Rede · Flemming Meyer · 11.07.2007 Erhalt der deutsch-dänischen Arbeitsvermittlung GRAMARK


In den letzten Jahren hat im deutsch-dänischen Grenzland eine beachtliche Entwicklung stattgefunden. Vor ein paar Jahren waren Grenzpendler, die in Deutschland wohnen und in Dänemark arbeiten, noch Exoten. Wenn deutsche Arbeitnehmer nach Dänemark zogen, dann gehörten sie häufig zu exklusiven Berufsgruppen an denen in Dänemark Mangel herrschte,  zum Beispiel Ärzten. Diese Situation hat sich heute grundlegend geändert. Für viele Arbeitssuchende im Landesnorden ist es alltäglich geworden, auch Jobangebote in Dänemark zu beachten.

Diese Entwicklung hin zu einem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt ist maßgeblich Projekten wie EURES oder GRAMARK geschuldet, die sich darauf spezialisiert haben, Arbeitskräfte über die Grenze hinweg zu vermitteln und entsprechend zu beraten. Obwohl dänische Unternehmen mittlerweile auch direkt in Tageszeitungen südlich der Grenze inserieren, würden viele deutsche Arbeitnehmer aus freien Stücken wohl kaum den Sprung wagen, der mit einem Berufseinstieg in einem anderen sprachlichen, kulturellen und ausbildungsmäßigen Kontext verbunden ist. Dazu brauchen sie Unterstützung – durch Organisationen wie GRAMARK.

Umso problematischer ist es, dass die Landesregierung nach mehrfacher Ankündigung nun zum Jahresende GRAMARK den Geldhahn abdrehen will. Mit dieser zielgerichteten und individuellen Vermittlung von Arbeitslosen nach Dänemark hat der Unternehmerverband Unterelbe-Westküste in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein einen maßgeblichen Beitrag zum Ausbau des deutsch-dänischen Arbeitsmarkts geleistet. Dieses Projekt darf nicht wegfallen, weil die ASH2000-Förderung zum 31. Dezember 2007 ausläuft.

Im Gegensatz zum Unternehmensverbandes sehen wir nicht, dass der deutsch-dänische Arbeitsmarkt von allein läuft und dass die bei der Arbeitsagentur in Flensburg und dem Sozialzentrum in Leck angegliederten GRAMARK-Stellen durch private Jobvermittler ersetzt werden können. Gänzlich unpassend finde ich die Äußerung, „wenn es Unternehmen auf dem freien Markt gibt, ist es nicht einzusehen, dass der Verband mit öffentlichen Geldern das Gleiche macht“. Arbeitsvermittlung ist immer noch eine öffentliche Aufgabe und nur eine öffentlich geförderte Arbeitsvermittlung, die ihre Vermittlung nicht nach unternehmerischen Prinzipien ausrichtet, sichert die Chancengleichheit der arbeitslosen Menschen.

Wenn der Unternehmensverband aus den genannten Gründen nicht die Fortführung von GRAMARK unterstützen will, dann muss die Landesregierung es in einem anderen Rahmen gewährleisten. Denn wir können nicht damit leben, dass eine so wichtige Stelle wegfällt, weil sie als Projekt angelegt wurde. Dadurch würde nicht nur die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zurückgeworfen. Durch den Wegfall von GRAMARK würde auch die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Norden Schleswig-Holsteins wieder gebremst.

Angesichts der großen Bedeutung des dänischen Arbeitsmarkts für Schleswig-Holstein brauchen wir heute mehr denn je eine kompetente deutsch-dänische Vermittlung und Beratung von Arbeitslosen. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf dafür zu sorgen, dass die Kompetenz der GRAMARK-Mitarbeiter den Jobsuchenden im Norden weiterhin zur Verfügung steht und bitten die Fraktionen um Unterstützung.

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