Rede · Flemming Meyer · 20.09.2003 Silke Hinrichsen: Rede zum SSW-Landesparteitag in Husum

Kære venner,

Für eine Partei die seit Urzeiten besonderes Gewicht auf soziale Gerechtigkeit legt, ist es nicht leicht auszuhalten, was da zurzeit vonstatten geht. Der SSW arbeitet dafür, dass die Menschen in der Region ihr Auskommen finden und ein gutes Leben führen können. Die Bundespolitik macht uns das aber im Moment alles andere als einfach. Das gilt nicht nur für die Wirtschaftsförderung, das gilt auch für die Sozial- und Gesundheitspolitik.

Fast kann man es aus Politikermunde nicht mehr hören, dass die Arbeitslosigkeit das größte Problem ist, das wir haben. Denn dafür das es hier um das „Thema Nummer 1“, geht passiert zu wenig und das was passiert bringt zu wenig. Der SSW unterstützt prinzipiell die sogenannten „Hartz-Reformen“, weil wir wollen, dass die Vermittlung von Arbeit und nicht die Verwaltung der Arbeitslosigkeit in den Mittelpunkt der Arbeitsmarktpolitik gerückt wird. Allerdings dürfen wir nicht blauäugig sein. Die Beschäftigungszahlen, die die Hartz-Kommission im letzten Jahr während des Bundestagswahlkampfes genannt hat, sind überhaupt nicht haltbar. Der Beschäftigungseffekt wird selbst bei einer 1:1 Umsetzung niemals eine Halbierung der jetzigen Arbeitslosenzahlen erreichen können. Denn um Arbeitssuchende zu vermitteln, braucht man als erstes neue Arbeitsplätze. Heute stehen 300.000 offenen Stellen ca. 4,4 Millionen Arbeitslose gegenüber. Dazu kommt, dass der SSW sehr skeptisch verfolgt, was die Bundesregierung aus den Hartz-Vorschlägen macht: Es kann nicht angehen, dass die Bundesanstalt für Arbeit in Rahmen der Reformpläne noch mehr Beschäftigte bekommt. Wir meinen, dass die jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in großen Maße umgeschult werden sollten. Ansonsten bekommen wir nicht weniger, sondern mehr Bürokratie. Zum anderen muss der Gesetzgeber aufpassen, dass bei der Einführung der Personalserviceagenturen oder der Ich-AG’en nicht bestehende Arbeitsplätze oder Unternehmen in Gefahr geraten. Wenn durch den vielen Ich-AG´en in einigen Branchen jetzt funktionierende Handwerksbetriebe Konkurs gehen, dann sind wir ja bezüglich der Arbeitslosigkeit keinen Schritt weiter gekommen.

Kritisch sehen wir auch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe. Wir sehen schon einen Sinn darin, die beiden zu zusammenzufassen, weil es sich bei diesen Arbeitssuchenden zum großen Teil um die gleiche Gruppe von Menschen handelt. Allerdings gibt es auch erhebliche Risiken. Deshalb müssen aus unserer Sicht bei der Ausgestaltung der Reform drei Bedingungen erfüllt sein: 1. Den Kommunen dürfen keine zusätzlichen Kosten oder Einnahmeverluste aufgebürdet werden. 2. Das neue „Arbeitslosengeld II“ darf nicht auf das Niveau der jetzigen Sozialhilfe heruntergesetzt werden. 3. Die kommunalen Beschäftigungsgesellschaften müssen ihre erfolgreiche Arbeit für Langzeitarbeitslose fortführen können. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wird der SSW die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe unterstützen.

Letztlich werden aber auch diese Maßnahmen nicht ausreichen, um das Problem Nummer 1 zu lösen. Wenn man sieht, was in den letzten Jahren für die Arbeitslosen getan worden ist und wie viel Jahre es gedauert hat, bis man Hartz aus dem Hut zauberte, dann kann man schon sprachlos werden. Das wäre allerdings ganz falsch, denn wir müssen endlich gehört werden. Leider sie die, die am lautesten schreien nicht immer die, die es am nötigsten haben.

Das sieht man hervorragend daran, wie die Diskussion um die Gesundheitsreform gelaufen ist. Gute Ansätze für eine neue Gesundheitspolitik sind wieder einmal daran gescheitert, dass die Leistungsanbieter im Gesundheitswesen zu den professionellsten Schreiern in Deutschland gehören. Die Pharmaindustrie hat abermals mit sehr professioneller Lobbyarbeit dafür gesorgt, dass ihre hohen Einnahmen in Deutschland nicht grundlegend angetastet werden. Die niedergelassenen Ärzte konnten verhindern, dass keine neuen Strukturen entstehen, die ihre übermächtige Position im Gesundheitswesen hätte schwächen können. Alle berufen sich auf das Wohl der Patienten, um Reformen zu verhindern, dabei geht es am Ende am wenigsten um die Kranken. Letztlich können die Leistungsanbieter und die Pharmaindustrie weiter machen wie bisher. Stattdessen dürfen die Patienten die Kosten übernehmen – zum Beispiel die neue Praxisgebühr von 10 € pro Quartal, die wir in dieser Form ablehnen.

SSV er imod at vi privatiserer omkostningerne for sundhedsvæsenet. Det må stadig være op til et solidarisk samfund at give menneskene sikkerhed når de bliver syge, gamle eller handicappede. Sundhedspolitik handler ikke kun om sygekassernes økonomi eller hvordan vi får sænket arbejdsgivernes lønomkostninger. Det er også legitime og vigtige målsætninger, men det centrale i sundhedspolitikken må trods alt være hvordan vi skal indrette sundhedsvæsenet så soldariteten kann opretholdes. Der er efterhånden ikke længere mange mennesker der spørger efter fællesskabets solidariske ansvar for andres sundhed og skæbne. Jeg har efterhånden indtrykket af at sundhedspolitik mere og mere handler om at enhver er sin egen lykkes smed – og så handler det om bare ikke at blive syg.

