Rede · Flemming Meyer · 23.08.2012 Neuordnung der Lehramtsstudiengänge

Dass Veränderungen an den Schulstrukturen immer auch Veränderungen bei der Lehrerausbildung nötig machen, sollte eigentlich allen klar sein. Ich sage „eigentlich“, weil die Vorgängerregierung dann doch recht lange gebraucht hat, um diese Notwendigkeit zu erfassen und entsprechende Schritte einzuleiten. Nach Meinung des SSW hätte bereits zeitgleich mit der Schulreform 2007 eine Reform der Lehrerbildung in Angriff genommen werden müssen.

Weil diese Chance vertan wurde hätte die Neuordnung der Lehramtsstudiengänge eigentlich ganz oben auf der „To-do-Liste“ von Schwarz-Gelb stehen müssen. Doch statt eine Modernisierung anzugehen, hat man zwischenzeitlich sogar mit der Rückkehr zum Staatsexamen geliebäugelt. Erst Ende März diesen Jahres konnte man sich zu dem Beschluss durchringen, dass es ab dem Wintersemester 2013/2014 an der Uni Flensburg erstmals ein neues Lehramt für Regional- und Gemeinschaftsschulen und ein eigenständiges Lehramt für Grundschulen geben soll. Dass es nun plötzlich alles ganz schnell gehen und dieses Konzept „unverzüglich“ umgesetzt werden muss, ist klar. Doch ein merkwürdiger Beigeschmack bleibt.
Wie schon gesagt, sehen auch wir bei der Weiterentwicklung der Lehrerausbildung ohne Zweifel dringenden Handlungsbedarf. So stehen zum Beispiel die Grundschulen, und damit die hier tätigen Lehrkräfte, in Zukunft vor großen Herausforderungen. Diesen Umstand und die Tatsache, dass bis heute Lehrer für Schularten ausgebildet werden, die es überhaupt nicht mehr gibt, haben wir natürlich im Blick. Und ich will an diesem Punkt - und vor dem Hintergrund des Konzept zur Neuordnung der Lehramtsstudiengänge der Uni Flensburg - ganz deutlich sagen: An der von der Vorgängerregierung in Auftrag gegebenen Umsetzung werden wir selbstverständlich festhalten.

Die CDU weißt in ihrem Antrag nochmals freundlich darauf hin, dass die Akkreditierung der derzeitigen Lehramtsstudiengänge Ende 2013 ausläuft. Natürlich ist uns bekannt, dass wir hier schnell handeln müssen. Das ist gar keine Frage. Und trotzdem möchte ich auf eine Tatsache aufmerksam machen: Wir erwarten erst in diesen Tagen die detaillierte Beschreibung der neuen Lehramtsstudiengänge. Und es dürfte doch jedem klar sein, dass das Akkreditierungsverfahren erst im Anschluss eingeleitet werden kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und FDP: Ich kann Sie also beruhigen – wir werden diesen Prozess auf keinen Fall verzögern.

Uns muss dabei aber klar sein, dass die Umsetzung dieses Konzepts nur der erste Schritt für eine zukunftsfähige Lehrerbildung sein kann. Die Landesregierung muss den Dialog mit der Christian-Albrechts-Universität aufnehmen, um ein Konzept zur Modernisierung der dortigen Lehramtsstudiengänge auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus ist es erklärtes Ziel dieser Regierung, schon bald ein Lehrerbildungsgesetz zu erarbeiten. Hierdurch soll unter anderem die Kooperation und Mobilität zwischen Flensburg und Kiel gestärkt werden. Dabei sollen selbstverständlich auch die Stärken beider Standorte berücksichtigt werden, so dass für beide Universitäten eine langfristige Perspektive entsteht. Das halten wir für eine gute Idee.

Aus Sicht des SSW ist in Sachen Lehrerbildung aber auch darauf zu achten, dass die Minderheitensprachen ausreichend berücksichtigt werden. Ich will nur daran erinnern, dass zum Beispiel die Unterrichtsversorgung für Friesisch nach wie vor ungenügend ist. Deshalb fordern wir hier selbstverständlich weiterhin einen Ausbau der Angebote.

Es lässt sich also festhalten, dass wir nicht nur das Konzept zur Neuordnung der Lehramtsstudiengänge der Uni Flensburg umsetzen, sondern die gesamte Lehrerbildung im Land zukunftsfähig aufstellen. Denn perspektivisch wird ein gemeinsames Modell der Hochschulen für die Lehrerbildung in Schleswig-Holstein entstehen. Und dies wäre nicht weniger als ein großer Fortschritt in der Lehrerbildung in unserem Land.

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