Rede · Flemming Meyer · 30.05.2001 Netzwerkbetreuung

Ich danke der Bildungsministerin für diesen Bericht, der klar und deutlich die Probleme - oder wenn man will: die Herausforderungen umreißt, vor denen die Netzwerkbetreuung an den öffentlichen Schulen des Landes steht: Kurz gefasst, kann man sagen, dass die öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein von der IT-Entwicklung so zu sagen überrannt worden sind. Die Anforderungen an den Unterricht im Computer- und Internetbereich sind in den letzten Jahren so stark angestiegen, dass keine einheitliche und koordinierte Entwicklung möglich war. Dabei ist schon seit Jahren klar, dass der globale Wettbewerb es zunehmend erforderlich machte, bereits in der Schule zu lernen, mit der neuen Informationstechnologie umzugehen.

Aus unser Sicht liegt dabei die Verantwortung, die geeigneten Ressourcen für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung zu stellen sowohl bei den Schulträgern als auch beim Land. Angesichts der rasanten Entwicklung reichten die 27 Mio. DM, die von der öffentlichen Hand für Hardware und für Vernetzung in den letzten 4 Jahren zur Verfügung gestellt wurden, leider nicht aus. Ohne die vielfältige Hilfe von privaten Sponsoren sähe es noch schlechter aus. Das kann es aber nicht sein: Schule ist eine öffentliche Aufgabe. Zurecht weist die Landesregierung im Bericht darauf hin, dass es ohne den teilweise aufopferungsvollen Einsatz vieler engagierter Lehrkräfte, die sich oft autodidaktisch des Aufbaus der Rechnerräume sowie der Vernetzungen angenommen haben, mit dem Aufbau der Computersysteme in den Schulen sehr schlecht ausgesehen hätte. Auch von meiner Seite einen großen Dank für diesen uneigennützigen und idealistischen Einsatz, denn der Bericht zeigt ja leider auch sehr deutlich auf, dass die zur Verfügung stehenden Ausgleichsstunden für die Systembetreuung überhaupt nicht auch nur annähernd mit dem konkreten Aufwand dieser Lehrkräfte im Zusammenhang stehen. Wer ein wenig Ahnung von Technik hat, kann sich leicht vorstellen, dass Ausgleichstunden zwischen 0,27 und 1,1 Stunden pro Woche und pro Schule in keiner Weise für die Systembetreuung ausreichend sind. Das Admin-Forum Schleswig-Holstein – die Vereinigung der Netzwerkbetreuenden Lehrkräfte an Schulen in Schleswig-Holstein - hat darauf zu Recht hingewiesen, und auch die Landesregierung sagt dieses sehr deutlich im Bericht.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob es überhaupt die Aufgabe von Lehrkräften ist, diese komplexe Netze und Rechnersystem auszubauen, zu pflegen und zu warten. Aber zum einen würde die Computerausstattung in Schleswig-Holstein ohne diese unbezahlte Mehrarbeit der Lehrkräfte noch weiter hinterher hinken und zum anderen wird vergessen, dass eine zeitgemäße IT-Ausbildung der Schülerinnen und Schüler technische Wartung der Computer und pädagogische Betreuung der Benutzer voraussetzt. Das heißt, selbst bei einer in technischer Hinsicht optimalen externen Betreuung werden eine große Anzahl von Lehrkräften benötigt – sozusagen, um die Schnittstellen zwischen Technik und Pädagogik zu bewältigen.

Laut Bericht ist landesweit eine sehr unübersichtliche und technisch sehr heterogene Rechner- und Netzwerkinfrastruktur entstanden, die aus Sicht der Landesregierung optimiert werden kann und muss. Das ist sicherlich richtig, aber das AdminForum hat ja auch recht, wenn es zurecht anmahnt, dass neue Systeme, deren Technik noch nicht ausgereift ist, erst in einigen Jahre wirkungsvoll eingesetzt werden können: die Probleme aber müssen jetzt in Angriff genommen werden.

Im Bericht verweist die Landesregierung darauf, dass sie einige Initiativen in Gang gesetzt hat, um die genannte Probleme zu lösen. So kann das beim IPTS eingerichtete IT-Beratungsnetz, das die Schulträger und die Schulen beim Aufbau von stabilen Systemen berät, ein Beitrag zur Entlastung der Betroffenen werden. - Auch dass die Datenzentrale externe Wartung der Systeme zu günstigen Konditionen anbietet, kann zur konkreten Entlastung der Lehrkräfte beitragen. Dennoch wird dies kurzfristig nicht reichen. Daher sollte die Landesregierung überlegen, ob sie nicht dem Hamburger Modell folgen will, wo kürzlich vereinbart wurde, die Netzwerkbetreuer Hamburger Berufsschulen grundsätzlich mit 3 Ermäßigungsstunden zuzüglich einer Stunde je angefangene 20 Computer zu entlasten. Die Lehrkräfte vor Ort brauchen jetzt Entlastung.

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