Selvfølgelig kan vi ikke bare se hen over at udgifterne på dette område er stærkt stigende. Hvis der fortsætter på denne måde så er det uundgåeligt at vi på et tidspunkt må spørge om denne eller hin behandling stadig kan betales af den solidariske sygeforsikring. Vi kommer nok ikke uden om at sygesikringen i fremtiden ikke kan betale alle de behandlinger som er teknisk mulige. Men jeg nægter simpelthen at indlade mig på denne debat før man ikke har opbrugt alle muligheder for at spare penge ved hjælp af strukturelle reformer i sundhedsvæsenet. Vi må ikke finde os i at så stærke lobbygrupper forværrer systemets økonomi. Det skal være menneskene der står i centrum for social- og sundhedspolitikken og ikke sundhedsvæsenets faggrupper eller medicinalindustrien.

For SSV er det selvfølgeligt et særligt anliggende at det ikke går ud over mindretallets institutioner, når der skæres ned på det sociale område. Vi er for tiden – det har Anke været inde på – ret bekymrede for den udvikling der har været på børnehaveområdet. I sidste år talte vi her på landsmødet om den finansieringsreform som Kiel havde planlagt. Efter at der blæste regeringen en hård vind imøde har de nu ændret planerne til noget der for de danske institutioners vedkommede gøre slemt værre. Det fremgår allerede af vores skriftlige beretning, så det vil jeg ikke sige så meget til her. Men jeg kan da fortælle at jeg for tiden gør hvad jeg kan for at finde en løsning. Men reformerne vedrører ikke kun de danske børnehaver og fritidshjem, den vedrører alle daginstitutioner i Slesvig-Holsten og den kommer især til at beskæftige vores kommunalpolitikkere. For hvis landet virkelig fremover lægger sit tilskud på 60 millioner Euro til ”Kindertagesstätten” ud til amterne via sit bloktilskud, så frygter vi et skred i de standarder der gælder for personale med mere. De er hidtil skrevet ind i børnehaveloven og ”Kindertagesstättenverordnung”, men fremover skal betingelserne kun fastlægges i en rammeaftale mellem landet og de organisationer der driver de tyske børnehaver. Det er en udvikling som er meget bekymrende. For os må en god pædagogik med gode rammer stadig være målestokken for børnehaver og fritidshjem. De skal være mere end pasningsordninger, for det er dér børnene skal få grundlaget for en god start ud i livet.

Wenn das Land den Kommunen zukünftig eine festen Betrag für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt, dann wird dies dazu führen, dass über kurz oder lang im Kindertagesstättenbereich Kürzungen anstehen. Die Landesregierung schiebt die Verantwortung auf kommunale Ebene ab, wo man irgendwann beginnen wird, an Sozialstaffeln, Personalanforderungen, Gruppengrößen oder Gebäudestandards herum zu schrauben. Wir haben noch nicht genug Vertrauen, dass dieses durch eine Rahmenvereinbarung zwischen Trägern und Land dauerhaft vermieden werden kann. Der SSV meint heute schon, dass wir mehr Angebote der Kinderbetreuung brauchen und dass die Qualität nicht schlechter werden darf. Wir brauchen noch mehr Betreuungsplätze und ich glaube kaum, dass sie sich allein durch die Senkung weniger wichtiger Standards erwirtschaften lassen. Es darf es kein finanzpolitisches Tricksen geben, bei dem die Kleinsten nachher mit dem Schwarzen Peter dasitzen.

Debatten om velfærdssamfundets fremtid hat spillet en vigtig rolle i landdagen i løbet af det sidste års tid. Vi har set på problemet ud fra mange forskellige konkrete områder - selv om det alt for ofte drejer sig om opgaver, som landet slet ingen inflydelse har på. Men som anvarsfulde politikkere blander vi os helt naturligt i de debatter, der har umiddelbare konsekvenser for menneskene i vores region. Og det er jo netop bagsiden af den manglende støtte til vores regionale erhvervsliv at mange mennesker i Sydslesvig er anvist på solidarisk hjælp. SSV har blandet sig i denne diskussion med egne initiativer og vi har reageret på andres forslag. Vi har altid gjort opmærksom på, at vi med vores viden om de nordiske velfærdssamfund kan yde et væsentligt bidrag til denne debat.

Für eine Partei, die sehr viel Wert auf die Sozialpolitik gelegt hat, müsste es eigentlich etwas gutes sein, dass die Sozial- und Gesundheitspolitik jetzt ganz oben auf der Tagesordnung steht und wir die Gelegenheit haben, unseren ganz besonderen Standpunkt deutlich zu machen. Leider begeht man aber auch in diesen Debatten wieder den Fehler, den die deutsche Politik nur allzu oft macht: Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Frage, wie wir das System so reformieren können, dass es billiger und besser wird. Nur eine kleine Minderheit fragt noch, was uns die Solidarität in unserer Gesellschaft wert ist. Längst haben in den großen Diskussionen um die Zukunft des Sozialstaats jene Politiker das Heft in die Hand genommen, die nur Kosten und Ausgaben sehen. Für den SSW ist das zu wenig. Deshalb werden wir heute Nachmittag auch darüber sprechen, wie wir uns eine echte Reform des Wohlfahrtsstaats vorstellen.

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