Rede · Flemming Meyer · 15.11.2001 Entwicklung der Museen in Schleswig-Holstein

Museen und Museumspolitik stehen normalerweise nicht auf der Bestsellerliste der Landtagsdebatten. Unter der Überschrift „Kulturhoheit des Landes“ werden eher Bildungsthemen diskutiert – Unter­richts­versorgung z. B. – als dass wir uns mit der Problemstellung auseinander setzen, was der Stellen­wert von Kultur in der heutigen Gesellschaft sein sollte, denn Museumspolitik ist Kulturpolitik.

Der Bericht über die Entwicklung der Museumslandschaft in Schleswig-Holstein setzt drei Schwer­punkte; er geht auf Strukturen und Konzepte, auf Besucherverhalten und auf die Frage nach den Konsequenzen der Auflösung des Museumsamtes ein. Mit dem letzten Punkt werde ich mich jetzt nicht weiter befassen, dazu wird es im Ausschuss noch Gelegenheit geben.

Der SSW begrüßt die Entwicklung von Schwerpunktmuseen nach dem sogenannten „Leucht­turm-Prinzip“ – nicht zuletzt, weil dadurch auch das Jüdische Museum in Rendsburg einen neuen Stellenwert bekommt. Wer sich mit der Entwicklung der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft in den letzten zehn Jahren befasst hat, wird wissen, dass es immer wieder Kritik an dem bisherigen Konzept des Museums gegeben hat. Aus unserer Sicht ist es richtig zu sagen, dass es sich bei dem Jüdischen Museum nicht in erster Linie um ein Kunst-, sondern um ein historisches und kulturhistorisches Museum handelt. Aus dem Bericht geht hervor, dass die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für eine derartige Umgestaltung erst noch geschaffen werden müssen, z. B. über die Nachschiebeliste zum Haushaltsentwurf 2002. Hoffentlich ist dies inzwischen passiert, kann ich da nur hinzufügen.

In den letzten Jahren haben sich die Besucherzahlen der schleswig-holsteinischen Museen zunehmend erhöht. Das gilt erfreulicherweise auch für die Landesmuseen auf Schloss Gottorf. Die Besucherzahlen des Wikingermuseums in Haithabu liegen seit Jahren stabil bei ca. 150.000 Besuchern pro Jahr. Wich­tiger als Zahlenspielereien ist es aber aus unserer Sicht, sich mit Entwicklungen im Verhalten der Besu­cher zu befassen. Hierzu stellt der Bericht fest, dass der Trend eindeutig in Richtung mehr Touristen, mehr Gruppen, mehr Schulklassen und mehr Familien geht. Um diesem Trend gerecht zu werden, müssen Museen heute neue Wege beschreiten. Das ist so, und daran ist nicht Verwerfliches. Trotz aller Überlegungen in Richtung Wirtschaftlichkeit und touristischer Nutzung, darf aber nicht ver­gessen werden, dass Museen unser kollektives Gedächtnis als Gesellschaft darstellen. Diese Forderung umzusetzen, sollte immer noch das vorrangige Ziel einer Museumspolitik sein.

Der Bericht greift nicht die hier im Hause geführte Debatte über ein „Haus der Geschichte“ auf. Das war auch nicht seine Aufgabe. Dennoch gehört sie dazu, wenn es um die Perspektiven für den Ausbau der Museumslandschaft geht. Konkret wird hervorgehoben, dass eine Reihe von Themenkomplexen unterrepräsentiert sind, dazu gehört die Landesgeschichte mit den speziellen Aspekten der Zeit­geschichte - dem 20. Jahrhundert, der Industrie und den Alltag. Da der SSW „schon immer“ ein Museum für Zeitgeschichte gefordert hat, möchte ich vor dem Hintergrund der noch zu führenden Debatte um ein „Haus der Geschichte“ jetzt nur anführen, dass die Zeit aus unserer Sicht mehr als reif ist für ein Landesmuseum für Zeitgeschichte. Es muss ja nicht, wie in Bonn, mit 160 Mio. DM angeschoben werden. Es kann ja klein und bescheiden anfangen und trotzdem ein modernes, aktives und vielleicht wachsendes Haus werden. Themen gibt es genug: Die NS-Zeit, das Grenzland, die Minder­heiten (Friesen und Dänen wie auch eingewanderte) Wirtschafts- und Sozialgeschichte, poli­tische Geschichte des Landes und Bedeutung für Reich und Republik. Um es mit Prof. Danker vom Institut für Zeit- und Regionalgeschichte zu sagen: „Alles das, was den Grund unserer Gegenwart ausmacht, ist auch ausstellbar und vorzeigens­wert. Es könnte für die zahlreichen touristischen Gäste ebenso spannend und gewinn­bringend sein, wie für die in unserem eigenen Interesse wichtige Erinnerungsarbeit im Land und speziell in den Schulen des Landes.“ Wer noch mehr Gründe braucht, sei auf den Umdruck 15/1615 verwiesen. Darin macht die Stadt Schleswig in einem umfangreichen Katalog deutlich, warum Schleswig der richtige Ort für ein künftiges „Haus der Geschichte“ ist. Dieser Meinung kann ich mich anschließen.

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