Rede · Flemming Meyer · 19.02.2003 Fahrradverkehr und –tourismus

Zwar will man sich um die Schließung von Lücken bemühen, aber trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass es keine richtige landesweite Radwegenetzplanung gibt. Es gibt sie unter touristischen Aspekten in den einzelnen Regionen, aber eine landesweite Routenplanung scheint noch zu fehlen. Zumindest schweigt sich die Landesregierung unter Punkt 3.2. zu den zukünftigen Vorstellungen bezüglich des Ausbaus der Radwanderwege aus.
Was wir also in Zukunft an landesweiter Planung erwarten können, erfahren wir erst einmal nicht. Aber wir erfahren, was sich in den letzten Jahren getan hat. Und das ist in der Tat eine Menge. Da sind Wege ausgebaut und dann für den Tourismus erschlossen worden. Man kann jetzt auf internationalen Routen entlang der Nordsee und der Ostsee fahren. Es wurden Themenrouten, wie der Nord-Ostsee-Kanal-Radweg und die Wikingerroute geschaffen und durch Zuschüsse aus dem Regionalprogramm und dem Programm „Zukunft auf dem Lande“ konnte in vielen Regionen eine bessere Infrastruktur für Fahrradfahrer geschaffen werden. Alle diese Maßnahmen begrüßen wir ausdrücklich, tragen sie doch maßgeblich zu einer verbesserten touristischen Infrastruktur bei.

Es ist richtig, dass Veranstalter von Radpauschalen, wie in der Antwort auf die Große Anfrage beschrieben, in den vergangenen Jahren hohe Umsatzzuwächse verzeichnen konnten. Allerdings stellt sich immer auch die Frage von welchem Niveau aus diese Zuwächse erwirtschaftet wurden. Der Anteil des Fahrradtourismus am Gesamttourismus ist verschwindend gering. Daher ist es ein wenig irreführend, wenn mit hohen Steigerungsraten suggeriert wird, hier sei ein riesiger prosperierender Markt vorhanden, auf den wir uns stürzen können. Dies ist nicht der Fall und bei diesem Markt handelt es sich um einen sehr speziellen Markt, mit einer bestimmten Kundengruppe, die ein sehr bestimmtes Angebot erwartet. Nun könnte man meinen, dann sei ja jede Mühe vergebens. Das ist natürlich nicht so. Aber wir sollten nicht glauben, dass wir dieses Marktsegment so einfach erobern können – vielmehr sollten wir das Fahrradfahren im Urlaub nicht als Hauptaktivität, sondern als einen wichtigen Zusatznutzen, den wir in unserem Land bieten können, ansehen.

In vielen Kreisen ist inzwischen ein einheitliches Wegweisesystem aufgebaut worden, welches sich an bundesweiten Vorgaben orientiert. In Nordfriesland besteht sogar für die Kommunen die Möglichkeit, ergänzend friesischsprachige Beschilderungen anzubringen, was nicht nur sprachfördernd wirkt, sondern auch dazu beiträgt, dass der Gast die Region als etwas Unverwechselbares wahrnimmt. Wir wünschen uns natürlich, das möglichst viele Kommunen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Und an der Westküste wird eine Koordinierungs- und Informationsstelle für den Fahrradtourismus gefördert. Außerdem wird natürlich auch weiterhin die eigentliche Fahrradinfrastruktur ausgebaut und verbessert. Alle diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Fahrradfahren als wichtiger Zusatznutzen für unseren Tourismus vernünftige Rahmenbedingungen hat. Bisher können wir mit der Förderung der Fahrradinfrastruktur wirklich zufrieden sein.

Aber auf zwei Punkte möchte ich trotzdem noch näher eingehen: Die Art der Fragestellung, sagt ja im Normalfall auch etwas über die Intention des Fragestellers aus. Unter Punkt 7.11 fragen die Grünen, ob man nicht auf Ausgleichzahlungen beim Radwegebau verzichten könne? Dies wird natürlich von der Landesregierung abgelehnt, schließlich sind auch geteerte Radwege eine Versiegelung der Landschaft. Aber erstaunlich ist es doch, dass sich die Grünen anscheinend eine solche Befreiung von Ausgleichszahlungen bei Radwegen wünschen, aber grüne Deiche und Küstenschutzanlagen weiterhin mit Ausgleichszahlungen belastet werden sollen. Und wo wir gerade bei den Deichen sind, möchte ich noch auf die Frage 3.11 hinweisen. Dort wird gefragt, nach welchen Kriterien sich die Nutzung von Deichkronen für den Radverkehr richtet? Die Antwort der Landesregierung ist ausweichend, um den grünen Koalitionspartner zu schonen. Die Antwort ist aber ganz einfach: Auf Deichkronen fährt man kein Fahrrad. Deiche sind zum Schutz der Menschen da. Jeder geteerte oder ungeteerte Radweg auf der Deichkrone kann zu einer Gefahr für den Bestand des Deiches und der hinter ihm lebenden Menschen werden.
Der andere Punkt ist, dass wir es noch nicht richtig verstanden haben, den SPNV und den Fahrradverkehr aufeinander abzustimmen. Das Angebot „Bahn and Bike“ wird vor neun Uhr und vor allem zwischen 16 und 18 Uhr ausgesetzt. Das sind genau die Zeiten, die für Touristen und Pendler gleichermaßen interessant sind. Hier muss sich unserer Meinung nach etwas ändern. Bei zukünftigen Ausschreibungen für den Regionalverkehr auf der Schiene sollte man für mehr Möglichkeiten für den Fahrradtransport sorgen.
Grundsätzlich hat sich schon viel zu Gunsten des Fahrradverkehrs getan, aber wir sollten uns nicht aufhalten lassen, noch mehr zu tun.

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