Rede · Flemming Meyer · 20.02.2004 Berufliche Situation insbes. der Frauen im ländlichen Bereich und in den sog. „grünen Berufen“

Aufgrund des Berichtsantrags der CDU legt die Landesregierung nunmehr den Bericht zur beruflichen Situation insbesondere der Frauen im ländlichen Bereich und in den sogenannten „grünen Berufen“ vor. Leider ist dem Bericht nicht allzu viel Neues zu entnehmen, was nicht bereits hinlänglich bekannt ist. Trotzdem ist es wichtig, dass dieses Thema aufgegriffen wird.

Der Bericht macht deutlich, dass die Arbeitsmarktsituation im ländlichen Bereich nicht rosig aussieht. Und dies ist auch ein Grund, warum es insbesondere für Frauen schwierig ist, in sogenannten „grünen Berufen“ Fuß zu fassen.

Die Übersichttabelle im Bericht über die „grünen Berufe“ mit der Frauen/Männer-Verteilung zeigt die überwiegende Männerdominanz - mit wenigen Ausnahmen - in diesen Berufen. Gleiches gilt im übrigen auch für Bereiche der Weiterbildung.

Entsprechend gestaltet sich somit auch die Verteilung von Frauen im akademischen Lehrkörper der agrarwissenschaftlichen Fakultät und der Fachhochschule sowie in „verantwortlichen Positionen“, das heißt Beschäftigte im gehobenen und höheren Dienst. Hier ist es aber erfreulich, dass sich der Anteil an Frauen in der Agrarverwaltung des Landes und in der Landwirtschaftskammer im Zeitraum von 1994 bis 2003 gestiegen ist. Jedoch sind Frauen auch in diesen Bereichen immer noch unterrepräsentiert.

Nun kann natürlich gefordert werden, dass Gender Mainstreaming eine stärkere Berücksichtigung in den „grünen Berufen“ finden soll. Dieser Ansatz ist auch nicht verkehrt. Jedoch müssen wir uns ehrlicherweise die Frage stellen, inwieweit es sinnvoll ist die „grünen Berufe“ sektoral zu betrachten, da wir wissen, dass in vielen Bereichen der „grünen Berufe“ seit Jahren ein Strukturwandel stattfindet, der noch nicht beendet ist. Dies geht auch deutlich aus dem Bericht hervor, der deutlich macht, dass im Zeitraum von 1998 bis 2001 die Zahl der Beschäftigten Personen in der Land- und Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein um 10% gesunken ist. Und der zunehmend enger werdende Arbeitsmarkt in der Landwirtschaft wird sich daher auch weiter negativ auf die Situation der Frauen in landwirtschaftlichen Berufen auswirken. Ich will hier keinen falschen Eindruck entstehen lassen. Natürlich sollen wir diese Entwicklung nicht zum Anlass nehmen, und das Ungleichgewicht akzeptieren. Wir müssen uns aber die Frage stellen, wie der Strukturwandel anderweitig abgefangen werden kann.

Der Bericht gibt einen guten Überblick über Förderprogramme und Maßnahmen, die derzeit explizit für Frauen im ländlichen Bereich angeboten werden. Hervorheben möchte ich hierbei insbesondere die Beratungsstellen Frau & Beruf, die sich seit 1989 kontinuierlich weiterentwickelt haben. Ursprünglich als reine Weiterbildungsberatungsstelle für Berufsrückkehrerinnen haben sie mittlerweile eine erweiterte Konzeption unter Federführung des Frauenministeriums erarbeitet. Die Grundlagen des Konzepts sind arbeitsmarktorientierte Beratung von Frauen, Abstimmung des regionalen Weiterbildungsangebots auf die Situation von Frauen sowie strukturpolitische Aktivitäten in der Region zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von Frauen.

„Frau & Beruf“ hat ein Netzwerk im Land aufgebaut, das flexibel auf regionale Anforderungen an Frauen reagieren kann. Darüber hinaus haben die Beratungsstellen besondere regionalspezifische Schwerpunktthemen, die sich aus den Besonderheiten vor Ort ergeben. Die erfolgreiche Tätigkeit von Frau & Beruf macht deutlich, dass es wichtig ist, dass wir arbeitsmarktpolitisch auch den regionalen Ansatz berücksichtigen. Denn nur so schaffen wir es, Chancengleichheit zum städtischen Raum herzustellen.

Wichtig ist und bleibt aber, die qualifizierte Aus- und Weiterbildung von Frauen. Und der Bericht macht deutlich, dass es im ländlichen Raum durchaus Alternativen zu den „grünen Berufen“ gibt. Und diese Alternativen müssen weiter genutzt werden. So können wir mehr für die Frauen im ländlichen Raum tun.

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