Rede · Lars Harms · 24.09.2021 Die Menschenfeindlichkeit der AfD

„Wenn es um die eigentlichen Werte der christlichen Botschaft gilt, dann ist die AfD raus.“

Lars Harms zu TOP 35 - Schlepperei im Mittelmeer beenden! (Drs. 19/3295) 

Liest man die Überschrift des AfD-Antrages, hätte man meinen können, es geht hier darum, den Schleppern das Handwerk zu legen. 
Doch diejenigen, die arme verzweifelte Menschen in ein Gummiboot setzen und sie dann einer extremen Lebensgefahr aussetzen, kommen gar nicht im Antrag vor. 
Es geht nicht um die kriminellen Machenschaften von internationalen Schlepperbanden, die die Not und das Elend der Menschen ausnutzen und ihnen das letzte Geld abpressen. 
Es geht nicht um die, die Frauen hier in Europa zur Prostitution zwingen, damit sie die Schlepperkosten abarbeiten. 
Es geht nicht um die, die Hierzulande Menschen in Elendsjobs zwingen. 
Wenn Menschen ausgebeutet werden, ist das der AfD egal. 
Wenn die kriminellen Machenschaften von Schlepperbanden bis nach Deutschland reichen, dann ist auch das der AfD egal, weil ja nur Araber, Schwarze oder andere arme Menschen aus anderen Erdteilen ausgebeutet werden. Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe sucht man bei der AfD vergeblich. 
Mit Menschlichkeit hat die AfD nichts am Hut.
Das sieht man auch am Text des Antrages. 
Aktive christliche Nächstenliebe durch die Kirchen soll mithilfe dieses Antrages missbilligt werden. 
Christentum scheint bei der AfD nur zur Abgrenzung zu anderen Religionen brauchbar zu sein. 
Wenn es um die eigentlichen Werte der christlichen Botschaft gilt, dann ist die AfD raus. 
Die christlichen Kirchen und ihre Hilfsorganisationen sind keine Helfer von Schlepperbanden, sondern sie folgen ihrer christlichen Überzeugung und helfen Menschen dort, wo sie Hilfe benötigen. 
Und genau so wünsche ich mir die christlichen Kirchen. 
Und im Gegensatz zur AfD sind wir als SSW den Kirchen zutiefst dankbar, dass sie mithelfen, Leben zu retten.
Das gleiche gilt für die Kommunen, die sich als Sichere Häfen anbieten. 
Es ist immer wieder großartig anzusehen, dass es so viel ehrenamtliches und hauptamtliches Engagement in den Kommunen gibt. 
Und es ist beruhigend zu sehen, dass hier viel getan wird, um die Menschen, die zu uns kommen, bestmöglich zu integrieren.
Wenn es darum geht, den Menschen rund um das Mittelmeer zu helfen, dann gibt es eine Vielzahl an Ansatzmöglichkeiten. 
Zuallererst muss durch Entwicklungshilfe, die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Menschen auch in ihrer Heimat Stabilität und Perspektiven erhalten können. 
Das heißt, wir brauchen auch mehr Geld für Entwicklungshilfe. 
In den Staaten, die Flüchtlinge aufnehmen – wie zum Beispiel Libyen – muss sichergestellt sein, dass die Flüchtlingslager humanitären Standards genügen. 
Da sind wir freundlich formuliert noch weit von entfernt. 
Und auf die Machthaber in Libyen muss auch entsprechend Druck ausgeübt werden. 
Hier erscheint es doch wichtig, dass die Vereinten Nationen sich hier mehr engagieren können. Darüber muss jetzt verhandelt werden, damit die Elendslager in Libyen ein Ende haben.
Im Übrigen möchte ich, was die Vereinten Nationen angeht, lobend erwähnen, dass man sehr schnell in Afghanistan agiert hat und es richtig ist, dass Deutschland den Vereinten Nationen 100 Millionen Euro für die Hungerhilfe in Afghanistan bereitgestellt hat. 
Dieses Geld stützt nicht die Taliban. 
Im Gegenteil, es hilft den Menschen direkt. 
Dies aber nur am Rande.
Der Antrag der AfD ist barer Unsinn. Aber er gibt uns zumindest allen hier die Möglichkeit, uns ganz herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Innenministeriums zu bedanken, die in den letzten Monaten eine harte Arbeit geleistet haben, um Frauen und Kinder aus den Flüchtlingslagern in Ägypten herauszuholen. Ich finde, dass das genau unsere Aufgabe ist, die wir als Land leisten können. 
Und da wird durch die dortigen Mitarbeiter wirklich eine herausragende Arbeit geleistet. Vielen Dank dafür.

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