Rede · Flemming Meyer · 02.06.2006 Erhalt des Staatsforstes Christianslust

Die Ideen für eine Neuordnung der Forstverwaltung und für den Verkauf von Teilen des Landeswaldes oder auch des gesamten Landeswaldes verfolgen uns nun schon seit 2001, ohne dass bis zum heutigen Tag schlüssig nachgewiesen wurde, dass ein Verkauf auch nur von Teilen des Landesforstes sinnvoll ist. Natürlich kann man damit Geld verdienen. Aber man kann bei einem Verkauf dann nicht mehr seine eigenen politischen Ziele erreichen. So wie dies für den gesamten Wald gilt, so gilt dies natürlich auch für den Staatsforst Christianslust. Wird der Wald verkauft, kann man keinen Einfluss mehr auf die Bewirtschaftung nehmen – es sei denn, man bezahlt die neuen privaten Besitzer dafür. Wenn ich als Land also in einem verkauften Forst besondere Bewirtschaftungsformen und eine besondere Zertifizierung wünsche, muss ich dafür zahlen. Wenn ich ein Reitwegekonzept umgesetzt haben will, muss ich dafür zahlen. Wenn ich ein Wanderwegekonzept umgesetzt haben will, muss ich dafür zahlen. Wenn ich besondere Naturschutzmaßnahmen umsetzen will, muss ich zahlen. Wenn ich heimische Laubbäume anstatt Nadelhölzer in großem Umfang anpflanzen will, muss ich zahlen. Und so weiter, und so weiter.

Ich wiederhole es immer wieder gerne: Die Landesforsten sind die größte zusammenhängende Naturschutzmaßnahme des Landes Schleswig-Holstein und sollen das nach Auffassung des SSW auch bleiben. Und sie sollen deshalb auch unter besonderen Bedingungen unterhalten werden. Wer von der Gemeinwohlverpflichtung des Landeswaldes redet, der muss ihn erhalten. Wer wünscht, dass Waldkindergärten kostenlos den Wald nutzen können und dass der Förster hier und da einmal bei den Kindern vorbei schaut, der muss bereit sein, den Wald als öffentliche Aufgabe zu betreiben. Schon 2001 hat der Zentralverband der Ingenieurvereine Schleswig-Holstein, Fachgruppe Forst, auf die damaligen Verkaufsabsichten der rot-grünen Landesregierung reagiert und ein Positionspapier vorgelegt, das deutlich macht, wie man die Landesforsten wirtschaftlicher betreiben kann, ohne dass auf Qualität in der Bewirtschaftung verzichtet werden muss. Zumindest ist die Landesregierung seinerzeit von den Verkaufsabsichten abgegangen, aber das Konzept, das im Positionspapier beschrieben wurde, ist trotzdem nicht umgesetzt worden.

Basierend auf diesem Konzept, schlägt man in Dithmarschen nun eine Einrichtung einer Westküstenförsterei vor, die alle öffentlichen Forsten im Kreis Dithmarschen unter einem Dach zusammenfassen soll und die dann auch noch nach Möglichkeit Forsten, die sich in räumlicher Nähe befinden, eingliedert. Damit soll es möglich gemacht werden, Christianslust und die Kreisforsten noch wirtschaftlicher betreiben zu können. Der Kreis Dithmarschen ist schon lange zu Gesprächen bereit, die bisher aber vom Land nicht positiv aufgenommen wurden. Schließlich ist es ja erklärtes haushaltspolitisches Ziel gewesen, den Staatsforst Christianslust zu verhökern. Wenn jetzt unser Antrag doch noch dazu beiträgt, dass hier ein Sinneswandel auf Landesebene erfolgt, dann war dieser Antrag schon erfolgreich. Ich hoffe zumindest, dass das Land und der Kreis hier zusammenfinden, damit der Wald in Dithmarschen gerettet werden kann.

Der Verkaufserlös von Christianslust soll eigentlich nur der Haushaltsanierung dienen. Ein Verkauf wäre somit dann o.k., wenn es sich nicht um eine Landesaufgabe handeln würde, die erfüllt werden muss. Die Leistungen der Forstverwaltung werden aber bleiben müssen und als waldärmstes Flächenland der Bundesrepublik hat auch das Land Schleswig-Holstein eine besondere Verantwortung. Unsere Forsten sind schon sehr klein und sie dürfen nicht noch kleiner werden. In Gegenteil, die IG Bau hat gegenüber den forstpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen vorgeschlagen, einen Flächentausch zwischen der Stiftung Naturschutz und anderen Naturschutzorganisationen auf der einen Seite und dem Landesforst auf der anderen Seite vorzunehmen. Die Förster sollen den bisher den Naturschutzorganisationen gehörenden Wald betreuen und dafür sollen die Naturschutzorganisationen Nichtwaldflächen bekommen. Der Gedanke ist so einfach, wie einleuchtend. Aber auf meine Kleine Anfrage zu dem Thema weicht die Landesregierung aber aus. Ich bin überzeugt, dass ein Flächentausch für beide Seiten sinnvoll wäre und auf beiden Seiten für Effizienzgewinne sorgen würde. Damit könnte auch der Forsthaushalt entlastet werden und so mehr Spielraum für den Erhalt der Landeswälder gewonnen werden. Dies könnte dann auch Christianslust helfen.

Für uns ist es noch einmal ganz wichtig darauf hinzuweisen, dass der Forst Christianslust für eine ganze Region eine hohe Bedeutung hat. Im waldarmen Dithmarschen hat dieser Forst eine besondere Funktion. Das haben auch die dortigen Kreispolitiker erkannt und sind deshalb bereit, dem Land entgegen zu kommen. Ein gemeinsamer Betrieb von Landesforsten und Kreisforsten in diesem Bereich wird nicht reibungslos vonstatten gehen können, aber der Staatsforst Christianslust wäre es wert hier auf den Kreis Dithmarschen zuzugehen. Von uns muss heute aber in jedem Fall das Signal ausgehen, dass der Staatsforst Christianslust nicht verkauft wird.

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