Rede · Christian Dirschauer · 21.06.2024 Die Studierenden werden im Stich gelassen

„Das, was so vielversprechend mit einer Reform der Ausbildung angefangen hat, wird jetzt nicht zu Ende gebracht. Das bekommen die Studierenden mit voller Wucht zu spüren. Es gibt keine Weiterbildungsplätze. Praxen und Kliniken werden keine entsprechenden Plätze bereitstellen, wenn sie nicht wissen, ob eine Finanzierung steht.“

Christian Dirschauer zu TOP 22 - Psychotherapeutische Weiterbildung endlich ausfinanzieren (Drs. 20/2224)

Den Psychotherapie-Studierenden reicht es: 500 von ihnen haben vor einigen Wochen vor dem Deutschen Bundestag demonstriert, unterstützt von den Universitäten und den Psychotherapeutenkammern. Das heißt, dass sich ungefähr jeder fünfte Studierende auf den Weg nach Berlin gemacht hatte, weil die Planungssicherheit für die Zeit nach dem Studium immer noch nicht in Sicht ist. Das zeigt, wie groß das Problem tatsächlich ist. Die Studierenden fordern die auskömmliche Finanzierung der Weiterbildung. Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz sollte das bringen, hat aber noch nicht geliefert. Da muss schleunigst nachgebessert werden – leider ist aber genau das nicht zu erkennen.

Auch die hiesige Landesregierung kommt über eine Prüfung der landesrechtlichen Regelungen nicht hinaus. Das ist ein Armutszeugnis. Das, was so vielversprechend mit einer Reform der Ausbildung angefangen hat, wird jetzt nicht zu Ende gebracht. Das bekommen die Studierenden mit voller Wucht zu spüren. Es gibt keine Weiterbildungsplätze. Praxen und Kliniken werden keine entsprechenden Plätze bereitstellen, wenn sie nicht wissen, ob eine Finanzierung steht. Damit ist keine Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten möglich. Das hat Konsequenzen. Ohne Qualifikation keine Abrechnung. Es droht ein Riesenproblem. Die psychotherapeutische Versorgung wird damit quasi durch die Hintertür gefährdet. Das ist ein absolutes Unding.

Besonders heftig ist allerdings, dass dieses Problem schon seit Jahren bekannt ist. Die Psychotherapieausbildung wurde bereits zum 1. September 2020 völlig neu geregelt und eine entsprechende Weiterbildungsordnung wurde in diesem Jahr in Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht. Danach hat man aber die Studierenden regelrecht im Stich gelassen, sie vertröstet und dann doch keine richtige Lösung erarbeitet. Schon im letzten Sommer hatten Studierende und Kammern zu einer Petition aufgerufen, um auf die Finanzierungslücke der notwendigen Weiterbildung hinzuweisen. Doch die Regierung hat sich nicht bewegt und keinen Vorschlag erarbeitet. Die Suppe wird gekocht, aber die Teller fehlen.

Wenn der Antrag fordert, Finanzierungskonzepte zu diskutieren, ist das nach meinem Dafürhalten Jahre zu spät. Die Zeit der Diskussionen ist vorbei, denn die ersten Studierenden werden ihr Studium in wenigen Monaten abschließen. Jetzt müssen klare, transparente und belastbare Finanzierungszusagen auf den Tisch – nicht erst nächstes Jahr. Die Zeit der Diskussionen ist vorbei, in diesem Sommer muss die Finanzierung stehen. Das sage ich auch vor dem Hintergrund des Riesenbedarfs an psychotherapeutischer Therapie hier im Land. Die fehlende Finanzierung ist ja nicht nur ein Problem für die Studierenden, sondern für Patientinnen und Patienten. Die Landesregierung muss jetzt handeln.

Weitere Artikel

Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 12.07.2024 Tusind tak, Irene!

Anlässlich der heutigen Verabschiedung der langjährigen Landesvorsitzenden des schleswig-holsteinischen Kinderschutzbundes erklärt der sozialpolitische Sprecher und SSW-Vorsitzende Christian Dirschauer:

Weiterlesen

Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 11.07.2024 Vielen Dank, Samiah El Samadoni

Zum aktuellen Tätigkeitsbericht der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten erklärt der sozialpolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen

Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 25.06.2024 Immer mehr Menschen von Armut bedroht

Der Anteil der Menschen in Schleswig-Holstein, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind, steigt unerbittlich. Mit 16,7 Prozent erreichte die Armutsrisikoquote im vergangenen Jahr eine neue Rekordmarke, wie eine kleine Anfrage des SSW-Abgeordneten Christian Dirschauer zeigt. Der Sozialpolitiker fordert jetzt einen "Masterplan Armutsbekämpfung".

Weiterlesen