Rede · Flemming Meyer · 09.05.2001 Einrichtung von Ganztagsschulen

Mit der geplanten Kindergelderhöhung des Bundes um 30 DM ab 1.1.2002 ist die notwendige Diskussion um eine finanzielle Entlastung der Familien und um bessere Rahmenbedingungen für die Kindererziehung wieder richtig in Gang gekommen. Dass die Bundesrepublik im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn eher schlecht abschneidet, wenn es um eine moderne Familienpolitik geht, ist leider eine Tatsache, die endlich die gebührende Beachtung findet.
In diesem Zusammenhang überbieten sich die ehemaligen Regierungsparteien CDU und FDP mit Vorschlägen für eine familien- und kinderfreundlichere Gesellschaft. Dabei wirft man nur so um sich mit ungedeckten Schecks. Man scheint vergessen zu haben, dass die Probleme nicht neu, sondern seit Jahrzehnten bekannt sind. Es täte der Debatte gut, wenn die ehemaligen Regierungsparteien dieses selbstkritisch anmerken würden. Richtig ist aber, dass wir endlich bessere Rahmenbedingungen für unsere Familien schaffen müssen. - Insbesondere auch, damit Frauen künftig nicht mehr vor die Wahl gestellt werden, sich entweder für eine berufliche Karriere oder für Kinder entscheiden zu müssen.

Vor diesem Hintergrund steht der SSW der Intention des FDP-Antrages für mehr Ganztagschulen in Schleswig-Holstein positiv gegenüber. Laut einer Pressemitteilung der Landesregierung gab es 1999 nur insgesamt 20 Ganztagsschulangebote in Schleswig-Holstein. Seitdem hat sich einiges verbessert, unter anderem auch durch die Initiative für eine „Betreute Grundschule“. Auch die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe soll jetzt verbessert werden. Vom langfristigen Ziel eines flächendeckenden Ausbaus der Ganztagschule, wie es die Landesregierung 1999 formuliert hat, sind wir allerdings noch weit entfernt.
Andere Bundesländer sind da schon weiter. Rheinland-Pfalz will jährlich 100 Mio. DM für die Einrichtung von Ganztagsschulen ausgeben; an ca. 300 Schulen will man ein Ganztagsangebot realisieren. Dabei soll dieses Angebot auf alle Schularten bedarfsgerecht und regional ausgewogen verteilt werden. Das heißt, sowohl Grund-, Haupt- und Realschulen als auch Gymnasien und Gesamtschulen sollen zu Ganztagsschulen ausgebaut werden.

Die Argumente für die Einrichtung von Ganztagsschulen sind vielschichtig und scheinbar je nach eigenem Standpunkt verwendbar: Nicht nur die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollen dadurch erleichtert werden. Es geht auch um ein intensiveres Lernen, denn sowohl leistungsschwächere als auch besonders begabte Schülerinnen und Schüler sollen gezielter unterstützt werden. Weiterhin soll die Integration ausländischer Schülerinnen und Schüler durch die Ganztagsschule erleichtert werden..

Nicht zuletzt soll der Hauptschulbereich – insbesondere Hauptschulen mit schwierigem sozialen Umfeld - durch eine größere Anzahl von Ganztagsschulen gestärkt werden. In diese Richtung zielt auch der FDP-Antrag. Wobei ich davor warnen möchte zu glauben, dass sich die Probleme der Schulart Hauptschule mit der Umwandlung zu Ganztagsschulen einfach in Luft auflösen. Denn das entscheidende Problem bleibt ja, was mit den Kindern geschehen soll, wenn sie den ganzen Tag in der Schule verbringen sollen. Was ist also die Zielsetzung mit der Ganztagschule?

Soll Schule vormittags – wie gehabt – nach herkömmlichem Muster gestrickt werden, während nachmittags die Jugendhilfe „einspringt“, die vielleicht sogar von ganz anderen Werten ausgeht? Wie motiviert man überhaupt die Kinder und Jugendlichen, damit sie so ein Angebot auch annehmen? Wer soll die Kinder betreuen: Die Lehrerinnen oder Lehrer, Sozialpädagogen oder soll etwa ganz anderes - nicht-ausgebildetes – Personal eingestellt werden? Dazu kommt: Was ist mit den bisherigen Initiativen im Bereich der „Betreuten Grundschulen“, und wie soll es mit der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe weitergehen. Es sind also viele Fragen offen. Wir müssen erst einmal definieren, was wir wollen. Für den SSW ist es deshalb wichtig, dass die Landesregierung ein detailliertes Konzept vorlegt, in dem dargelegt wird, wie sie sich den Ausbau der Ganztagschulen inhaltlich und finanziell vorstellt. Aus unserer Sicht kann es nur darum gehen, den Ausbau der Ganztagsschulen in ein Gesamtkonzept der Schulentwicklung in Schleswig-Holstein einzubauen. Für den SSW bleibt es dabei ein vorrangiges Ziel, die Schule als ganzes zu verändern.

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