Rede · Flemming Meyer · 15.11.2000 Große Anfrage Umweltbildung in Schleswig-Holstein

Die uns vorliegende Grosse Anfrage ist so umfassend, dass man selbst in einer 10 minütigen Rede nicht alle Aspekte der Umweltbildung in Schleswig-Holstein behandeln kann. Das spricht für die Vielfalt und die Menge der Angebote der Umweltbildung, die Schleswig-Holstein bietet. Daher möchte ich mich auf einige bestimmte Bereiche begrenzen.

Umweltbildung darf nicht nur für sich allein betrachtet werden, sie ist oft eine Quer-schnittsaufgabe, die mit anderen Bildungsbereichen verknüpft wird und ist daher nicht selbständig sichtbar. Die Grosse Anfrage macht deutlich, in wie vielen Bildungsbereichen auch Umweltbildung eine unentbehrliche Rolle spielt. Daher ist es wichtig, die Aufgabe und Bedeutung der Umweltbildung deutlich machen. Die Menschen müssen lernen, ihre natürlichen Ressourcen zu schätzen und sorgsam damit umzugehen. Dies ist auch eine wichtige Aufgabe unseres Bildungssystems, die auch in Zukunft weiter von Bedeutung sein wird.

In Schule und Hochschule wird sich dieser Aufgabe auch angenommen. Es ist jedoch Notwendig, die fächerübergreifende Dimension der Umweltbildung deutlich zu machen. In Lehrplänen und Studienordnungen werden nach und nach umweltrelevante Themenstellungen eingearbeitet. Diese Entwicklung begrüßt der SSW.

Es ist eine Auswirkung, die auf einer gesellschaftlichen Entwicklung - seit Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre - zurückzuführen ist. Allerdings gibt es heute immer noch Schwierigkeiten:

1. Die Bedeutung und Wichtigkeit der Umweltorientierung hat auch heute noch nicht alle Teile der Bevölkerung erreicht – dies verdeutlichen immer wieder eindimensionale Diskussionen, wenn es zum Beispiel um die Ausweisung von Naturschutzgebieten und ähnliches geht. Hier sind oftmals immer noch alte und festgefahrene Vorstellungen der unbegrenzt nutzbaren natürlichen Ressourcen präsent. Diese Tendenz der Bedenkenlosigkeit und zum Teil auch Ignoranz ist höchstwahrscheinlich nur langfristig beeinflußbar. Daher liegt eine zukünftige und wesentliche Aufgabe des Bildungssystems darin, der Bevölkerung die Umwelt nahe zu bringen und sie für Umweltprobleme zu sensibilisieren.

2. Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass wir Umweltbildung nicht skalieren können oder sie in feste Maße einbinden können. Eine Erfolgskontrolle ist nicht ohne weiteres möglich – Umweltbildung ist eine Querschnittsaufgabe mit einer nicht meßbaren Zielsetzung. Es geht hierbei um Bewußtseinsänderung und Umdenken in der Gesellschaft.

Da ein solcher Prozess sich nicht in ein Korsett zwängen lässt, darf es auch nicht verwundern, wenn sich auf bestimmte Fragen keine Antworten geben lassen. Dies liegt nicht daran, dass man nicht antworten will, sondern weil dies schlichtweg nicht möglich ist. Man kann beispielsweise den nachhaltigen Erfolg von Umweltbildungsmaßnahmen nicht ohne weiteres in Zahlen und Daten fassen. Ob jemand in seinen allgemeinen Denkstrukturen durch die interdisziplinären Umweltbildungsmaßnahmen beeinflußt worden ist oder nicht, ist für Außenstehende nicht ohne weiteres nachvollziehbar.

Neben Schule und Hochschule kommt der Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle zu. Hier entscheidet allerdings die Nachfrage, ob man seine Umweltbildungsmaßnahmen „an den Mann“ bringen kann oder nicht. Für die Teilnahme an einem Volkshochschulkurs mit umweltrelevanten Themen ist ein gewisses Maß an Eigeninteresse des potentiellen Kursteilnehmers von Nöten. Neben Werbe- und Marketingmaßnahmen ist es aus meiner Sicht notwendig, dass die Menschen schon im Vorfeld für diese Thematiken sensibilisiert worden sind. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass die Menschen in ihrem schulischen Leben und in ihrer Ausbildung häufiger auf diese Thematiken stoßen. Somit sind wir wieder bei den Schulen und Hochschulen, die hier die Vorarbeit leisten müssen. Wie ich vorher ausgeführt habe, hat man sich in Schleswig-Holstein der Aufgabe allerdings auch in sehr guter Art und Weise angenommen.

Im Folgenden möchte auf drei Weiterbildungseinrichtungen außerhalb der klassischen Bildungsträger näher eingehen, die sich meiner Meinung nach, besonders bewährt haben und die es lohnt weiterhin intensiv zu unterstützen.

