Rede · 11.04.2014 Zurück zur Naturpädagogik

Wir alle kennen die Geschichten, dass Kinder nicht mehr wissen, woher das Fleisch auf ihrem Teller kommt und glauben, dass die Milch aus der Fabrik in die Tüte kommt. Das sind keine Anekdoten, sondern Alarmzeichen für eine zunehmende Entfremdung der Kinder von ihrer Umwelt. Ja, es gibt Kinder, die kaum einen nicht-asphaltierten Weg kennen und auch als kleine Schleswig-Holsteiner noch nie am Meer waren. Also: raus mit ihnen in Wald, Wiese oder auf den Bauernhof. Gerade zu letzteren gibt es ja ein vorbildliches Projekt, das jüngeren Kindern einen Besuch auf einem Bauernhof ermöglicht.

Hier kommen die Kreisfachberater ins Spiel. Sie sind es, die die Ausflüge organisieren und begleiten. So hat es jahrelang der Lecker Lehrer Wolfgang Ziriakus gemacht, der mit Schülerinnen und Schülern der dritten bis achten Klasse nordfriesische Bauernhöfe besuchte. Viele von den Kindern streichelten bei diesen Besuchen erstmals eine Kuh und lernten etwas über die Milchwirtschaft. Die Schule muss also hier manches nachholen, was den Eltern an Vermittlung von Wissen und Erfahrung nicht gelingt. Zum Bildungsauftrag der Schule gehören solche schönen, authentischen Erlebnisse einfach dazu. Schule muss so etwas möglich machen können. Damit werden die Kleinen sensibilisiert und so werden aus Kindern mündige Bürgerinnen und Bürger.

So in etwa kann man auch den Hintergrund für die Kreisfachberater verstehen. Sie machen natürlich nicht alle Ausflüge selbst, sondern unterstützen Lehrkräfte in Sachen naturpädagogische Maßnahmen. Ehrlicherweise muss man allerdings eingestehen, dass die Kreisfachberater mittlerweile in Sachbearbeiter-Tätigkeiten ersticken. Vorschriften und organisatorischer Aufwand haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Einfach mal so auf einem Bauernhof vorbeischauen, geht gar nicht. Vor so einem Besuch sind viele Vorbereitungen zu treffen - bis hin zur Anfahrt. Das kostet Zeit und bindet Energie, so dass kaum noch Zeit für andere Aktivitäten bleibt. Vor allem die Umweltverbände kritisieren das. Sie bekommen wegen der komplizierten und langwierigen Verfahren via Kreisfachberater nur schwer in Kontakt zu den Schulen. So ehrlich müssen wir sein, dass die Arbeit der Kreisfachberater in diesem Bereich neu strukturiert werden muss. Nur, weil etwas in der Vergangenheit gut geklappt hat, heißt das nicht, dass die Verfahren auch noch heute funktionieren.

Vorrangig gilt es, die Kreisfachberater zu entlasten und ihnen die nötigen Freiträume für ihre eigentlichen Aufgaben zu schaffen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die Berater zu einer Art Flaschenhals wurden, die Kooperationen im Wege stehen, anstatt sie zu befördern. Viele Schulen machen es sich vielleicht auch zu einfach, indem sie auf lange Wartezeiten des Kreisfachberaters verweisen. Sie können den Kontakt zu den Verbänden durchaus selbst herstellen. Eine vermittelnde Instanz ist doch in Zeiten von Google und Telefonbuch nicht mehr von Nöten. An dieser Stelle würde ich mir mehr Eigeninitiative der Schulen wünschen.

Was aber gebraucht wird, und weiterhin wichtig ist, ist die Vermittlung naturpädagogischer Inhalte. Damit aus einem Ausflug auf dem Bauernhof nicht einfach nur eines von vielen beliebigen Events wird, sondern die Kinder wirklich begreifen, was sie da sehen und sie anfangen, Fragen zu stellen, bedarf es eines entsprechenden naturpädagogischen Konzepts. Und genau hier sind die Kreisfachberater gefragt. Derzeit werden sie noch als eine Art Gelbe Seiten benutzt und ihr eigentliches Knowhow liegt brach. Das müssen wir ändern. Schließlich eignen sich nicht alle naturpädagogischen Angebote für alle Schulen. Hier ist eine intensive Beratung unbedingt angezeigt. Auch muss sich Naturpädagogik nicht unbedingt auf Fächer wie Sach- und Naturkunde beschränken, sondern kann mit geeignetem Konzept auch fächerübergreifend eingesetzt werden. Aber das kostet nun mal Zeit. Zeit, die die Kreisfachberater zurzeit nicht haben.

Die Regionalisierung der Beratungsleistungen ist der Weg zur besseren Beratung. Ob allerdings die Standorte optimal gewählt sind, muss sich noch zeigen.

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