen Bereich gewinnen. Denn schon heute zeichnet sich ein Lehrkräftemangel an den Grundschulen ab. Fakt ist, dass Berlin, Brandenburg und Sachsen, schon ab dem kommenden Jahr A 13 zahlen. Mit der Entscheidung, hier zumindest Teile der Lehrerschaft noch Jahre warten zu lassen, schafft sich unser Land einen enormen Wettbewerbsnachteil. Auch das ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. 

Noch einmal: Der SSW begrüßt es ausdrücklich, dass sich die Jamaika-Koalition in dieser wichtigen Frage auf den Weg macht. Das war zwar irgendwie zu erwarten, aber wenn ich mich recht erinnere, waren wir die einzigen, die zur Landtagswahl ganz konkret A 13 als Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte gefordert haben. Aber wir freuen uns, dass man jetzt neben der Besoldung auch die Arbeitsbedingungen verbessern will. Denn auch hierüber lässt sich natürlich die Attraktivität des Berufs steigern. Doch wir sind nun mal der klaren Auffassung, dass die Landesregierung das Tempo bei der Umsetzung deutlich erhöhen kann und auch erhöhen muss. 

Wir brauchen die Anhebung auf A 13 nicht nur so schnell wie möglich, sondern auch ohne Ausnahmen. Dieser Schritt ist wichtig, um vor allem auch im Wettbewerb mit anderen Ländern zu bestehen. Und er ist gerecht und überfällig, weil die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen genauso lang und genauso anspruchsvoll ist, wie für andere Schulformen. Für den SSW steht fest, dass der Einsatz der Lehrerinnen und Lehrer  in diesem Bereich genauso wertvoll ist, wie die Arbeit der Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen. Und das sollten wir als Land auch endlich über die entsprechende Besoldung deutlich machen.

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