Rede · Flemming Meyer · 16.12.2004 Bioenergie: Der Landwirt als Energiewirt

Mit dem Antrag zur Bioenergie wird einmal mehr deutlich, wie sehr sich die Landwirtschaft in einem Prozess des Wandels befindet. Die Landwirtschaft muss sich darauf einstellen, dass sie neben der Produktion von Nahrungsmitteln künftig weitere wirtschaftliche Standbeine bekommen wird. Hierbei wird insbesondere der Bereich der Energiegewinnung eine größere Rolle spielen als bisher.
Auch wenn wir uns in diesem Sektor noch am Anfang befinden, lässt sich doch feststellen, dass bereits viele Landwirte diese Chance erkannt haben und zusätzlich auf die Energieerzeugung aus Biomasse setzen.
Die rechtlichen Voraussetzungen für diesen Wandel gibt es bereits. Die Biomasseverordnung, das EEG und nicht zuletzt die Änderung der landwirtschaftlichen Förderkulisse machen es den Landwirten künftig möglich, sich weitere wirtschaftliche Standbeine zu erschließen. Diese Entwicklung unterstützt auch der SSW, denn wir sind der Auffassung, dass die bisherige Landwirtschaft – mit einer produktionsgebundenen Förderkulisse – am Markt vorbei produziert. Doch damit wird künftig Schluss sein und daher ist es nur folgerichtig, dass unseren Landwirten neue Möglichkeiten angeboten werden. Biomasse bietet insbesondere für ein landwirtschaftlich geprägtes Land wie Schleswig-Holstein eine große Chance, weil wir hier das notwendige Potential haben.

Wer sich näher mit dem Thema energetische Biomassenutzung auseinandersetzt wird feststellen, dass man sich hier auf ein umfangreiches Feld begibt. Dies konnten wir auch dem Bericht des Ministers entnehmen. Das breite Spektrum der Möglichkeiten, von der Strom- und Wärmeerzeugung bis hin zur Gewinnung alternativer Kraftstoffe, macht dies deutlich. Was also notwendig ist, sind innovative Unternehmen, die diese Potentiale abrufen.

Dem Energiebericht der Landesregierung konnten wir bereits entnehmen, dass die energetische Nutzung der Biomasse nur einen Anteil von ca. 1 % am Endenergiebedarf in Schleswig-Holstein darstellt. Ich sagte es bereits, wir stehen hier noch am Anfang. Daher ist es notwendig, dass das Land weiterhin seinen Anteil leistet, um diesen Bereich zu fördern. Daher begrüßen wir ausdrücklich, die Förderinitiative „Biomasse und Energie“ der Landesregierung. Darüber hinaus werden bis 2006 gemeinsam von Land und EU Fördermittel zur Nutzung von Biomasse bereitgestellt. Bislang wurden 21 Biomasse-Energieprojekte mit einem Fördervolumen von 7,6 Millionen Euro gefördert und dadurch wurden Gesamtinvestitionskosten von rund 28 Millionen Euro ausgelöst.
Wir können also feststellen, dass unsere Landwirte und Kommunen mit der Landesregierung durchaus einen kooperativen Partner an ihrer Seite haben. Und das ist gut so.

Wenn wir nun wissen, dass innovative Unternehmen notwendig sind, dann können derartige Projektumsetzung nur funktionieren, wenn dies in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung durchgeführt wird. Hierbei möchte ich auf ein durchaus umfangreiches Projekt in Nordfriesland hinweisen – nämlich die Wiedingharder Energie Gesellschaft – wo ein gesamtes Amt ein Gesamtkonzept erarbeitet hat, das auf energetischer und touristischer Nutzung basiert. Die Idee, die hinter dem Konzept steht ist, die Nutzung rund um erneuerbare Energien und Energieeinsparung für Touristen und Einheimische erlebbar zu machen. So wird ein nachhaltiges Verständnis von Energieerzeugung und Energieverbrauch vermittelt, das zur Nachahmung anspornen soll.
Letztendlich soll mit dem Projekt aber auch eine rechnerisch autarke regenerative Energieversorgung der Wiedingharde erreicht werden. In der Wiedingharde hat man sich das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen als Vorlage genommen. Dort zielt das Projekt darauf ab, die Wärme- und Stromversorgung aus erneuerbaren Energien für das ganze Dorf zu gewährleisten.
Das Projekt der Wiedingharde ist sehr komplex und ich denke, dass die Idee es verdient, dass die Landesregierung das Projekt positiv begleitet. Denn dort soll etwas einmaliges entstehen, was es in dieser Form bisher noch nicht gibt. Und so etwas kann seinen natürlichen Platz eigentlich nur in Schleswig-Holstein haben.

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