Rede · Christian Dirschauer · 24.03.2021 Das Land muss kreative Konzepte im Tourismus unterstützen

„Als lobendes Beispiel möchte ich hier Feinheimisch anführen. Das Konzept beruht auf Nachhaltigkeit und Regionalität und schafft Wertschöpfung in der Region.

Christian Dirschauer zu TOP 10 + 24 - Binnenlandtourismus stärken, Pandemiefolgen abmildern, besonnen wieder starten (Drs. 19/2766 und 19/2857)

 

Vor Corona befand sich der Tourismus in Schleswig-Holstein auf einer echten Erfolgsspur. Über Jahre hinweg war dort ein überdurchschnittlich hohes Wachstum zu verzeichnen. Damit erreichte der Tourismus als Wirtschaftsfaktor eine noch stärkere Bedeutung für unser Land. Dieser Erfolg ist auch in der Tourismusstrategie der Küstenkoalition geschuldet. 
Unsere Zugpferde sind die Destinationen an Nord- und Ostsee. Man ist geneigt zu sagen, dass es dort nahezu von selbst läuft. Im Gegensatz dazu haben wir die Herausforderung den Tourismus im Binnenland weiter voran zu bringen. Eine Studie von Akteuren des Binnenlandtourismus und vom Land kam 2019 zu dem Ergebnis, dass durchaus touristisches Potential im Binnenland vorhanden ist. Um dieses Potential zu heben und um die Wertschöpfung im Binnenland zu erhöhen bedarf es eines gemeinsamen strategischen Vorgehens. Fußend auf einer Entwicklungspartnerschaft von Land sowie den Tourismusorganisationen und Gemeinden des Binnenlandtourismus gilt es, das Tourismusangebot im Binnenland zu verbessern. Raus aus der Kleinteiligkeit der Anbieterstruktur und Verbesserung sowie Ausbau der Beherbergungsangebote. Kurz gesprochen sind das die Aufgaben, auf die in der Studie verwiesen wird und vor denen die Beteiligten stehen. Das heißt, das Problem ist erkannt.
Durch den faktischen Lockdown im letzten Jahr, wurde auch die Tourismuswirtschaft bei uns im Land unterschiedlich hart getroffen. Das gilt insbesondere für die Regionen im Land, die von vorherein nicht ganz so stark dastehen – sprich der Binnenland-Tourismus.
Das Binnenland hat seine Reize und Vorzüge. Insbesondere für den sanften Tourismus, wie beispielsweise den Fahrrad- oder Wassertourismus, bietet das Binnenland hervorragende Voraussetzungen. Wenn die Fahrradwege oder Wasserstraßen die Lebensadern sind, die die verschiedenen Standorte miteinander verknüpfen, dann sind die Landgasthöfe und Gaststätten ihre Herzkammern. Doch genau diese Herzkammern stehen vor dem Infarkt. Soll heißen, bereits vor Corona und dem Lockdown hatten die Landgasthöfe Existenzprobleme. Die Gründe für das Sterben der Landgasthöfe sind vielfältig. Laut DEHOGA hat sich das Freizeit- und Essverhalten der Leute dahingehend verändert, dass eben nicht mehr im Gasthof gegessen wird. Aber Landgasthöfe erfahren auch eine Konkurrenz durch Dorfgemeinschaftshäuser. Zudem wird auch auf den Fachkräftemangel hingewiesen. Unterm Strich stünden Aufwand und Ertrag in einem ungünstigen Verhältnis. 
Das sind grundlegende Probleme der Landgasthöfe und Gaststätten, die es bereits vor Corona und dem Lockdown gab. Umso wichtiger ist, dass das Gaststättengewerbe neuen Aufschwung erhält. In der Forderung der SPD, ein Förderprogramm für Landgasthöfe aufzulegen, wäre durchaus ein erster Schritt den wir auch unterstützen. 
Eine Evaluierung und gegebenenfalls Neuausrichtung der Studie zu den Entwicklungspotentialen und Handlungsempfehlungen des Binnenlandtourismus unter Berücksichtigung der Pandemiebedingungen sollte unseres Erachtens eine Selbstverständlichkeit sein. Ein Update hierzu im Wirtschaftsausschuss halten wir für sinnvoll. 
Die wirtschaftlichen Sorgen in der Branche sind groß. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Landgasthöfe zu verlieren, denn damit würden uns die Anlaufstellen für den Tourismus verloren gehen. Wir sollten mehr als nur bestrebt sein, unsere Landgasthöfe am Leben zu halten. Das Land kann hier gewiss unterstützend helfen. Aber es bedarf auch einer Eigeninitiative und Kreativität von Seiten des Gaststättengewerbes. Als lobendes Beispiel möchte ich hier Feinheimisch anführen. Das Konzept beruht auf Nachhaltigkeit und Regionalität und schafft Wertschöpfung in der Region. So gibt es mit Sicherheit auch andere kreative Konzepte, die sich erfolgreich umsetzen ließen. Aber das muss dann auch aus dem Gaststättengewerbe heraus erwachsen. 

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