Rede · Lars Harms · 22.01.2020 Friesisches Lehrbuch wird von Lehrern in ihrer Freizeit erarbeitet

"Das Lehrbuch wurde hauptsächlich mit Mitteln der Bürgerstiftung Risum-Lindholm und der Ferring-Stiftung ermöglicht. Auch das stelle man sich einmal für andere Unterrichtsfächer vor. Der Aufschrei wäre mit Recht riesengroß."

Lars Harms am Meer

Lars Harms zu TOP 17 - Maßnahmen für mehr Friesischunterricht (Drs. 19/1894)

Wir haben in der Vergangenheit sicherlich große Fortschritte in der Minderheitenpolitik gemacht, aber in einem Bereich müssen wir feststellen, dass wir keine Erfolgsgeschichte vorweisen können. Und das ist der Friesischunterricht. 
Den Höchststand, was die Anzahl der Friesischschülerinnen und -schüler angeht, hatten wir im Schuljahr 2005/2006 mit 1.455 Schülerinnen und Schülern. 
In den letzten Jahren pendelte sich die Zahl bei rund 850 Schülerinnen und Schülern ein. Das ist das Niveau, dass wir Mitte bis Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten. 
Wir können also feststellen, dass sich zwischenzeitlich ein wenig bewegt hatte, aber jetzt der Unterricht wieder eingebrochen ist. Und bisher ist auch keine Besserung in Sicht. Nun geht es für uns aber nicht darum, irgendjemanden die Schuld hierfür zuzuweisen. Vielmehr muss es doch darum gehen, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation wieder zu verbessern und zu verstetigen. 
Wir müssen erstens das Studium in diesem Bereich attraktiver machen, 
zweitens sicherstellen, dass modernes Unterrichtsmaterial zur Verfügung steht und 
drittens dass dann auch der Friesischunterricht tatsächlich an den Schulen implementiert wird. Und genau hier setzt unser Antrag an.
Der Zertifikatskurs Friesisch an der Uni Flensburg lohnt sich nur, wenn man hierfür auch entsprechende Punkte für diesen Teil des Studiums erhält. 
Für den erfolgreichen Abschluss der DAZ-Ausbildung erhält ein Student zusätzlich 25 Punkte. Für Friesisch gibt es nichts. 
Obwohl der Aufwand und das Niveau durchaus vergleichbar sind. Deshalb müssen Friesischstudenten nach unserer Auffassung genauso viele Punkte bekommen, wie beispielsweise Studenten, die die DAZ-Ausbildung abgeschlossen haben.
Auch bei der Erarbeitung und Herstellung von Lehrmaterialien gibt es erhebliche Probleme. Die Landes-Fachberater sind nicht für die Erarbeitung von Lehrmaterialien zuständig. Das derzeitige Lehrbuch für die erste und zweite Klasse ist von Lehrern in ihrer Freizeit erarbeitet worden. 
Man stelle sich dies einmal für den Englisch- oder Französischunterricht vor. 
Bei anderen Sprachfächern, wird die Erarbeitung von Material über die Schulbuchverlage abgewickelt. 
So etwas gibt es für das Friesische nicht. Das gerade eben angesprochene Lehrbuch wurde hauptsächlich mit Mitteln der Bürgerstiftung Risum-Lindholm und der Ferring-Stiftung ermöglicht. Auch das stelle man sich einmal für andere Unterrichtsfächer vor. Der Aufschrei wäre mit Recht riesengroß. 
Deshalb muss das Land für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. 
Es muss Lehrmaterial erarbeitet werden. Es müssen Abordnungsstunden für die Erarbeitung des Materials zur Verfügung gestellt werden. 
Es müssen Personen oder Institutionen benannt werden, die für die Erarbeitung des Materials zuständig sind. Und die Finanzierung dieses Materials muss über den Landeshaushalt gewährleistet werden. 
All das gibt es derzeit nicht und deshalb muss hier schnell etwas geschehen!
Und auch bei den Schulen selber müssen wir ansetzen. Mit reiner Freiwilligkeit werden wir hier nichts. Es muss schon ein bisschen mehr sein. 
Lehrer müssen einen sicheren Referendariatsplatz während des Studiums bekommen und sie müssen nach Abschluss ihres Studiums eine Jobgarantie wie bei den Sorben und eine entsprechende Planstelle in Nordfriesland oder auf Helgoland bekommen. 
Und wie bei den Lehrern, die eine Prämie bekommen, damit sie an Schulen im ländlichen Bereich unterrichten, so muss es auch eine entsprechende Gehaltszulage bei den Friesischlehrern geben. 
Erst dann ist diese Variante des Lehrerberufs richtig attraktiv.
Nur, wenn wir wirkliche Modellschulen für Friesisch einrichten, haben wir eine Chance, dass sich etwas Nachhaltiges entwickeln kann. Deshalb muss an solchen Schulen Friesisch fester Bestandteil der Stundentafeln in Klasse 1 bis 6 werden. 
Und Friesisch muss als richtiges Fach unterrichtet werden. 
Ja, und dazu gehört dann auch, dass für die Leistungen im Friesischunterricht reguläre Zeugniseinträge erfolgen. Denn auch das erhöht den Stellenwert des Friesischunterrichts und steigert die Motivation der Schülerinnen und Schüler.
Also, meine Damen und Herren, legen wir los. Ich bitte um Überweisung unseres Antrages in den Bildungsausschuss und freue mich auf Ihre Unterstützung.

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