Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 13.01.2026 Diako wird Malteser: Übernahme mit schlechtem Beigeschmack

Heute wurde bekannt, dass das evangelische Flensburger Diako-Krankenhaus in Kürze vom katholischen Träger Malteser übernommen wird und dieser auch die alleinige Trägerschaft des neuen Fördeklinikums innehaben wird. Dazu erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion und Flensburger Abgeordnete, Christian Dirschauer:

„Dass die Diako finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, war seit Langem bekannt – und damit teilt die Klinik das Schicksal mit vielen anderen im Land. Die Übernahme durch die katholischen Malteser ist ein echter Paukenschlag. Aber diese Lösung ist uns als SSW immer noch lieber, als das Einkaufen eines privaten Trägers, der nur auf Profit aus ist und die Gesundheitsversorgung im nördlichen Landesteil maximal ausschlachtet. Heuschrecken können wir hier nicht gebrauchen“, so Christian Dirschauer.

„Doch die Übernahme hat für uns trotzdem einen schlechten Beigeschmack: Die rein katholische Trägerschaft ist der endgültige Sargnagel für die stationäre Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen in Flensburg. Das ist eine Hiobsbotschaft für den Norden und steht uns als moderne Gesellschaft, die nach Gleichberechtigung von Frauen und Männern strebt, richtig schlecht zu Gesicht.“ Der Sozialpolitiker fordert daher die Landesregierung auf, sich nun umso mehr dafür einzusetzen, ihren Versorgungsauftrag sicherzustellen. Schließlich fördere das Land auch den Bau des neuen Krankenhauses. „Es kann nicht sein, dass betroffene Frauen im nördlichen Landesteil einfach im Regen stehen gelassen werden! Entscheidend ist nun die Verantwortung des Landes. Mit dem 1. März 2026 beginnt ein mehrjähriger Übergangsbetrieb bis zur geplanten Fertigstellung des Fördeklinikums. Für diese Phase gibt es bislang keinen transparenten Versorgungs- und Übergangsplan.“ Die SSW-Fraktion hat das Thema deshalb auch auf die Tagesordnung des nächsten Sozialausschusses setzen lassen.

Dirschauer betont außerdem, dass der Bund endlich die schrillenden Alarmglocken in der Kliniklandschaft erhören muss. Schlagzeilen von Kliniken, denen das Wasser bis zum Hals steht, häufen sich in dramatischer Form. „Es braucht dringend eine Finanzspritze aus Berlin, damit nicht am Ende der Krankenhausstrukturreform gar keine Krankenhäuser zum Strukturieren mehr übrig sind.“

Der Vorsitzende der SSW-Ratsfraktion in Flensburg, Mats Rosenbaum, erklärt:

„Dass die Krankenhausversorgung in Flensburg nun Hals über Kopf bereits ab 1. März komplett in katholische Hände übergeht, ist eine Nachricht, die viele verunsichert. Noch bleibt abzuwarten, ob die Malteser das finanziell angeschlagene Haus besser führen können als es die Diakonie getan hat. Für den SSW ist klar, dass eine etwaige Umstrukturierung des Diako-Krankenhauses nicht zu Lasten der Mitarbeitenden fallen darf. Klar ist ebenfalls, dass die Malteser für die Patientinnen und Patienten schnellstmöglich Klarheit schaffen müssen, wie es mit den laufenden Behandlungen weitergeht. Wir brauchen hier dringend Planungssicherheit. 
Klar ist leider auch, dass die Stadt Flensburg heute nicht nur einen Krankenhausträger verliert, sondern auch ein Stück Selbstbestimmung der Frau. Diese Entwicklung besorgt uns zutiefst.
Als SSW in Flensburg werden wir den Prozess kritisch begleiten und haben den Oberbürgermeister gebeten, dazu im nächsten Hauptausschuss Stellung zu beziehen. 
Aber für uns steht auch fest: Wer jetzt nach Rekommunalisierung schreit, macht es sich zu einfach. Leichte Lösungen für die unterfinanzierte Kliniklandschaft gibt es nicht.“

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