Rede · Flemming Meyer · 16.06.2010 Gesamtkonzept Elektromobilität in Schleswig-Holstein

Der von der Bundesregierung im letzten Jahr aufgelegte Entwicklungsplan zur Elektromobilität war mehr als überfällig. Zum einen, um sich am Markt auf diesem Sektor zu positionieren, zum anderen, um eine Alternative zum Öl aufzuzeigen und drittens aus ökologischen Gründen.

Wir müssen leider erkennen, dass die deutsche Autoindustrie - aber auch die Politik - diesen Bereich bisher nicht besonders forciert hat. Zwar hat die Industrie die letzten Jahre an batteriegetriebenen Fahrzeugen gearbeitet, aber andere Nationen waren auf diesem Gebiet eifriger und erfolgreicher. So haben China und USA das Autoland Deutschland in diesem Bereich mittlerweile überholt. Während Deutschland im letzten Jahr 4 Milliarden Euro für die unsägliche Abwrackprämie ausgegeben hat, haben China und USA in die Zukunft - Sprich in die Elektromobilität - investiert. Nun muss Deutschland nachziehen, wenn man den Anschluss nicht verpassen will.

Auch wenn mit dem Konjunkturpaket II rund 500 Mio. Euro für entsprechende Forschungsprojekte bereitgestellt wurden, stehen milliardenschwere Programme in China und USA dem gegenüber. Diese Dimensionen machen die Handlungsnotwendigkeit hierzulande mehr als deutlich.

Die deutsche Autoindustrie steht hier noch am Anfang. Daher ist es auch nur richtig, wenn von Seiten der Industrie zugesagt wird, in den kommenden drei bis vier Jahren 10 bis 12 Mrd. € in die Forschung und Entwicklung kraftstoffeffizienter Fahrzeuge, Elektromobilitätstechnologien und weiterer energiesparender Maßnahmen zu investieren.

Der Entwicklungsplan der Bundesregierung macht deutlich, dass die Grundlagen vorliegen. Es besteht aber Forschungs-, Optimierungs- und Vernetzungsbedarf. Und der globale Druck macht diese Anstrengungen notwendig, soll sich die deutsche Autoindustrie am Weltmarkt behaupten.

Wir stehen vor einer nationalen Herkulesaufgabe und auch Schleswig-Holstein muss einen Teil zum Erfolg beitragen. Daher sind die vorliegenden Anträge sinnvoll, damit wir uns einen Überblick verschaffen können, was in Schleswig-Holstein machbar und notwendig ist. Aber auch um zu erfahren, was bereits in Schleswig-Holstein läuft.

Es gibt an der Westküste bereits ein Modellvorhaben. Dort wird bereits an der Integration von Elektromobilität aus erneuerbaren Energien gearbeitet. Das Konzept „Windkraft4Mobile“ ist eine Kooperation mehrer Partner in der Aktivregion Nordfriesland Nord.

Dort wurden die gegebenen Faktoren – ländlicher Raum mit kleinen Ballungsräumen mit kleinen und mittleren Reichweiten und mit einer hohen Dichte an Windkraftanlagen - für das Konzept zugrunde gelegt.

Wichtig dabei ist, die Kopplung der Elektromobilität mit Strom aus erneuerbaren Energien. Alles andere würde aus ökologischen Gründen auch keinen Sinn machen. Denn eine Untersuchung des ADAC hat ergeben, dass ein Kleinwagen mit Dieselmotor einen CO2-Ausstoss von 86 Gramm pro gefahrenen Kilometer hat. Ein vergleichbares Elektroauto – gespeist aus Kohlestrom – hat einen CO2-Ausstoss von 107 Gramm pro gefahrenen Kilometer.

Legen wir den deutschen Energiemix zu Grunde, liegt der CO2-Ausstoss bei 71 Gramm pro gefahrenen Kilometer.

Wenn wir aber wirklich CO2-freie Elektrofahrzeuge haben wollen, dann kommen wir um den Ausbau erneuerbarer Energien nicht umhin. Und damit stehen wir vor einer weiteren Herkulesaufgabe.

Das angestrebte Ziel des nationalen Entwicklungsplanes ist, den Anteil an Elektrofahrzeugen bis 2020 auf eine Million Fahrzeuge und bis 2030 auf über fünf Millionen Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Einen wirklichen ökologischen Effekt können wir nur dann erreichen, wenn dann die Stromproduktion zu 100 % aus erneuerbaren Energien besteht.

Es gibt also neben dem großen Aufgabenkatalog, für die Elektromobilität auch die nationale Herausforderung den Anteil Erneuerbarer Energien auf 100% zu erhöhen.
Das Konzept in Nordfriesland kann für uns als Leitfaden dienen, dass dies keine Utopie sein

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