Rede · Flemming Meyer · 14.11.2002 Gütesiegel in der Holzwirtschaft

Schon in der letzten Debatte zum Thema Gütesiegel in der Forstwirtschaft haben wir als SSW deutlich gemacht, dass wir das FSC-Siegel prioritieren. Daran hat sich auch nach dem Bericht nichts geändert. Unsere Haltung hat sich eher noch verstärkt, da durch den Bericht noch einmal deutlich wird, welche Vorteile das FSC-Siegel gegenüber dem PEFC-Siegel hat. Selbstverständlich sind beide Siegel grundsätzlich als positiv anzusehen. Durch das PEFC-Siegel will die private Holzwirtschaft sich immerhin selbst beschränken, um eine nachhaltige Forstwirtschaft zu ermöglichen. Diesen Schritt darf man nicht unterschätzen. In anderen Wirtschaftsbereichen sind wir noch lange nicht so weit, obwohl wir auch dort mit der Knappheit der Ressourcen rechnen müssen.
Allerdings bleibt immer noch festzuhalten, dass bei der FSC-Zertifizierung die Umwelt- und Sozialpartner gleichberechtigt eingebunden sind. Durch das Dreikammersystem, das Ökonomie, Ökologie und Soziales gleichberechtigt berücksichtigt, werden die Anforderungen der Agenda 21 auf vorbildliche Art und Weise erfüllt. Ich gebe dabei auch noch zu bedenken, dass keiner der drei Bereiche von den anderen beiden majorisiert werden kann. Somit besteht immer ein Einigungszwang zugunsten einer ganzheitlichen Sichtweise von anstehenden Problemen. Ich glaube näher kann man nicht an den Sinn der Agenda 21 herankommen.

Zudem ist nur das FSC-Siegel weltweit anwendbar und vergleichbar. Bei Holzimporten sollten wir deshalb die FSC-Zertifizierung zur Bedingung machen und daher ist es auch nur logisch, dass wir dann auch gleiches für die heimischen Produkte gelten lassen. Aber auch, dass Einzelbetriebe kontrolliert werden und man sich nicht auf die reine Selbstverpflichtungserklärung verlässt, spricht für das FSC-Siegel. Wir können zwar verstehen, dass die Landesregierung um einen Ausgleich zwischen den beiden Siegeln bemüht ist, aber trotzdem müssen wir feststellen, dass das FSC-Siegel in einigen Punkten dem PEFC-Siegel überlegen ist - nicht zuletzt auch, was den Einsatz von Bioziden und die Renaturierung von Teilen des Waldes angeht.

Das FSC-Siegel sollte somit nicht nur ein Marketinginstrument sondern eine zwingende Voraussetzung für den Kauf von Holzprodukten sein. Und damit sind wir nun auch bei den Maßnahmen der EU. Der Bericht erwähnt, dass die Einführung von verbindlichen ökologischen und sozialen Standards für die Beschaffung von Holzprodukten, unter anderem aus wettbewerbsrechtlicher Sicht, noch nicht abschließend geklärt ist. Dies ist im Prinzip richtig, bezieht sich allerdings weitestgehend nur auf die Sichtweise in unserem Land. Auf europäischer Ebene ist man in vielen Bereichen inzwischen der Meinung, dass ökologische und soziale Standards eine Rolle spielen müssen. Dies drückt sich auch in vielen Kommissionsvorlagen und EU-Direktiven aus, die dies berücksichtigen. Daher bin ich sicher, dass die kommende EU-Direktive ökologische und soziale Standards erlauben wird. Bezogen auf das FSC-Siegel bedeutet dies, dass das Siegel aufgrund seiner weltweiten einheitlichen Gültigkeit nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung führen kann, wenn sich die öffentliche Hand bei der Beschaffung von Holzprodukten am FSC-Siegel orientiert. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die EU gerade das FSC-Siegel als Grundlage für den Wettbewerb erlauben wird. Erst wenn das geschehen ist, wird man die Nutzung von illegal geschlagenem Holz überhaupt verhindern können.

Aber ich glaube, dies ist nicht der einzige Ansatzpunkt. Natürlich müssen wir durch die Zertifizierung versuchen, nachhaltig zu wirtschaften. Aber mindestens genauso wichtig ist es, in der breiten Bevölkerung eine gewisse Sensibilität für eine nachhaltige Holzwirtschaft auszulösen. Wenn wir nicht alle problembewusster werden, wird der Baumarktsleiter um die Ecke auch nicht bei der Holzbestellung auf die Zertifizierung achten. Dann wird der Häuslebauer nicht weiter nachfragen, wenn es um seine Baumaterialien zu einem konkurrenzlos billigen Preis geht. Hier möchte ich einmal ganz deutlich eine Lanze brechen für die vielen Eine-Welt-Projekte, die durch die Bingo-Lotterie gefördert werden und genau auf solche weltweiten Problematiken aufmerksam machen. Wir brauchen noch viel mehr solcher Projekte, damit auch der letzte Bürger weiß worum es geht. Denn solange in Schleswig-Holstein Stadtvertretungen, trotz preiswerterer Alternativen, immer noch beschließen, Brücken aus südamerikanischem Bongossi-Holz fertigen zu lassen, so lange tut Aufklärung not.

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