Rede · 18.06.2021 Mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen

„Wenn wir das Gutachten zur Optimierung des Schienenverkehrs ernst nehmen und wir uns auf die dort aufgeführten Maßnahmen konzentrieren – und das sind nicht wenige – dann sollten wir uns damit nicht verzetteln.“

Christian Dirschauer zu TOP 29 + 42 - Anträge zur S-Bahn-Taktung (Drs. 19/3075 + 19/3104)

Als der Abschlussbericht zur Optimierung des Schienenverkehrs im Ausschuss vorgestellt wurde war schnell klar, dass hier eine Menge Arbeit auf uns zukommt. Zugrunde gelegt wurden verschiedenste Kriterien: Der Ausbau oder die Reaktivierung von Strecken, die Weiterentwicklung neuer Stadt-Umland-Systeme oder auch die Energiewende auf der Schiene. 
Unter Beachtung verschiedenster Maßnahmen und Ergebnisse wurde daraus der Prognose-Planfall 2035 für den Schienenverkehr für Schleswig-Holstein erstellt. Damit wird deutlich, wo und was zu tun ist, um den Schienenverkehr landesweit zu verbessern. Das Gutachten zielt dabei ausschließlich auf die Optimierung des Schienenverkehrs ab und es wurde nicht auf die Finanzierung geschaut. Diesen Ansatz teilen wir durchaus, denn damit haben wir ein Arbeitspapier, dass ausschließlich die schienenpolitischen Aspekte darstellt. Die Finanzer werden noch früh genug ins Boot geholt und können dann ihre Bewertung kundtun, aber solange haben wir Verkehrspolitiker keine Schere im Kopf. Im Sinne der Sache ist das der richtige Weg.
Heute liegen uns nun gleich zwei Anträge vor, die aus dem Gutachten resultieren. Das heißt, unter Berücksichtigung klimapolitischer Belange sowie dem Stadt-Umland-Faktor zielen beide Anträge darauf ab, die S-Bahn-Verbindung zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zu verbessern und kundenfreundlicher zu machen. Klar ist, das Potential in der Region ist groß und es ist daher in unser aller Interesse, dieses Potential zu heben. Weg vom Individualverkehr hin zum ÖPNV, beziehungsweise SPNV, aber dafür muss das Angebot weiter verbessert werden. 
Eine Erhöhung der Zugfrequenz und Vertaktung sowie die Einführung von Nachtverkehren kann dazu beitragen die Verbindungen gerade für die Pendlerinnen und Pendler attraktiver zu machen sowie über diese Gruppen hinaus. Die daraus resultierenden Effekte sind klar: Wir erreichen eine Entlastung des Straßenverkehrs, was wiederum gut ist für den Klimaschutz. Zudem kommen die Menschen stressfreier hin und zurück, was einen nicht zu verachtenden Wert darstellt.
Diese positiven Effekte gelten aber nicht nur für Schleswig-Holstein, sie gelten auch und insbesondere für Hamburg. Die hohe Verkehrsdichte rund um Hamburg, gerade zu den Stoßzeiten, erfordert viel Geduld. Das gilt aber auch für die Verkehrssituation in Hamburg selbst. Die Straßen und Parkplatzsituation dort sind nicht auf diese Mengen des Individualverkehrs ausgelegt, die Straßen sind brechend voll und Parkplätze sind Mangelware. Soll heißen: Auch die Stadt Hamburg sollte ein eigenes Interesse daran haben, die S-Bahn-Taktung zu erhöhen, um die Situation auf den eigenen Straßen zu entlasten. Aber ich vermute, hier kommt noch ein Stück Überzeugungsarbeit auf uns zu.
Ich möchte klar sagen, die angesprochen positiven Effekte sind für uns ausschlaggebend, beiden Anträgen zuzustimmen. Wir erkennen darin eine weitaus größere Möglichkeit die Menschen auf die Schiene zu bringen, um damit etwas für den Klimaschutz zu erreichen, als beispielsweise durch eine weitere Ausdehnung des HVV-Tarifs in Schleswig-Holstein. Das Geld sollten wir besser sparen. 
Auch wenn für eine höhere Vertaktung im Bereich der S-Bahn-Verbindungen keine Gelder für die Infrastruktur ausgegeben werden müssen, so nennt das Gutachten zur Optimierung des Schienenverkehrs durchaus Maßnahmen, die Geld kosten werden. Wenn wir das Gutachten zur Optimierung des Schienenverkehrs ernst nehmen und wir uns auf die dort aufgeführten Maßnahmen konzentrieren – und das sind nicht wenige – dann sollten wir uns damit nicht verzetteln. Im Übrigen ist im Gutachten nichts von weiteren HVV-Beitritten zu lesen.

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