Rede · Jette Waldinger-Thiering · 23.01.2019 Der Bildungsbonus kann helfen, allen Kindern gleiche Chancen zu sichern

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 36 - Schulen mit besonderen Herausforderungen mit Bildungsbonus stärken (Drs. 19/208 und 19/1060)

(Nr. 010-2019) Für den SSW kann ich natürlich unverändert sagen, dass wir voll und ganz hinter der Idee eines Bildungsbonus stehen. Der Ansatz, Schulen mit besonderen Herausforderungen nicht nur bei der Personalausstattung stärker zu unterstützen, ist sinnvoll. Wenn man es richtig macht, kann ein solcher Bonus dabei helfen, allen Kindern ähnlich gute Bildungschancen zu sichern. Mir ist dabei bewusst, dass die Entwicklung und Umsetzung nicht von heute auf morgen möglich ist. Und doch muss der Hinweis erlaubt sein, dass der entsprechende Beschluss des Landtages nun fast eineinhalb Jahre zurückliegt. Mit diesem Bericht mag zwar ein erster Schritt gegangen worden sein. Aber bis heute liegt nichts wirklich Konkretes vor. Deshalb hoffe ich, dass die Landesregierung das Tempo deutlich erhöht.

Tatsache ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer an vielen Standorten händeringend auf Verbesserungen warten. Auch und gerade durch den Bildungsbonus. Vermutlich haben wir alle nicht nur zum Start des Schuljahres viele ungeduldige Anrufe und Mails bekommen. Das zeigt, wie viele Lehrkräfte an der Belastungsgrenze arbeiten. Vor allem diejenigen, die an Schulen in sozialen Brennpunkten unterrichten, verbinden mit dieser Idee große Hoffnung auf Entlastung. Mit dem Beschluss, den Bildungsbonus einführen zu wollen, haben wir also alle miteinander Erwartungen geweckt, die wir endlich auch erfüllen müssen. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht jede Schule von dieser zusätzlichen Förderung profitieren kann. Und natürlich brauchen wir objektive und vergleichbare Kriterien. Die Forschung zeigt, dass Informationen zur sozialen Herkunft und zum Migrationshintergrund der Schülerinnen und Schüler maßgeblich sind. Doch auch die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder die Zahl derer, die Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, ist relevant. Der darauf basierende, schulbezogene Sozialatlas bildet die Grundlage und muss ganz ohne Frage gründlich erarbeitet werden. Aber das Ganze ist auch keine Raketenwissenschaft. Deshalb erwarten wir, dass diese Grundlage wie angekündigt bis zum Frühjahr gelegt ist.

Alle Schulen, die auf Basis des Sozialatlas Anspruch auf einen Bonus haben, können dann im nächsten Schritt Ressourcen beantragen. Aber auch hier darf keine Zeit verschwendet werden. Und dieser Schritt darf auch nicht zu unverhältnismäßigen Belastungen der Lehrkräfte führen. Nach heutigem Stand scheint aber die Sorge, dass die Schulen erstmal sehr zeitraubende Konzepte erarbeiten müssen bevor sie Unterstützung bekommen, nicht ganz unberechtigt. Hier hoffe ich nicht nur auf eine gute Zusammenarbeit mit den Schulträgern und der Schulaufsicht, sondern auch auf eine möglichst unbürokratische Handhabung auf Seiten des Bildungsministeriums.

Bei aller Ungeduld will ich aber auch betonen, dass wir den Bildungsbonus als große Chance sehen. Ich habe die Hoffnung, dass es gelingen wird, die Ressourcen an die Standorte zu geben, die sie am dringendsten brauchen. Sofern dann also genau die Schulen gestärkt werden und genau die Lehrkräfte entlastet werden, die die größten Herausforderungen haben, sind wir vom SSW auch gerne bereit, über eine weitere Erhöhung der Fördermittel nachzudenken. Ich habe zumindest meine Zweifel, ob die Summe von 10 Millionen Euro, die letztlich für Personal, Sach- oder Projektmittel vorgesehen ist, langfristig bedarfsdeckend ist. 

Eins sollten wir bei diesem Thema nie vergessen: Am Ende trägt ein wirklich zielgerichteter Bonus für Schulen mit besonderen Bedarfen dazu bei, dass alle Kinder und Jugendlichen zu ihrem Recht auf gute Bildung kommen. Diese Aufgabe ist hochaktuell. Denn bis heute gelingt es längst nicht immer und überall, soziale Nachteile von Schülerinnen und Schülern auszugleichen. Ein solcher Bildungsbonus ist also kein Luxus, sondern eine schlichte Notwendigkeit.

Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden:
www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html
 

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