Rede · Flemming Meyer · 24.02.2010 Frauentag wird Feiertag

Dis bisherigen Redebeiträge haben deutlich gemacht, welche verschiedenen Meinungen es dazu gibt, den Frauentag zum Feiertag zu machen. Um die unterschiedlichen Positionen ganz plakativ darzustellen: Auf der einen Seite gibt es Die Linke. Diese begründen ihren Antrag mit der hohen symbolischen Bedeutung eines Feiertages und möchten damit der Gleichberechtigung einen Schritt näher kommen. Auf der anderen Seite steht die EU-Kommissarin Viviane Reding. Diese hat sich Anfang 2008 für die Abschaffung des Frauentages eingesetzt und damit argumentiert, dass solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet dies, dass wir keine Gleichberechtigung haben.

Bevor wir uns jetzt an dem absurden Umkehrschluss dieser Äußerung versuchen, der nämlich hieße, wenn wir keinen Frauentag feiern, haben wir die Gleichberechtigung erreicht, möchte ich für den SSW klar stellen, dass aus unserer Sicht der Frauentag in seiner bisherigen Form erhalten bleiben muss.

1977 hat die UN den „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden“ beschlossen. Damit wurde ein Tag zum offiziellen weltweiten Frauentag auserkoren, der seit Jahrzehnten in vielen Ländern aus unterschiedlichen historischen Begebenheiten den Frauen gehörte. Die politischen Zielsetzungen dieses Tages sind sehr vielfältig. Sie reichen vom Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen und Mädchen über den Einsatz gegen Kinderheirat bis hin zur Diskussion um Chancengleichheit und deren Finanzierung.

In Deutschland ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz verankert. Es gibt gesetzliche Grundlagen, Förderprogramme, Berichte, Frauenräte und Gleichstellungsbeauftragte. Trotzdem - und da sind wir uns hier wohl alle einig - werden Frauen nach wie vor benachteiligt. Mit anderen Worten: die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist noch lange nicht erreicht.

Hier stellt sich also - gerade auch mit Blick auf den heute noch zu diskutierenden Bericht zur Durchführung des Gesetzes zur Gleichstellung der Frauen im öffentlichen Dienst - die Frage, was wir als Politikerinnen und Politiker tun können, damit Frauen in unserer Gesellschaft nicht mehr benachteiligt werden. Einem Antrag zuzustimmen, der den Frauentag zum Feiertag macht und dies nicht nur mit dem hohen symbolischen Wert begründet, sondern auch noch damit, dass wir im hohen Norden sowieso zu wenig Feiertage haben, ist dem SSW auf jeden Fall zu wenig.

Der Frauentag ist von seiner Entstehungsgeschichte her ein Frauenkampftag und kein Frauenbeglückungstag. So wird dieser Tag zum Beispiel in Russland gefeiert: dort ist der Frauentag als Feiertag zu einer Mischung aus Valentins- und Muttertag verkommen, an dem empfohlen wird, Frauen weder einkaufen zu schicken noch putzen zu lassen, sondern sie stattdessen zu beschenken mit Blumen, Kosmetik-Artikeln oder Pralinen. Dies ist doch der Muttertag im klassischen Sinne.

Aus Sicht des SSW sollte der Frauentag kein Feiertag werden. Erstens brauchen wir keinen Feiertag, der ausschließlich Symbolcharakter hat. Für den SSW steht fest, dass wir damit die Gleichstellungsprobleme in unserer Gesellschaft nicht lösen. Zweitens werden wir damit der Geschichte und der Bedeutung des Frauentages nicht gerecht. Eine gesellschaftliche Gruppe hat vor vielen Jahren einen gesellschaftlichen Tag gewählt, der von seiner Selbstorganisation lebt und nicht staatlich verordnet werden darf. Der Frauentag darf nicht zu einer Pflichtgeschichte werden, die jeder verinnerlicht hat, ohne zu verstehen, was eigentlich dahinter steckt. Der Frauentag ist ein von gesellschaftlichen Gruppen getragener Tag, so ist er entstanden und so soll er auch bleiben - dies ist es, was ihn mit Leben füllt.

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