Rede · Jette Waldinger-Thiering · 20.06.2019 Deutsch-dänische Geschichte im Grenzland mit Dänisch als Nachbarsprache thematisieren

Zu guter Nachbarschaft gehört, dass man aufeinander zugeht, miteinander spricht und sich versteht!

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 29 - Konzept Nachbarsprache Dänisch in öffentlichen Schulen (Drs. 19/1518)

Oft, wenn wir uns über dänische Sprachförderung oder generell den Unterricht in Dänisch unterhalten, geschieht das mit dem Fokus auf Dänisch als Minderheitensprache. Dazu tragen wir als SSW, als die parlamentarische Vertretung der Minderheit, natürlich maßgeblich bei. 
Dänisch ist aber nicht nur unsere identitätsstiftende Sprache als Minderheit, sondern auch die Nachbarsprache in Schleswig-Holstein. Und zu guter Nachbarschaft gehört, dass man aufeinander zugeht, miteinander spricht und sich versteht. In der Grenzregion ist das selbstverständlicher Teil des Alltags. 
Unser Antrag für ein Konzept einer Nachbarsprache ist nicht als unzufriedene Kritik zu verstehen. Im Gegenteil, vieles von dem, was in Schleswig-Holstein passiert, ist ganz in unserem Sinne und das erkennen wir auch an. 
Die Landesregierung hat zu Beginn ihrer Legislatur zugesagt, den Handlungsplan Sprachenpolitik der letzten Regierung weiterzuführen. Und auch unser Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen wirbt für mehr Unterricht in den Regional- und Minderheitensprachen an den deutschen öffentlichen Schulen. 
Unsere Bildungsministerin hat bei einem deutsch-dänischen Kulturdialog, bei dem natürlich auch Vertreter des SSW anwesend waren, angekündigt an zehn Modellschulen im Landesteil Schleswig den Dänisch-Unterricht auszubauen. 
All das haben wir als Minderheiten- und Regionalpartei erfreut wahrgenommen. Wir fühlen uns auch gut über den Stand der Dinge informiert. Das liegt zum einen daran, dass die Landesregierung in regelmäßigen Abständen im Rahmen des Minderheitenberichts und des Sprachenchartaberichts über die sprachenpolitischen Entwicklungen im Rahmen der Regional- und Minderheitensprachen berichtet und zum anderen daran, dass wir als SSW über unsere alljährlichen Kleinen Anfragen zum Dänisch-Unterricht an öffentlichen Schulen auch die Veränderungen an den Deutschen Schulen mitbekommen. Wir haben hier, so kann man denke ich sagen, ein stabiles, wenn auch leicht rückläufiges Niveau an Schülerzahlen erreicht.  
Mit unserem Antrag wollen wir dazu beitragen, den deutsch-dänischen Kontakt zu unterstützen und auszuweiten. 
Wir wollen weitere Modell-Schulen mit Dänisch-Unterricht im Einzugsbereich der Fehmarn-Belt-Region schaffen. Auf deutscher Seite also um und in Lübeck, Ostholstein und Plön. 
Uns begegnet in Gesprächen ganz oft, dass die Leute zwar wissen, dass es in Schleswig-Holstein nationale Minderheiten und Volksgruppen gibt, aber wie sie entstanden sind und was sie heute ausmacht, das ist nicht ganz so präsent. Insbesondere die deutsch-dänische Geschichte im Grenzland sollte aus unserer Sicht in Verbindung mit Dänisch als Nachbarsprache intensiver thematisiert werden. 
Wir wollen das IQSH darin unterstützen, das Lehrmaterial für den Dänisch-Unterricht zu aktualisieren, eben auch für mehr Klassenstufen, als das jetzt der Fall ist. Der "Leitfaden zu den Fachanforderungen Dänisch - Allgemein bildende Schulen - Sekundarstufe I und II" gilt seit 2016/2017 und ist damit ja relativ aktuell. Dänisch-Unterricht in Schleswig-Holstein setzt in unterschiedlichen Jahrgangsstufen ein und kann sich auf bis zu sieben Lernjahre erstrecken. Unser langfristiges Ziel ist es aber – und das ist der letzte Punkt unseres Antrages, Dänisch-Unterricht von der Grundschule bis zur 13. Klasse an den öffentlichen Schulen anzubieten. 
Im Zuge dessen kann auch der Mehrwert des Erlernens einer Nachbarsprache für die jüngere Generation offensiver vermittelt werden. Das Erlernen des Dänischen befähigt unserer Schülerinnen und Schüler, in Dänemark zu studieren oder sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Der Weg nach ganz Skandinavien steht ihnen damit offen. 
Oder aber, sie qualifizieren sich für den touristischen Bereich, der nicht nur im direkten Grenzgebiet, sondern auch auf beiden Seiten der Fehmarn-Belt-Region von deutsch-dänischem Sprachkontakt geprägt ist. Da ist es nicht nur angebracht, wenn die Angestellten der Touri-Informationen auch mal dänisch sprechen, sondern kann ungemein hilfreich sein, wenn auch Busfahrerinnen, Gastro-Angestellte oder Supermarkt-Kassierer das ein oder andere nette Gespräch auf Dänisch führen können.

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