Das Multimar Wattforum in Tönning hat sich mittlerweile zu einer touristischen Attraktion an der Westküste entwickelt. Dies ist ausgesprochen wichtig für die Region – in diesem Jahr waren 170.000 Besucher vor Ort - allein dies wird jedoch der Gesamtbedeutung des Multimar Wattforums nicht gerecht. Dort wird auch geforscht und auf populäre Art und Weise dem Menschen die Natur im Wattenmeer nähergebracht. Dies ist über alle Parteigrenzen hinweg anerkannt. Schleswig-Holstein hat mit dem Multimar Wattforum ein echtes Vorzeigeprojekt im Bereich der Umweltbildung geschaffen. Wichtig scheint mir hierbei vor allem, die Verbindung zwischen Forschung auf der einen Seite und der Darstellung der Forschungsergebnisse auf der anderen Seite.
In diesem Zusammenhang möchte ich deutlich machen, dass die nun bevorstehende Übernahme des Multimar Wattforums durch die Nationalpark-Service GmbH schon vor dem eigentlichen Bau feststand. Die Stadt Tönning hat seinerzeit für die Anfangsphase aus verschiedenen Gründen die Trägerschaft übernommen, diese wird aber jetzt auf die Nationalpark-Service GmbH - wie vorher schon absehbar war - übertragen. Dies hat nichts mit angeblich plötzlich auftretenden Defiziten zu tun. Dass eine Forschungseinrichtung auch Defizite einfährt, liegt in der Natur der Sache. Wir verlangen auch nicht, dass Universitäten oder Schulen unter dem Strich mit schwarzen Zahlen dastehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Multimar Wattforum, dessen eine Hauptaufgabe es auch ist, Wattenmeerforschung zu betreiben und die hieraus resultierenden Ergebnisse transparent zu machen und sie dann der Bevölkerung in einem ansprechendem Rahmen zu präsentieren.
Ich möchte nochmals ganz deutlich sagen, dass die Übertragung des Multimar Wattforums auf die Nationalpark-Service GmbH nicht aufgrund irgendwelcher unerwarteter Defizite geschehen soll. Mir war es wichtig, dies noch einmal deutlich zu machen, da dies manchmal an der Westküste mißverstanden wird.

Die zweite Weiterbildungseinrichtung in Schleswig-Holstein die ich kurz ansprechen möchte, ist das Besucherinformationssystem des Nationalparks an der Westküste. Es handelt sich hierbei um die wohl größte zusammenhängende Umweltbildungsmaßnahme in Schleswig-Holstein. Die Maßnahmen im Rahmen des Besucherinformationssystems sind für jeden Menschen sichtbar und erlebbar. Nicht nur die Schautafeln am Deich, auch die Informationsveranstaltungen oder die Auskunftstätigkeiten der Nationalpark-Ranger sind inzwischen ein unverzichtbares Aushängeschild für unseren Nationalpark. Hier muß allerdings, wenn man den Nationalpark Wattenmeer mit anderen Nationalparken vergleicht, noch mehr getan werden. Es ist aber ein wirklich sehr guter Anfang gemacht worden, auf dem sich weitere Umweltbildungsmaßnahmen für die breite Bevölkerung aufbauen lassen.

Die dritte Umweltbildungseinrichtung, die ich noch ansprechen möchte, ist die Umweltakademie. Sie ist aus der schleswig-holsteinischen Umweltbildung überhaupt nicht mehr weg-zudenken. Sie hat durch ihre Arbeit einerseits die wichtige Vernetzungs- und Koordinations-funktion - auf die in der Grossen Anfrage immer wieder eingegangen wird - andererseits die Beratungsfunktion für Multiplikatoren und Entscheider. Gerade eine gute fachliche Beratung dieses Personenkreises ist wichtig, da diese zukunftsweisende Entscheidungen treffen.
Neben den rund 100 Bildungsveranstaltungen pro Jahr, nimmt die Umweltakademie auch noch beratende und koordinierende Tätigkeiten wahr. Sie leistet somit eine sehr vielfältige und umfangreiche Arbeit. Der Beratung von Kommunen zur Lokalen Agenda 21 kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Hier werden Ideen gegeben und Konzepte angestoßen, die zukunftsweisend für die betroffenen Gemeinden und Regionen sind. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wirklich etwas dabei herauskommt. Die Umweltrelevanz von Entscheidungen wird in den Kommunen genauer beachtet und in Betracht gezogen, wenn man vorher beraten worden ist. Die Umweltakademie ist daher aus vielerlei Gründen unverzichtbar für die Umweltbildung und die nachhaltige Entwicklung des Landes Schleswig-Holstein.

Alles in allem macht die Antwort der Landesregierung auf die Grosse Anfrage sehr deutlich, dass die Umweltbildung und die Erziehung zu einer nachhaltigen Entwicklung auf allen Ebenen in Schleswig-Holstein eine große Rolle spielt. Daher nimmt der SSW die Antwort auf die Grosse Anfrage nicht nur zur Kenntnis, sondern zustimmend zur Kenntnis.

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