Rede · Flemming Meyer · 11.10.2002 Ländliche Dienstleistungszentren

Ich glaube, wir sind uns alle einig darüber, dass die Idee, in den ländlichen Regionen Markt-Treffs einzurichten, zukunftsweisend ist. Wir mussten in der Vergangenheit feststellen, dass der ländliche Raum immer mehr ausgedünnt wurde und unter der Zentralisierung in den zentralen Orten gelitten hat. Dies ist nicht unbedingt eine Folge der Landesplanung mit seinem zentralörtlichen System, sondern mehr eine Entwicklung, die sich in allen Lebensbereichen feststellen lässt. Auch ohne das zentralörtliche System hätten wir eine starke Tendenz zur Zentralisierung.
In den ländlichen Räumen steht man nun vor der Aufgabe, trotz dieser Tendenzen in den Dörfern Mittelpunkte zu schaffen, die eine gewisse Grundversorgung der Bevölkerung ermöglichen. Es geht dabei um Arbeitsplätze, gleiche Lebensbedingungen und vor allem um die Möglichkeit, dass auch beispielsweise ältere Menschen weiter in der dörflichen Gemeinschaft leben können. Voraussetzung hierfür ist, dass vor Ort ein angemessener Grad an Versorgung möglich ist. In erster Linie denkt man dabei an die Lebensmittelversorgung. Überall im ländlichen Raum werden Lebensmittelläden geschlossen. Dabei denke ich nicht nur an den kleinen Tante-Emma-Laden – den gibt es ohnehin schon kaum mehr – sondern eher an die regionalen Lebensmittelketten.
Dass sich das Kerngeschäft in den bestehenden Markt-Treffs hauptsächlich genau der Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln widmet zeigt, dass man in den Dörfern die anstehenden Probleme erkannt hat. Aber der Bericht zeigt auch, wie schwer es ist, einen neuen Laden im Dorf zu etablieren. Die ökonomischen Gesetze gelten natürlich auch im ländlichen Raum und somit steht man auch hier immer wieder unter dem Druck des Marktes. Daher ist es wichtig, dass vorher die Betreiber aber auch die Kommunen eingehend beraten werden und dass auch später noch regelmäßig Beratungsleistungen nicht nur angeboten, sondern auch verpflichtend erbracht werden. Dies sieht das Konzept der Markt-Treffs ja auch vor und somit muss ich sagen, dass hier diesbezüglich vorzügliche Arbeit geleistet wird.
Dass bei diesem bundesweiten Pilotvorhaben so viele Kommunen mitmachen und mitmachen wollen ist ein Beweis dafür, dass dem ländlichen Raum die Ideen nicht ausgehen, wenn man ihn nur entsprechend unterstützt. Deshalb möchte ich die Gelegenheit natürlich auch dazu nutzen, die Landesregierung aufzurufen, den ländlichen Raum weiterhin zu unterstützen, denn der Bericht macht ja auch deutlich, dass über 40 % der Bevölkerung Schleswig-Holsteins im ländlichen Raum wohnen. Hier steckt ein enormes Potential, das immer noch nicht gut genug erschlossen ist.
Wenn es um die Förderung des ländlichen Raumes geht, so ist natürlich die Förderung an sich eine wichtige Sache. Wichtiger ist aber noch, dass man sich auch darauf verlassen kann, dass die Förderung wie geplant durchgeführt wird. Das gilt sowohl für den anvisierten Zeitraum als auch für die Förderhöhe. Die ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalysen waren ein echter Erfolg der Landesregierung. Allerdings hat sie mit der Senkung der Förderung von 50 auf 40 % viel Porzellan zerschlagen. Die Kommunen hatten sich auf die mündlichen Zusagen verlassen und haben feststellen müssen, dass nicht immer Verlass auf die Zusagen war. Hier gilt es eine Menge wieder gut zu machen. Dass die LSE´s ein so großer Erfolg waren und dass die Markt-Treffs so gut angenommen werden, liegt vornehmlich daran, dass die Kommunen etwas tun wollen. Hierfür brauchen sie einen verlässlichen Partner und dabei sollte die Landesregierung die richtigen Signale aussenden.
Trotz dieser Disharmonien in der finanziellen Förderung bleibt aber festzuhalten, dass die inhaltliche Unterstützung durch die Landesbehörden ein nicht wegzudenkender Grundpfeiler des Konzeptes ist. In Witzwort in Nordfriesland hat die Gemeindevertretung beispielsweise gerade beschlossen, den örtlichen Einkaufs-Markt zu kaufen, um ihn vor der Schließung zu bewahren. Dieser Schritt alleine ist für eine Gemeindevertretung eines kleinen Dorfes schon sehr mutig und auch sehr risikoreich. Man muss einen Betreiber finden, die wirtschaftliche Grundlage muss stimmen und der Anspruch, ein Kommunikationstreff einzurichten, muss erfüllt werden. Wenn hier die professionelle Begleitung fehlen würde, sähe es sehr schwierig aus. Mit Hilfe der projektbegleitenden Landesbehörden bin ich aber sicher, dass die Einrichtung des Markt-Treffs gelingen wird. Eine wichtige Rolle wird dabei auch der Kontakt des Landes zu überregionalen Dienstleistungspartnern, wie Post, Telekom, Versicherungen oder Versorgungsunternehmen, spielen. Diese wichtigen Kontakte, könnte eine kleine Gemeinde im Regelfall gar nicht aufbauen. Die Tür wäre von vornherein gleich geschlossen. Diese Türöffnerfunktion ist nicht zu unterschätzen, trägt sie doch dazu bei, eine gewisse Grundfinanzierung der Markt-Treffs erst zu ermöglichen.
Man kann also sehen, dass die Markt-Treffs eine gelungene Mischung zwischen überregionaler Zusammenarbeit, Entwicklung des ländlichen Raumes und Stärkung der Eigeninitiative vor Ort sind. Diese Entwicklung sollten wir weiter fördern.

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