Rede · Jette Waldinger-Thiering · 20.07.2017 Verunsicherung durch Strukturdebatten vermeiden und Lehrkräfte unterstützen

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 11 - Konzept zur Verbesserung des Gesundheitsmanagements an Schulen

Grundsätzlich können wir sicher alle das Ziel dieses Antrags mittragen. Natürlich wollen wir unsere Lehrerinnen und Lehrer unterstützen. Und selbstverständlich wollen wir alles tun, um ihre Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Das muss aus unserer Sicht übrigens für alle Menschen gelten, die an unseren Schulen tätig sind. Keine Frage: Hierauf hinzuarbeiten, ist und bleibt wichtig. Denn die Arbeitsbelastung ist in den letzten Jahren auch und gerade im Schulbereich nachweislich gestiegen.

Vor diesem Hintergrund kann man natürlich nichts gegen ein wissenschaftlich basiertes Konzept zur Verbesserung des Gesundheitsmanagements an Schulen haben. Aber wenn man sich für diesen Weg entscheidet, muss man hier auch gründlich arbeiten. Für uns heißt das, dass wir die Situation der Lehrkräfte über mindestens ein gesamtes Schuljahr hinweg in den Blick nehmen. So ergibt sich ein wirklich aussagekräftiges Bild mit allen Facetten des Schulalltags. Und nur ein solches, umfassendes Bild ist aus meiner Sicht eine geeignete Grundlage, um dauerhaft wirksame Gegenmaßnahmen zu entwerfen und unsere Lehrerinnen und Lehrer noch besser zu unterstützen.

Ich will der Befragung unserer Lehrkräfte nicht vorgreifen: Aber aus meinem ehemaligen Kollegenkreis weiß ich, dass es vor allem Unsicherheit und Überforderung sind, die zu gesundheitlichen Belastungen des Schulpersonals führen. Und ein ganz gewichtiger Faktor ist in diesem Zusammenhang die Frage der Schulstruktur. Es sind also vor allem Debatten über die Struktur unserer Schulen - wie etwa aktuell über die Frage G8/G9 an Gymnasien - die zu großen Verunsicherungen und damit zu Stress führen. Und gerade hier muten CDU, Grüne und FDP den Lehrkräften gerade einiges zu. Ich denke, dieser Zusammenhang ist den allermeisten auch ohne wissenschaftlich basiertes Konzept klar. 

Doch ganz ohne Frage gibt es weitere Gründe für die zunehmende Belastung unserer Lehrerinnen und Lehrer. Neben dem Dauerthema Lärmbelästigung zählen zum Beispiel veränderte Anforderungen durch den digitalen Wandel, das Ziel der inklusiven Schule oder die Beschulung Geflüchteter dazu. Auch die fehlende Entlastung bei organisatorischen Aufgaben bzw. die fehlende Würdigung derjenigen, die Zusatzaufgaben auf sich nehmen, spielt hier eine nicht unwichtige Rolle. 

In jedem Fall muss uns allen eins klar sein: Die Ergebnisse der Befragung werden mit großer Wahrscheinlichkeit einen Mehrbedarf im Schulbereich ergeben. Ich gehe jedenfalls stark davon aus, dass viele Lehrerinnen und Lehrer auf ihre zu hohe Unterrichtsverpflichtung und auf die fehlende Zeit für Zusatz- und Führungsaufgaben hinweisen werden. Wir hoffen jedenfalls sehr, dass die Landesregierung dann auch die richtigen Schlüsse daraus zieht und vor allem auch die möglichen Gegenmaßnahmen darstellt. Und zwar möglichst konkret und für uns alle nachvollziehbar. Und unabhängig davon ist für uns natürlich klar, dass wir ganz im Sinne der vorliegenden Anträge handeln und unsere Lehrkräfte noch umfassender unterstützen müssen.

Und Unterstützung heißt für uns nicht zuletzt, dass wir die personelle Ausstattung unserer Schulen fortlaufend an die genannten Herausforderungen anpassen müssen. Bekanntlich haben wir die damaligen Stellenabbaupläne von CDU und FDP abgemildert. Dies wurde zwar viel kritisiert, aber wir halten eine auskömmliche Personalausstattung für die absolute Grundvoraussetzung für gesundes Arbeiten. Daran hat sich natürlich nichts geändert. Schon gar nicht in Zeiten, in denen wachsende Schülerzahlen prognostiziert werden. Wer also gesunde Lehrerinnen und Lehrer will, sollte hieran genauso denken, wie an das Thema Fort- und Weiterbildung. Denn nur so geben wir den Lehrkräften die Möglichkeit, sich angemessen auf neue An- und Herausforderungen vorbereiten zu können. Und so beugen wir genau der strukturellen Überforderung vor, die häufig krank macht. 

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