Flemming Meyer des SSW im Portraitbild. Rede 08.03.2019, 10:17

Ausbau der regenerativen Energien weiter notwendig

„Es ist an der Politik zu entscheiden wie groß die Schritte sein dürfen, um die Energiewende zu beschreiten. Sie ist technisch möglich, ökologisch notwendig und volkswirtschaftlich sinnvoll.“

Flemming Meyer zu TOP 26 - Mündlicher Bericht zur Energieforschung (Drs. 19/1312)

(Nr. 077-2019) Mit dem Beschluss der Energiewende wurde ein neues Zeitalter für die Energieproduktion und -versorgung eingeläutet. Damit haben wir uns eine energiepolitische Herkulesaufgabe auferlegt, denn mit der Energiewende geht ein kompletter Systemwechsel einher. Wenn wir nur 15 bis 20 Jahre zurück denken, waren die Schlagworte im Energiebereich: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung. Diese Begriffe haben auch heute noch ihre Berechtigung. Der Ausbau der regenerativen Energien bleibt weiter notwendig, um die Energiewende durchzuführen. Das gleiche gilt für Energieeffizienz und –einsparung, denn alles was wir an Energie einsparen muss nicht produziert werden. 
Doch wenn wir uns heute das Spektrum ansehen, über das wir mittlerweile reden, ist es so umfangreich geworden, wie wir es uns seinerzeit kaum vorstellen konnten. Daher wäre es dem Thema angemessen gewesen, wenn wir, anstatt eines mündlichen Berichts, einen schriftlichen Bericht bekommen hätten. Wir wissen zwar, dass sich die Energieforschung hier bei uns im Land in den letzten Jahren extrem ausgedehnt hat, aber es wäre der in der Sache angemessen gewesen, wenn das Parlament hier schriftlich über das informiert worden wäre, was die Landesregierung über weitere norddeutsche Kooperationen zu berichten hätte oder welche Planungen sie bezüglich der Ausgestaltung im Energiesektor hat. 
Oder hat Jamaika nur einen mündlichen Bericht gefordert, weil sie Angst hat, dass die Landesregierung für Mehr kein Futter hat? – Was ich mir aber eigentlich nicht vorstellen kann. Ansonsten würde ich mir Sorgen machen.

Aber Dank der Broschüre der Gesellschaft für Energieforschung und Klimaschutz Schleswig-Holstein, die im letzten Jahr herausgegeben wurde, haben wir einen eindrucksvollen Nachweis über das was in Schleswig-Holstein in der Energieforschung angeboten und geleistet wird. 
In Zahlen bedeutet das: 90 Köpf der Energieforschung mit über 150 Forschungs- und Entwicklungs-Projekten, 15 Kompetenzzentren und Großprojekte sowie 29 Studiengänge mit Energiebezug. Darin haben wir eine Übersicht der Energie-Forschungsangebote in Schleswig-Holstein und es geht deutlich daraus hervor, wie sich der Forschungssektor verändert hat. Er ist wesentlich komplexer geworden, weil kaum ein Thema noch isoliert betrachtet wird, weil Energie heute wesentlich mehr ist, als nur die Produktion von Strom. 
Wie lässt sich Strom speichern, wie können wir den Strom umwandeln – Sprich: Power to X oder wie weit sind wir in der Sektorenkopplung. Viele der Technologien stehen schon bereit und werden auch eingesetzt oder erprobt. Aber wir müssen uns ehrlich machen und uns eingestehen, dass wir in weiten Teilen noch am Anfang stehen. Und angesichts des enormen Umfangs im Bereich der Energieforschung, muss uns klar sein, dass hier noch eine Menge für Forschung und Entwicklung getan werden muss. Das muss Schleswig-Holstein aber nicht ausschließlich allein leisten – das können wir gar nicht – hier müssen wir auch andere Partner ins Boot holen. Dabei spielt natürlich Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik eine wesentliche Rolle. Aber wir müssen auch über den Tellerrand hinaus schauen und sehen, wo wir eine Kooperation in Norddeutschland hinbekommen können. 
Gleichwohl denke ich, dass wir in Schleswig-Holstein durchaus gut aufgestellt sind, denn wir haben uns bereits früh für den Ausbau der regenerativen Energien stark gemacht und die Energiewende hier im Land entsprechend zeitig beschritten. Das war politisch nicht immer einfach – ist es teilweise immer noch nicht – aber ich denke, dass wir im Großen und Ganzen auch hier auf einem guten Weg sind. Die Ideen sind da, Konzepte liegen vor und es ist an der Politik zu entscheiden wie groß die Schritte sein dürfen, um die Energiewende zu beschreiten. Sie ist technisch möglich, ökologisch notwendig und volkswirtschaftlich sinnvoll. 

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