Flemming Meyer des SSW im Portraitbild. Rede 23.01.2002

Stand der Brennstoffzellentechnologie

Auch wenn es sich bei der Brennstoffzellentechnologie nicht um eine Technik handelt, die schon voll marktfähig ist, so ist doch anzunehmen, dass die Brennstoffzellentechnologie künftig einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird. Was den Betrieb von Fahrzeugen angeht, so sind vor allem die großen Automobilhersteller drauf und dran Systeme zu entwickeln, die es möglich machen werden, in Zukunft die Brennstoffzelle im großen Stil zu nutzen. Eine Entwicklung die größten Teils mangels Automobilindustrie an Schleswig-Holstein vorbei geht. Es stellt sich allerdings die Frage, ob wir mit dem im Bericht beschriebenem Know-how vielleicht zumindest am Rande von den Entwicklungen im Automobilbau partizipieren können.
Trotzdem muss man sagen, dass es ein Unternehmen im Lande gibt, dass führend im Bereich der Antriebstechnik durch Brennstoffzellen ist. Ich spreche hier natürlich von der HDW. Gerade im U-Boot-Bau hat sich HDW einen Vorsprung am Markt erarbeitet, der es ermöglichte eine höhere Qualität als die Mitbewerber zu bieten. Gerade die Integration von Brennstoffzellen im U-Boot-Bau durch die HDW zeigt, dass unsere Werftindustrie eben doch eine höchst innovative Industrie ist und damit auch die entsprechenden Unterstützungen der Werftindustrie sinnvoll verwendete Mittel sind, die sich auch für das Land bezahlt machen.
Wenn wir aber schon bei der Entwicklung unseres Landes sind, müssen wir feststellen, dass zwar nicht viele Betriebe sich in der Brennstoffzellentechnik engagieren, aber die Betriebe, die dies tun, manchmal richtige Pionierarbeit leisten, die unser Land in Zukunft durchaus verändern können.
Die Brennstoffzellentechnologie an sich, wird an vielen Orten erforscht, aber ich glaube, dass das was bei „Seaborne“ in Owschlag derzeit geschieht, oft noch unterschätzt wird. Das was man dort untersucht, erforscht und ausprobiert kann einen erheblichen Entwicklungsschub für den ländlichen Raum auslösen.
Zum einen ist da der Betrieb des Blockheizkraftwerkes und die möglichst umfassende Nutzung von Rohstoffen. Das alleine wäre nicht so besonders, auch wenn der Nutzungsgrad dort sehr hoch ist. Viel wichtiger ist aber die Gewinnung von möglichst reinem Biogas aus organischen Abfällen, Gülle und Klärschlamm. Alle drei Grundstoffe stellen jedes für sich ein enormes Problem dar, wenn man diese dem normalen Kreislauf zuführen wollte. Und Gülle und Klärschlamm sind dabei besonders in den ländlichen Räumen ein Problem. Genau an dieser Problematik setzt das Konzept bei „Seaborne“ an. Man vermischt diese Stoffe nicht nur mit beispielsweise Holz-Hackschnitzeln, um sie dann einfach nur zu verbrennen, sondern man versucht auch möglichst reines Biogas daraus zu gewinnen. Und auf die Reinheit kommt es an, will man dieses Biogas für Brennstoffzellen nutzen.
Gelingt es langfristig das Konzept von „Seaborne“ in größerem Stil umzusetzen, besteht die Möglichkeit einen Teil der Abfallproblematik des ländlichen Raumes zu lösen. Gleichzeitig könnte man in den ländlichen Räumen hochwertiges Biogas produzieren, was auch die Einkommenssituation in den ländlichen Räumen verbessern würde. Das Konzept von „Seaborne“ – mit Blockheizkraftwerk; Verwendung von Holz, nachwachsenden Rohstoffen, organischen Abfällen, Gülle und Klärschlamm; und mit Erschließung der Brennstoffzellentechnologie – kann zu einem Erfolgsmodell und einem Exportschlager „Made in Schleswig-Holstein“ werden.
Denkt man das ganze zu Ende, so kann sich sogar die in Owschlag stattfindende Veredelung von Biogas auf die Brennstoffzellentechnik in der Automobilindustrie auswirken.
Ich bin extra auf dieses eine Beispiel aus Owschlag eingegangen, um deutlich zu machen, dass sich Investitionen in die Brennstoffzellentechnologie durchaus lohnen können. Es ist klar, dass die absolute Förderhöhe durch das Land sicherlich eher gering ist. Das liegt auch an der geringen Anzahl an Unternehmen und Institutionen im Lande, die sich mit diesem Thema befassen. Aber trotzdem muss man sagen, dass man in diesem Bereich lieber einmal mehr als einmal zu wenig fördern sollte. Und ich glaube ich habe auch deutlich gemacht, dass die Brennstoffzellentechnologie nicht nur etwas ist, was sich in den großen Ballungszentren etablieren kann, sondern dass auch gerade der ländliche Raum von dieser Entwicklung profitieren kann und auch sollte.

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