Rede · 16.05.2002 Entwicklung der Gesamtschulen

Mit dem vorliegenden Bericht über „Entwicklung und Perspektiven der Gesamtschulen in Schleswig-Holstein“ wird erstmals - meines Wissens nach – zusammenfassend dargestellt, was die Gesamtschule in Schleswig-Holstein als Schulart leistet. Dafür gilt es der antragstellenden Fraktion zu danken. Dank auch dem Bildungsministerium für einen lesenswerten Bericht.

Dabei begrüßen wir auch, dass mit einigen Verurteilen aufgeräumt wird. Denn eine Konklusion dieses Berichts könnte lauten, dass die Gesamtschule nicht besser gestellt ist als andere Schularten. Im Gegenteil, wenn man bedenkt, was geleistet wird, dann ist es bemerkenswert, wie viel mit den doch eher begrenzten Ressourcen in gesellschaftlicher Hinsicht erreicht wird.

Was auffällt, ist die Tatsache, dass die Gesamtschule kein flächendeckendes Angebot darstellt. Es gibt sie in den kreisfreien Städten und in erster Linie im südlichen Teil des Landes. Dennoch belegen Zahlen die Attraktivität der Gesamtschule. Auch wenn es lokale Unterschiede gibt, steht fest, dass die Zahl der Anmeldungen in der Regel weiterhin über den Aufnahmemöglichkeiten liegt.

In einer ausführlichen Pressemitteilung haben die Bündnis/Grünen hervor gehoben, dass die Gesamtschule eine Aufsteigerschule ist und zu mehr Chancengleichheit führt. Diese Einschätzung teilt der SSW. Der Bericht belegt, dass Gesamtschulen mittlerweile für den Übergang von Realschülerinnen und -schülern auf das Gymnasium eine besondere Rolle spielen.
Die Erklärung hierfür wird mit geliefert: auf Grund ihrer Stundentafel bieten die meisten Gesamtschulen Kurse in einer neubeginnenden 2. Fremdsprache ab Klasse 11 an. „Solche Kurse“, heißt es weiter „werden an Gymnasien in der Regel aus strukturellen Gründen nicht eingerichtet.“ Diesen Punkt könnte man sehr wohl weiter hinterfragen, denn er zeigt ja, dass es durchaus möglich ist, den Unterricht der gymnasialen Oberstufe so zu strukturieren, dass der Aspekt Chancengerechtigkeit besser berücksichtigt wird. Weiterhin stellt der Bericht fest, dass die Abschlüsse der Gesamtschulen im Durchschnitt nicht anders aussehen als bei den Gymnasien. Auch hier ein Vorurteil, das endlich aus der Welt geschaffen werden kann.

Der Bericht legt eindrucksvoll dar, dass die Gesamtschulen vieles von dem, was jetzt in Zusammenhang mit der Pisa-Studie im Gespräch ist, schon jahrelang vorgelebt haben: So sind 17 der 23 Gesamtschulen in Schleswig-Holstein Ganztagsschulen mit Mittagsverpflegung. Und schleswig-holsteinische Gesamtschulen beteiligen sich sehr aktiv an pädagogischen Schulversuchen und anderen Modellvorhaben. Aus Sicht des SSW ist es an der Zeit, dieses alles einmal lobend zu erwähnen.

Ich hoffe, dass der Schock über die Pisa-Studie und der nun von allen Seiten erkannte Handlungsbedarf auch dazu beiträgt, die Verteufelung der Gesamtschulen zu beenden, die ja in gewissen konservativen Kreisen seit Jahrzehnten gepflegt wurde. Es würde der wichtigen schulpolitischen Debatte für die Zukunft jedenfalls gut zu Gesicht stehen, wenn man sich der Vorzüge dieser Schulart wieder stärker annimmt und einiges davon auch auf andere Schularten übertragen würde.

Das Fazit des SSW ist jedenfalls klar: Die Gesamtschulen in Schleswig-Holstein leisten eine gute Arbeit zum Wohle der Schülerinnen und Schüler hier im Lande.

Weitere Artikel

Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 30.09.2026 Minderheitenberichte: Jetzt ist der Erhalt auch parlamentarisch festgezurrt

Der Innen- und Rechtsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags hat heute den gemeinsamen Änderungsantrag von SSW, CDU und Bündnis 90/Die Grünen zum Erhalt der kommunalen Minderheitenberichte beschlossen. Damit ist die ursprünglich von der Landesregierung geplante Streichung der Berichtspflicht vom Tisch. Hierzu erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen

Pressemitteilung · Sybilla Nitsch · 01.10.2026 Schwarz-Grün muss beim Antidiskriminierungsgesetz deutlich nachbessern

Zur heutigen mündlichen Anhörung im Sozialausschuss zum Koalitionsentwurf für ein Antidiskriminierungsgesetz erklärt die SSW-Abgeordnete Sybilla Nitsch:

Weiterlesen

Pressemitteilung · Christian Dirschauer · 01.10.2026 Christian Dirschauer: Schwarz-Grün zieht bei der Daseinsvorsorge die falsche Grenze

Der Finanzausschuss hat heute Änderungen am kommunalen Haushaltsrecht beschlossen. Dabei übernimmt die schwarz-grüne Koalition die vom SSW geforderte Aufnahme der Schwimmbäder, lehnt Bibliotheken, Frauenhäuser und Tierheime aber weiter ab. Hierzu erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Weiterlesen