Rede · Flemming Meyer · 20.02.2004 Sechster Forstbericht

Obwohl der Zeitraum von 6 Jahren für den Wald nur eine kleine Zeitspanne darstellt, muss man erkennen, dass seit dem fünften Forstbericht von 1998 in diesem Bereich viel geschehen ist. Und ich will hier vorweg nehmen, dass nicht alles positiv ist - das macht der sechste Forstbericht auch recht deutlich.

Was den Schadenszustand unserer Wälder angeht, hat sich in den letzten Jahre keine spürbare Verbesserung eingestellt. Seit Beginn der Waldschadenserhebung hat sich der Zustand unserer Wälder konstant verschlechtert. Aber nicht nur die Schadstoffeinträge setzen unseren Wäldern zu, auch die großen Stürme "Anatol" und "Anna" haben nachträglich ihre Spuren hinterlassen. Letzteres ist zwar natürlich bedingt, aber ein kranker Wald reagiert eben anfälliger auf Kalamitäten als ein gesunder Wald.

Die Sturmwürfe haben aber nicht nur Schäden in den Forsten hinterlassen, ihre Auswirkungen schlagen sich erheblich auf den Holzmarkt nieder. Die Dimension des Schadens durch "Anatol" ist enorm, so entspricht der Sturmholzanfall fast einem Viertel des regulären jährlichen Holzeinschlags in Schleswig-Holstein und in den landeseigenen Wäldern entstanden etwa 270 Hektar Kahlfläche. Der Sturm hat zwar vorübergehend für steigende Einnahmen gesorgt, aber es hat auch mitgeführt, dass die Holzpreise anschließend in den Keller gingen.

Aber auch die Stürme in Süddeutschland haben ihre Auswirkungen auf den Holzmarkt. Daher mussten auch dort enorme Sturmholzmengen eingelagert werden. Und dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Vermarktung dieses Holzes sich voraussichtlich bis Ende diesen Jahres hinziehen wird.

Dazu kommt dann auch noch die schlechte konjunkturelle Situation in der wir uns zur Zeit befinden - insbesondere die der Baukonjunktur - die sich auch negativ auf die betriebswirtschaftliche Situation der Forstbetriebe auswirkt.

Daher ist es begrüßenswert, dass die meisten Waldbesitzenden ihren Wald nach wie vor selbst bewirtschaften und als Betriebsbestandteil erhalten wollten, trotz der zurzeit ungünstigen Ertragslage. Private und kommunale Waldbesitzende haben zwar im Berichtszeitraum von 1998 bis 2002 Fördermittel von insgesamt 21,1 Mio. Euro bekommen, aber dies konnte die schlechte Ertragslage mit Sicherheit nicht ausgleichen.

Erfreulich hingegen ist, dass mit der Förderung der Neuwaldbildung in Höhe von 6,4 Mio. Euro im Berichtszeitraum allen Anträgen auf Förderung der Investitionskosten und Gewährung der Erstaufforstungsprämien entsprochen werden konnte. Weniger erfreulich ist aber, dass wir es im Berichtszeitraum nicht geschafft haben, jährlich mindestens 1000 Hektar neuen Wald zu schaffen, um so die 12% Waldanteil zu erreichen. Leider konnten hier nur durchschnittlich 310 Hektar jährlich aufgeforstet werden. Mit einer derartigen Entwicklung werden wir das gesetzte Ziel - nämlich bis zum Jahr 2010 einen Waldanteil von 12% zu haben - nicht erreichen. Dies ist bedauerlich und damit wird Schleswig-Holstein auch weiterhin das waldärmste Flächenland Deutschlands bleiben. Aber es ist erfreulich, dass die Landesregierung Mittel aus der Oberflächenwasserabgabe in ihr „Biotopwaldprogramm“ zwecks Neuwaldbildung steckt. Dies wird uns mit jährlich 100 Hektar zwar nicht weit nach vorne katapultieren, aber es zeigt, dass die Landesregierung erfinderisch handelt, um dem gesteckten Ziel näher zu kommen.

Um den Wald und die Forstwirtschaft für die Zukunft nachhaltig und naturnah zu sichern, hat die Landesregierung bereits den Weg der Zertifizierung eingeschlagen. Hiermit verpflichtet sich die Landesregierung bei der forstlichen Bewirtschaftung des Waldes ökologische, wirtschaftliche und soziale Standards einzuhalten. Diesen Schritt begrüßen wir. Denn wir sehen insbesondere in der naturnahen Bewirtschaftung, die Möglichkeit unsere Wälder zu stabilisieren. Daher begrüßen wir auch die getroffenen Maßnahmen zwischen Landesregierung und Privatwaldbesitzern, die auf Vertragsnaturschutz im Wald abzielen. Hervorheben möchte ich hierbei insbesondere die erfolgreichen Verhandlungen zwischen der Landesregierung und dem Schleswig-Holsteinischem Waldbesitzerverband. Die im Dezember letzten Jahres abgeschlossenen Rahmenvereinbarungen über NATURA-2000-Gebiete stellen eine wichtige Grundlage zum finanziellen Ausgleich für erforderliche Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen in diesen Gebieten. Hier waren die Waldbesitzer nach vorherigen umfangreichen Gesprächen mit dem Umweltministerium gewillt, freiwillige Vereinbarungen einzugehen. Diesen Weg begrüßt auch der SSW, denn nur so schafft man die Basis und die Akzeptanz in der Bevölkerung für den europäischen Naturschutz.

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